Terror-Prozess: Lorenz K. weiter radikal

Zeichnungen in Zelle

Terror-Prozess: Lorenz K. weiter radikal

Um die Anschlagspläne eines mittlerweile 19-jährigen Wieners, der sich als mutmaßlicher IS-Terrorist vor einem Schwurgericht verantworten muss, ist es am zweiten Verhandlungstag am Landesgericht für Strafsachen gegangen. Dabei kamen auch Zeichnungen des jungen Mannes zur Sprache, die darauf hindeuten könnten, dass er womöglich noch immer radikalislamistischem Gedankengut anhängt.

Bei einer ersten Durchsuchung der Zelle am 29. Jänner 2018 hatte man beim 19-Jährigen vier Zeichnungen entdeckt. Eine zeigte die US-Flagge mit dem Teufel, eine weitere einen bewaffneten Mann, der offenbar einen Kämpfer der Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) darstellen soll. "Wir wissen alle, dass die heutige Politik der US-Regierung nicht schön ist", nahm der Angeklagte zum ersten Bild Stellung. Das zweite zeige keinen IS-Kämpfer, sondern einen Mudschahed. Bei einem zweiten Filz am 6. Februar wurde in der Zelle eine Zeichnung beschlagnahmt, auf der unter anderem ein erhobener Zeigefinger - der sogenannte Tauhid-Finger wird auch vom IS verwendet - und eine Kalaschnikow zu sehen sind.

 

Er wollte mit Bildern "provozieren"

Er habe mit den Bildern, die er allesamt zwischen 20. und 25. Dezember hergestellt hätte, "provozieren" wollen, behauptete der 19-Jährige. Bis auf das letzte ("Das war mir zu arg") hätte er alle in seiner Zelle aufgehängt, um damit gegenüber der Justizwache seinen Unmut über die Haftbedingungen kundzutun: "Man wird nicht gut behandelt mit diesem Delikt (gemeint: terroristische Vereinigung, Anm.). Ich habe lange durchgehalten, ohne Probleme zu machen. Ich war immer ruhig. Es haben mich aber einige Beamte schlecht behandelt. Als Gegendruck, um ihnen zu zeigen, dass ich mich nicht unterkriegen lasse, habe ich das als Protest aufgehängt."
 
Er habe zeigen wollen, "dass sie so bei mir nicht weiterkommen", gab der 19-Jährige zu Protokoll. Warum er denn nicht in den Hungerstreik getreten sei, wandte der vorsitzende Richter ein. - "Ich hab's versucht mit Reden. Es hat nichts gebracht. Ich hab' mir gedacht, ich zeichne das und ärgere sie".
 
Einem Bericht der Justizanstalt Josefstadt zufolge, den der Vorsitzende verlas, soll der 19-Jährige auch Mithäftlinge beeinflusst und zum Islam gebracht haben. Einige Gefangene hätten ihr Aussehen und ihre Bekleidung verändert, heißt es in dem Bericht. Der Angeklagte wies die Unterstellung zurück, er hätte andere radikalisiert: "So etwas ist üblich, dass Gefangene im Gefängnis zu beten anfangen." Dass sich manche Bärte wachsen lassen, sei ebenfalls nichts Besonderes: "Die Leute lassen sich im Gefängnis gehen." Einer sei zum Islam konvertiert, "aber das war seine freie Entscheidung. Ich habe ihn nicht dazu gezwungen, ich habe ihn nicht beeinflusst." Mit dem betreffenden Mann ("Ein paranoid Schizophrener") hätte er sich gut verstanden: "Er hat Philosophisches gelesen, wir haben viel geredet".
 
Ein Urteil wird am 12. April erwartet.
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