Mehrere Opfer

Kinder eingesperrt und misshandelt: Vater (49) kassierte sieben Jahre Haft

Der 49-Jährige soll seine eigenen Kinder sowie seine Stiefkinder geschlagen, misshandelt und weggesperrt haben.

Weil er im Bezirk Gmünd seine minderjährigen Kinder und Stiefkinder geschlagen sowie in Räumen eingesperrt und auch seine Ex-Lebensgefährtin misshandelt haben soll, ist ein 49-Jähriger am Montag in Krems zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Der Schuldspruch wegen fortgesetzter Gewaltausübung ist nicht rechtskräftig. Der Waldviertler hatte die Vorwürfe zuvor teilweise bestritten.

"Es haben sich die Zeiten geändert", betonte die vorsitzende Richterin bei der Urteilsverkündung. Derartige Handlungen seien spätestens seit einer Gesetzesreform 2009 strafbar, selbst wenn es zu keinen direkten Verletzungen komme. Die Strafdauer von sieben Jahren sei hier "notwendig und absolut angemessen" in general- und spezialpräventiver Hinsicht. Der Beschuldigte müsse begreifen, dass es sich "um keine Kavaliersdelikte handelt". Bei der Strafbemessung wirkten sich u.a. der lange Tatzeitraum und die Vielzahl der Opfer als erschwerend aus. Mildernd gewertet wurde der bisher ordentliche Lebenswandel des 49-Jährigen. 

Misshandelt worden sind laut Anklage ein Stiefsohn, eine Stieftochter sowie ein leiblicher Sohn und eine leibliche Tochter des 49-Jährigen. Der Tatzeitraum erstreckte sich demnach von 2009 bis Dezember 2023. Die minderjährigen Opfer dürften im Verhalten kontrolliert worden sein, zudem soll ihre autonome Lebensführung erheblich eingeschränkt worden sein. Die Vorwürfe reichen von körperlichen Misshandlungen und Schlägen bis hin zum Einsperren für mehrere Stunden oder über Nacht in der Waschküche und im Holzlager-oder Abstellraum.

Mädchen erlitt posttraumatische Belastungsstörung

Die 2001 geborene Stieftochter sei ebenfalls ab dem Alter von acht Jahren in einem Keller und Holzlagerraum eingesperrt worden. "Das Kind hatte Angst im Dunklen", sagte die Staatsanwältin bei ihrem Eröffnungsvortrag. Das Mädchen erlitt demnach eine posttraumatische Belastungsstörung.

Auch die Kindesmutter und damalige Partnerin des 49-Jährigen dürfte vom Angeklagten misshandelt und teilweise über Nacht in Waschküche oder Holzlagerraum eingesperrt worden sein. Der Beschuldigte gab am Montag zu, sie zweimal geschlagen zu haben. 2017 zog die Frau mit den Kindern aus dem gemeinsamen Haus aus. Gegen die Ex-Lebensgefährtin des 49-Jährigen ist wegen Unterlassung der Verhinderung einer mit Strafe bedrohten Handlung ebenfalls ein Verfahren anhängig. Dieses wurde ausgeschieden und wird zu einem späteren Zeitpunkt geführt.

Der Angeklagte bekannte sich indes teilweise schuldig. "Ich habe kein Kind eingesperrt und kein Kind geschlagen", betonte der 49-Jährige. "Ich frage mich immer wieder selbst, warum sie das behaupten. Ich glaub, dass das Neid ist. Weil ich mein Leben im Griff habe, weil ich ein Haus habe." Jedoch: "Das Knien gebe ich zu. Sie haben zum Beispiel meinen Laptop ruiniert und nicht zugegeben, dass sie es waren. Da haben sie halt knien müssen." Damit die Kinder wüssten, "dass man sich so nicht verhält gegenüber den Eltern". Auch er sei in jungen Jahren zum Knien gezwungen worden. Das sei nicht nett gewesen, "aber es hat geholfen". Er habe sich danach "anders verhalten".

"Cholerisch veranlagt"

Seitens der Opfervertretung wurde der 49-Jährige u.a. als cholerisch veranlagt bezeichnet. Der Verteidiger des Angeklagten räumte ein, dass in der Anklage ein dramatisches Bild gezeichnet werde, die Vorwürfe seien "äußerst schwerwiegend". Er ortete jedoch widersprüchliche Angaben der Zeugen.

Für zwei der Betroffenen besteht mittlerweile keine Sorgepflicht mehr. Ein 2008 geborener Sohn, dessen Anzeige den Fall ins Rollen gebracht hatte, ist bei der Großmutter untergebracht. Das jüngste Kind, die 2015 geborene Tochter des 49-Jährigen, wohnt mittlerweile bei einer Pflegefamilie.

Die Schöffen zogen sich kurz nach 14.15 Uhr zu ihren Beratungen zurück. Mit einem Urteil in den Nachmittagsstunden wird gerechnet.

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