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Die Straches im Interview

Philippa zu HC: 'Wie konntest du so blöd sein?'

Wie Philippa und HC Strache den Absturz durchstehen wollen. Die Interviews zum Skandal. 

Nie zuvor gab es in Österreich einen Polit-Skandal dieser Größenordnung. Kein Stein könnte letztlich auf dem anderen bleiben. Im Zentrum der Schmuddelaffäre mit Mega-Folgen ein Ehepaar: Philippa und HC Strache. Vergangene Woche noch Traumpaar. Jetzt titelte eine große österreichische Tagesszeitung: „Philippa ist ausgezogen“. „Stimmt nicht“, kontert sie. In ÖSTERREICH-Interviews erzählen beide, wie sie mit dem Skandal umgehen, der weltweit für Schlagzeilen sorgt.

Das Video und die Folgen: So hat Philippa reagiert

oe24TV: Wie geht es Ihnen?

Philippa Strache: Es wird jeden Tag ein bisschen besser, wir sehen klarer, kommen der Wahrheit ein Stückchen näher. Aber die Woche war natürlich heftig und hat mich an die Grenzen gebracht.

oe24.TV: Die Ibiza-Bombe ging vergangenen Freitag hoch. ­Waren Sie vorher informiert?

Strache: Ich glaube, was da kommt, wusste von uns niemand so genau. Mein Mann und ich hätten einen Werbespot einzusprechen gehabt. Als ich ins Auto gestiegen bin, hat er zu mir gesagt: „Wir haben etwas zu besprechen.“ So habe ich es dann erfahren. Aber was da genau passiert ist, oder geredet wurde, wusste keiner mehr so genau. Beide haben noch gewusst, dass sie relativ betrunken waren.

oe24.TV: Sie waren damals nicht dabei in Ibiza?

Strache: Nein, ich war nicht dabei. Er war mit seiner Mutter und seinen Kindern.

oe24.TV: Haben Sie das Video gemeinsam mit Ihrem Mann zum ersten Mal gesehen?

Strache: Nein, wir haben es in einer Gruppe von fünf Personen gesehen. Niemand hat geahnt, welches Video da kommt. In Wahrheit war danach jeder geschockt. Das ist nicht der Heinz-Christian Strache, den jeder von uns kennt, sondern ein völlig betrunkener, neben sich stehender Mann.

oe24.TV: Wie war Ihre erste Reaktion auf diese Bilder?

Strache: Im ersten Moment war es ganz still – keiner hat etwas gesagt. Mein Mann auch nicht. Jeder in der Runde kannte meinen Mann schon lange. Aber so hat ihn noch keiner gesehen. Noch nie! Ich auch nicht. Fürchterlich! Am Anfang habe ich echt nicht mehr gewusst, mit wem ich da verheiratet bin. Es war dieses Bild, wie er dort sitzt. Das ist nicht er gewesen. Man verliert den Boden unter den Füßen. Zig Fragen gehen durch den Kopf.

oe24.TV: … und so ein T-Shirt hätten Sie ja nie erlaubt?

Strache: Ich glaube, in einem Jahr können wir schon darüber lachen.

oe24.TV: Was hat Ihr Mann zu dem Video gesagt?

Strache: Das gibt es ja nicht, hat er gesagt. Er war über ­seine Art schockiert. Mein Mann sagt im Wahlkampf oft, dass Medien käuflich sind. Das ist gängig. Aber diese Wörter, die er da verwendet hat – so redet er nicht, dies sind nicht seine Begriffe. Auch nicht, wenn er betrunken ist. Und auch der Satz: „Bist du deppat, die ist schoaf“ – ist seltsam. Das war natürlich auch ein Satz, der weh tut. Ich habe viele Fragen gestellt: Woher kann das kommen? Wie kamen diese Antworten zustande? Seine seltsame Art. Bitte, was war da los, wie konnte es zu so einem Abend kommen? Dar­über haben wir gesprochen. Es war kein großer Krach, aber es hat natürlich jeder einmal seinen Platz gebraucht, um seine Gedanken zu ordnen.

oe24.TV: Sind Tränen geflossen?

Strache: Ja, natürlich. Es ist uns beiden sehr schlecht gegangen. Es ist eine Ausnahmesituation.

oe24.TV: Was ist die ganze Nacht besprochen worden?

Strache: Wir haben versucht, den Abend zu rekonstruieren. Irgendetwas ist ­komisch an der ganzen Geschichte, hat Heinz immer gesagt. Mittlerweile wissen wir ja mehr – da wurden gezielte Suggestiv-Fragen gestellt. Man hört die Fragen der Dame ja leider nicht. Und sie ist immer wieder aus dem Zimmer verschwunden, um nachzufragen, wonach sie noch fragen soll. Der Begleiter hatte vermutlich ein Inear im Ohr – so hat er seine „Aufgaben“ bekommen. Aus 7 Stunden wurden 6 Minuten verkürzt und wild zusammengefasst wiedergegeben. Woher bitte soll eine lettische Prostituierte eine Funke-Gruppe kennen?

oe24.TV: Haben Sie Ihren Mann gefragt „Wie blöd bist du eigentlich, dass du auf so was reinfällst?“?

Strache: Das war in der ersten Nacht. Erst habe ich kein Wort gesprochen, weil ich bin nicht der Typ, der schreit und schimpft. Ich habe ihn schon gefragt: Wie konntest du so blöd sein, dich zu so einem Treffen überreden zu lassen. Jetzt ist schon eine Woche vergangen und wir sind schon wesentliche Schritte näher an der Wahrheit. Das gibt Kraft zurück. Durch die Aufklärung ergibt vieles wieder Sinn und du bekommst wieder ein bisschen Bodenhaftung. Weil du begreifst: Das war eine konstruierte Situation! Natürlich kannst du in der Erstreaktion noch nicht darauf eingehen, da ist man zu sehr mit seinen eigenen Gedanken und den Bildern im Kopf beschäftigt.

oe24.TV: Dann folgte der Medien-Tsunami. Die „Kronen Zeitung“ schrieb, Sie sind zu Hause ausgezogen. Stimmt das?

Strache: Nein. Nie. Das war eine Fehlmeldung.

oe24.TV: Hat Ihr Baby Hendrik etwas von den Anspannungen gespürt?

Strache: Nein. Ich achtew sehr darauf, dass er nichts mitbekommt und seine Abläufe gleich bleiben.

oe24.TV: Wann hat Ihr Mann gesagt, dass er zurücktreten wird?

Strache: Sofort. Mein Mann ist niemand, der an einem politischen Amt klebt. Er würde auch der Partei niemals Schaden zufügen wollen! Und er wollte die Regierung retten.

oe24.TV: Wie kämpfen Sie jetzt weiter?

Strache: Wir beraten jeden Tag mit Anwälten. Stück für Stück nähern wir uns der Wahrheit. Es sind immer mehr Details, die ans Licht kommen. Offensichtlich steckt eine mächtige Struktur dahinter. Es hat ein Vermögen gekostet, dieses Konstrukt aufzubauen. Alles war darauf ausgelegt, meinen Mann in Ibiza an diesem Abend in so eine konstruierte Situation zu bringen. Mit gezielten Fragestellungen. Wenn die Antwort nicht gut genug war, ist die Frau verschwunden und hat sich Ins­truktionen geholt, was sie weiter fragen muss.

oe24.TV: Jetzt liegt eine Strafanzeige beim Staatsanwalt, weil ihr wollt, dass die handelnden Personen, die bekannt sind, verhaftet oder zumindest verhört werden?

Strache: Das muss jetzt dringend gemacht werden. Wir glauben, dass es damals auch eine Liveschaltung nach Wien gab. Dass jemand zusätzlich zuschauen konnte, um diese gezielten Fragen stellen konnte. Mein Mann hat in den sieben Stunden mehrmals darauf verwiesen, dass er nichts mit irgendwelchen illegalen Dingen zu tun haben will. Und das ist eben genau der Punkt. Sie haben es geschafft, aus 7 Stunden 6 Minuten herauszuschneiden und das wild zusammenzuschneiden.

oe24.TV: Sie sagen also, das Video ist manipuliert?

Strache: Ich weiß nicht, ob es manipuliert ist, aber es ist absolut schlecht zusammengeschnitten. Man sieht es ja auch. Einmal steht der Herr Gudenus, einmal sitzt er, es ist willkürlich zusammengeschnitten worden.

oe24.TV: Hätten Sie sich jemals träumen lassen, in so einem Kriminalfall hineinzugeraten?

Strache: Nein ich glaube, daran denkt niemand. Ich habe meinem Mann in der Nacht auch gesagt, „bitte, die hätten dich dort auch umbringen können“. In Wahrheit hätte in der Finca alles passieren können.

oe24.TV: Sie waren Gattin des Vizekanzlers, jetzt ist alles zerplatzt. Stehen Sie weiter zu ihm?

Strache: Ich lasse ihn nicht im Stich, nein. Eine Ehe ist für mehr gemacht. Momentan bin ich vielleicht mehr Freundin als Partnerin, und in der Situation ist das auch absolut wichtig.

oe24.TV: Was hätte auf dem Video passieren müssen, dass Sie ihn sofort verlassen hätten?

Strache: Wenn es eindeutig gewesen wäre, dass da mehr passiert ist mit dieser Frau. Das hätte ich nicht verzeihen können.

© Getty Images

HC Strache im Interview: "Von Kurz menschlich enttäuscht"

 

ÖSTERREICH: Denken Sie schon jetzt an ein politisches Comeback, wenn die Ermittlungen gegen Sie strafrechtlich nichts Relevantes ergeben?

Heinz-Christian Strache: Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, darüber nachzudenken. Derzeit hat für mich allein Priorität, meinen Beitrag zu leisten, um die Hintergründe dieses Polit-Krimis lückenlos aufzuklären und für meine Familie da zu sein.

ÖSTERREICH: Sind Sie von Ihrem ehemaligen Regierungspartner, Bundeskanzler Kurz, menschlich enttäuscht? Hat er danach gehandelt, was Sie beide an diesem historischen Samstag vor Ihrem Rücktritt vereinbart haben?

Strache: Das Angebot meines Rücktritts erfolgte aus eigener Konsequenz und weil ich nicht der Vorwand für eine einseitige Regierungsaufkündigung der Koalition sein wollte. Er sagte mir am vergangenen Freitag und Samstag auch noch zu, die erfolgreiche Regierungsarbeit unter Mitwirkung der FPÖ mit meinem Nachfolger fortsetzen zu wollen. Daran hat er sich nicht gehalten. Natürlich bin ich darüber enttäuscht.

ÖSTERREICH: Empfehlen Sie Ihrer Partei, den Misstrauensantrag am Montag zu unterstützen? Glauben Sie, dass die SPÖ mitziehen wird?

Strache: Meine Partei wird hier die richtige Entscheidung treffen. Ich stehe voll und ganz hinter ihr. Wer Herbert Kickl aus reinen VP-taktischen Machtgründen das Misstrauen ausspricht, kann umgekehrt nicht mit Vertrauen rechnen.

ÖSTERREICH: Was für ein Wahlergebnis erwarten Sie für diesen Sonntag?

Strache: Ich hoffe, dass solche schmutzigen illegalen Video-Methoden, welche kurz vor der Wahl eingesetzt wurden, eine Absage erhalten. Es heißt jetzt Aufstehen für Österreich und die FPÖ, damit nicht wieder eine unverantwortliche Willkommenspolitik zurückkehrt und die EU-Zentralisten sich nicht weiter gegen Föderalismus durchsetzen.

ÖSTERREICH: Wann haben Sie von der Existenz des Videos erfahren? Haben Sie mit diesen Konsequenzen gerechnet?

Strache: Aus ermittlungstaktischen Gründen möchte ich hierzu noch nicht antworten. Nur so viel: Das war ein politisches Attentat auf eine gut arbeitende FPÖ in der Regierung, welche man beenden wollte. Und es ist ein Versuch massiver Wahlbeeinflussung. Niemand hat bis vor einer Woche mit einem solchen Eingriff in die Souveränität der bis dahin erfolgreichen Regierungsarbeit gerechnet. Ich bin zuversichtlich, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

ÖSTERREICH: Wen vermuten Sie dahinter?

Strache: Keine Spekulation! Wir gehen allen interessanten Hinweisen nach. Hier muss aber eine saubere Aufklärung einer Veröffentlichung der Ergebnisse vorangehen. Niemand soll falsch verdächtigt werden.

ÖSTERREICH: Hat Ihnen Philippa verziehen?

Strache: Meine Frau steht uneingeschränkt zu mir und zeigt einen bewundernswerten Kampfgeist. Sie hat ein Herz einer Löwin und ich bin ihr unendlich dankbar für diesen großen Rückhalt.

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