Diashow Minen statt Christkind für UNO-Soldaten

Politik-Insider

Minen statt Christkind für UNO-Soldaten

Unsere Blauhelme im Libanon hoffen auf ein paar ruhige Tage im Lager.

Stacheldraht und „Jingle Bells“. „Echte Weihnachtsstimmung kommt natürlich nicht auf, aber wir werden heute besinnlich mit unseren Kameraden feiern“, sagt ein 25-jähriger UNIFIL-Soldat aus Tirol. Er verbringt gemeinsam mit 151 weiteren Soldaten aus Österreich die Feiertage im „Camp Naqoura“ im Libanon.

Ein junger Rekrut öffnet mit leuchtenden Augen ein Paket, das seine Eltern aus Kärnten in den Libanon ­geschickt haben. Die heimischen Soldaten – die jüngste ist 20, der älteste 55 Jahre alt – sind im 64 mal 40 Kilometer großen Gebiet an der Grenze zu Israel für Transport und Logistik zuständig. 12.000 Blauhelme aus 30 ­Nationen sollen in diesem Hisbollah-Kerngebiet den „Frieden sichern“. Ein Leben im Ausnahmezustand.

Blaues Meer, Raketen und Terroristen vor der Tür
Der ruhige Schein – Meeresrauschen, Olivenhaine und „Weihnachtsmänner“, die durch das Camp fahren – täuscht. Hinter dem Stacheldraht liegen Minen. Jederzeit können wieder Raketen vom terroristischen Arm der Hisbollah gegen Israel abgefeuert werden. Am Mittwoch besuchte SP-Verteidigungsminister Norbert Darabos seine Soldaten: „Ihr leistet hier keine leichte, aber eine enorm wichtige Aufgabe.“
Bald könnte die „Aufgabe“ noch gefährlicher werden. Der heimische UNIFIL-Kommandant, Thomas Erkinger, sagt ÖSTERREICH: „Wenn die Lage in Syrien sich weiter verschärft, wird es auch auf den Libanon überschwappen.“ Dann, würden die österreichischen Soldaten plötzlich zwischen den Fronten sein: Die Hisbollah würde „Israel angreifen, um Syriens Präsident Assad zu helfen“, sagt ein Hisbollah-Kenner aus Beirut.

Das wissen auch die heimischen Soldaten: Erkinger hat dafür gesorgt, dass in allen Zimmern Fernseher und Internet verfügbar sind. Dort verfolgen sie via ORF und Al Jazeera die Entwicklungen in Syrien. Mit ihren Familien sind sie via Facebook und Skype in Verbindung.

Sieben Frauen
Auch sieben Frauen aus Österreich dienen im Camp ­Naqoura. Sie „sind voll integriert“, erzählen ihre Kameraden. Eine 20-Jährige mache „täglich 100 Liegestütze“, sagt einer bewundernd. Mit Sport und Internet vertreiben sich die Soldaten hier die Zeit. Denn es herrscht Ausgangssperre. Die Entführungs- und Anschlagsgefahr ist derzeit zu hoch. In der Kraftkammer gehen die Soldaten täglich trainieren. Von Darabos haben sie nun auch ein Laufband geschenkt bekommen.

Ins Meer – vor geraumer Zeit sind drei polnische Blauhelme ertrunken – dürfen sie nicht. „Aber wenigstens haben wir hier Dusty“, berichtet ein Kärntner froh. „Dusty“, ist der kleine Mischlingshund, den die Österreicher um 200 Dollar ihren dänischen Vorgängern im Camp abgekauft haben.

Auch er darf das Camp nicht alleine verlassen. Derzeit herrscht „Stufe gelb“ im Camp. Die Splitterschutz-Westen und Helme müssen nur griffbereit sein. „Ich hoffe, es bleibt ein paar Tage ruhig“, sagt ein Soldat. Damit zumindest zu Weihnachten ein Gefühl von Frieden entsteht …

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