Graz bekommt doch keine U-Bahn

Metro ist vom Tisch

Graz bekommt doch keine U-Bahn

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Die ersten Würfel sind gefallen: Graz wird wohl in den kommenden Jahrzehnten einen S-Bahntunnel als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr bekommen.  

Die Stadtregierung hat am Dienstag den Endbericht einer Expertenkommission präsentiert. Die Metro schied als die teuerste Variante aus: "Die Entscheidung ist gefallen: Wir bevorzugen eine S-Bahntunnel-Variante", sagte Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne). Ende 2022 soll klar sein, ob es die lange oder kurze ist.

Siegfried Nagl (ÖVP), Vorgänger von Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ), hatte sich noch für die Metro eingesetzt und diese auch zum Wahlkampfthema gemacht. "Eine Versachlichung der Diskussion war nötig", sagte Kahr. Eine Expertenrunde habe nun über ein Jahr lang alle Seiten betrachtet, um herauszufinden, "was am gescheitesten ist". Es solle niemand sagen können, dass die Entscheidung ohne gute Vorarbeit getroffen wurde, so die Bürgermeisterin.

Kombination aus Straßenbahn und S-Bahn 

Neben der U-Bahn und zwei unterschiedlich langen S-Bahntunnel-Varianten wurde auch das Konzept einer City-S-Bahn und der maximale Ausbau des Straßenbahnnetzes beleuchtet. Eingeflossen sind sowohl die Bau- als auch die Betriebskosten, Stärken und Schwächen, sowie Chancen und Risiken der unterschiedlichen Konzepte. Die Metro stellte sich als die mit Abstand teuerste Variante sowohl beim Bau als auch bei den jährlichen Betriebskosten heraus. Außerdem würde sie vorrangig den Grazerinnen und Grazern nützen, aber weniger den vielen Einpendlern. Da eine Finanzierung ohne Unterstützung von Land und Bund nicht machbar ist, sei man auf ein Konzept aus, das auch das Umland mehr als die Metro einbindet. Genau das sollen die S-Bahntunnel-Varianten bieten. "Im Glücksfall schaffen wir eine Drittelfinanzierung", hoffte Schwentner.

Der S-Bahntunnel kurz sieht eine Kombination aus Straßenbahn und S-Bahn vor. Der rund 6,3 Kilometer lange Tunnel würde bei dieser Variante vom Westen her unter dem Hauptbahnhof durchführen, unter der Keplerstraße weiter rund um den Schloßberg und dann unter der Glacis- und der Conrad-von-Hötzendorfstraße bis zum Ostbahnhof. Der Großteil der Tunnelabschnitte soll in offener Bauweise errichtet werden, was aber zu längeren Verkehrsbehinderungen führen dürfte. Der S-Bahntunnel lang, er würde etwa 7,4 Kilometer lang sein, ist überwiegend in bergmännischer Bauweise geplant, was aber zu höheren Kosten führt.

Ausbau der Straßenbahn 

Die Experten trafen keine eindeutige Reihung der Varianten. Doch sie einigten sich auf einen Konsens, mit dem nun weitergearbeitet wird: Klar ist, dass der Ausbau der Straßenbahn nötig ist. Die Südwest-, die Nordwest- und die Uni-Linie seien unabdingbar; ebenso die Linien nach Liebenau-West und St. Peter. Die Flächen für diesen Ausbau müssen umgehend sichergestellt werden, ebenso die Flächen für Remisen und Werkstätten. Für alle Experten ist auch unausweichlich, dass die Nahverkehrsknoten in Gösting, Reininghaus und Seiersberg gebaut werden und die Strecke der Graz-Köflacher-Bahn zweigleisig ausgebaut werden muss. Der Ausbau der Ostbahn in Richtung Gleisdorf und Hartberg sei ebenfalls unbedingt zu forcieren, schilderte Stadtbaudirektor Bertram Werle.

Forschende der TU Graz haben die vorgelegten Konzepte übrigens ebenfalls durchgerechnet, kamen aber zu dem Schluss, dass keine Variante einen erhofften ÖV-Modal Split von 30 Prozent (derzeit sind es knapp 20 Prozent) erreichen werde. Zusätzliche Maßnahmen wie etwa die Erweiterung der Zonen für gebührenpflichtige Parkplätze seien dafür nötig, sagen die Experten.

"Wir haben es eilig", betonte Schwentner. Die Entscheidung, welche Variante gebaut werde, müsse bald fallen. Noch bis Ende des Jahres sollen nun die beiden bevorzugten S-Bahntunnel-Varianten noch genauer betrachtet werden. Zudem wird noch eine weitere Studie von Verkehrsplaner Willi Hüsler einbezogen. Dann soll klar sein, welche Variante forciert wird.
 

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