Große Trauer

Theatermacher Conny Hannes Meyer (94) gestorben

Er war einer der prägenden Theatermacher im Wien der 60er- und 70er-Jahre. Seine "Komödianten" waren neben den Truppen von Hans Gratzer und Dieter Haspel die fortschrittlichsten Kräfte der freien Szene. Am 26. Jänner starb der Autor und Regisseur Conny Hannes Meyer im Alter von 94 Jahren.

Conny Hannes Meyer wurde 1931 als Sohn eines jüdischen Geschäftsreisenden und einer evangelisch getauften Jüdin geboren und verbrachte seine frühe Kindheit bei Pflegeeltern in Salzburg und Berlin. 1938 kam er in ein evangelisches Kinderheim, danach in ein Jugendheim für "rassisch minderwertige" Kinder. Ob er jedoch, wie er in seinen 2006 erschienenen Erinnerungen "Ab heute singst du nicht mehr mit. Aufzeichnungen einer Kindheit" schilderte, einen Teil seiner Kinderjahre ab 1942 im KZ Mauthausen verbrachte, ist strittig. Die bedrückende Beschreibung eines Aufwachsens unter NS-Drangsalierung wurde von mehreren Wissenschaftern als "Fiktion" kritisiert. Meyer konterte, das Buch sei kein Nachschlagewerk, sondern ein subjektiver Rückblick.

Unklarheiten über Lebenslauf

Hinsichtlich des Lebens des Theaterleiters herrscht jedoch auch sonst mancherlei Unklarheit. Laut dem Theaterwissenschafter Walter Schlögl, der 1994 über Meyer und seine Theatergruppe "Die Komödianten" dissertiert hat, stellte er damals sieben von Meyer autorisierte Lebensläufe parallel nebeneinander, "weil es mir dezidiert nicht möglich war zu ermitteln, welches die richtige Version war". Unzweifelhaft nachverfolgbar sind jedoch die zentralen Abschnitte in der Biografie, die dem Künstler große Anerkennung in der Theaterszene eingebracht haben.

Der ausgebildete Schriftsetzer, der seinen Lebensunterhalt auch als Gelegenheitsarbeiter im Tag-Bergbau, bei Bauern, als Maschinenwäscher und als Zirkusakrobat und Hutschenschleuderer verdiente, wurde 1955 zum Mitinitiator des Wiener Theaters "Experiment am Liechtenwerd", 1958 gründete er die Gruppe "Die Komödianten", die ab 1963 das "Theater am Börseplatz" und ab 1974 das "Theater im Künstlerhaus" bespielte.

"Kristallisationspunkt" für neugierige Theaterwelt

"Conny Hannes Meyer war nicht nur ein Kristallisationspunkt für die neugierige und fortschrittliche Theaterwelt, sondern generell eine Instanz für das intellektuelle Leben im Wien der 60er und 70er-Jahre", sagte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) im Jahr 2010 anlässlich der Verleihung der Ehrenmedaille der Internationalen Nestroy-Gesellschaft. "Mit nachhaltigem Erfolg inszenierte er an den großen deutschen wie heimischen Bühnen, etwa am Volkstheater, an der Burg und im Akademietheater. In Wien hat er mit seinem Theater den Brecht-Boykott gebrochen. Nur wenige haben die Wiener Theaterszene so nachhaltig geprägt." Für seine Brecht-Inszenierung "Die Ausnahme und die Regel" erhielt Meyer die Kainz-Medaille.

Nach der Auflösung der "Komödianten" 1985 war er als freier Regisseur, ab 1992 bei der wiederbelebten "Theaterarbeit im Burgenland" tätig. 2011 wurde Conny Hannes Meyer das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien verliehen. Seit 2014 sind Teile des Vorlasses, der sich seit 2012 im Wiener Theatermuseum befindet, unter www.connyhannesmeyer.at online verfügbar. Darunter befinden sich neben Materialien zu seinen Theaterarbeiten auch zahlreiche lyrische und dramatische Werke.

Kulturstadträtin Kaup-Hasler würdigt Meyer 

"Conny Hannes Meyer war ein Künstler, der beharrlich nach neuen Formen und ungewohnten Stoffen suchte. Mit seiner Arbeit hat er die Darstellende Kunst in Wien bereichert“, würdigt Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) den Verstorbenen Theatermacher, Regisseur und Schriftsteller.  "Die Stadt Wien verliert einen verdienten Künstler, der sich über Jahrzehnte hinweg für das Theater eingesetzt hat“, so Kaup-Hasler abschließend

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