Erster Experte rechnet mit Kurz-Comeback

"Kann aus Fehlern lernen"

Erster Experte rechnet mit Kurz-Comeback

Politikexperte Alessandro Politi: "Kurz hat einige Fehler begangen, aus denen er lernen kann" 

Der Politik-Rückzug von ÖVP-Chef und Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz hat auch in Italien überraschte Reaktionen ausgelöst. "Alle Demokratien in Europa stecken in einer tiefen Krise, Österreich ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Ich denke aber nicht, dass Kurz' politische Karriere wirklich zu Ende ist", kommentierte der Politikexperte Alessandro Politi im Gespräch mit der APA in Rom. "Kurz hat einige Fehler begangen, aus denen er lernen kann. Er kann sich jetzt Zeit nehmen, um seine Zukunft zu überdenken und ein Comeback zu planen, nachdem die Vorwürfe gegen ihn geklärt sein werden. Nicht alle Politiker in Europa haben eine Laufbahn ohne Unterbrechungen", sagte der Experte für internationale Politik. Mit Kurz verliere Österreich einen talentierten jungen Politiker. "Das ist bedauerlich, vor allem weil Europa, inklusiv Russland und der Ukraine, immer mehr ein Kontinent alter Menschen ist", meinte Politi.

Mit Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) habe Österreich einen kompetenten Nachfolger für Kurz gefunden. "Schallenbergs Lebenslauf bezeugt, dass er sich auf internationaler Ebene geschickt zu bewegen weiß. Die europäische Politik braucht heute keine Revolutionäre, sondern Personen, die tiefgründige Reformen umsetzen und die sich mit großen Herausforderungen konfrontieren können, wie Pandemie, Klimawandel und eine Wirtschaftskrise, die seit 2006 nie wirklich überwunden wurde ", sagte Politi.

Ende einer Ära

Nach Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache (damals FPÖ) ist Kurz ein weiteres prominentes Opfer von Skandalen in der österreichischen Politik, analysierte Federico Niglia, Professor für Internationale Geschichte an der Universität für Ausländer in Perugia und an der römischen Universität LUISS. "Skandale sind ein endemisches Übel unserer Demokratien, sie sind aber nicht tödlich", meinte Niglia. Mit seinem Rücktritt habe Kurz seine ÖVP-Partei schützen und ihr einen weiteren Popularitätsverlust zugunsten politischer Konkurrenten ersparen wollen. Eine "Wiederauferstehung" des Politikers Kurz nach Ende der Justizermittlungen schließt auch Niglia nicht aus.

Der Kommentator internationaler Politik, Giampiero Gramaglia, sieht in Kurz' Rücktritt dagegen das Ende einer Ära junger europäischer Politiker. "Kurz' Laufbahn kann mit jener des italienischen Premiers Matteo Renzi verglichen werden. Beide sind sehr jung Premier geworden und haben viel Hoffnung auf politischen Wandel geweckt. Beide sind auf Schwierigkeiten gestoßen, ihre politischen Programme in die Tat umzusetzen, beide haben dann die große politische Bühne verlassen müssen", so Gramaglia.



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