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Kern: Geheimplan für neue Partei

Der frühere SP-Kanzler Christian Kern soll sein Polit-Comeback ausloten. Ein Politik-Insider von ÖSTERREICH-Politik-Chefredakteurin Isabelle Daniel.

Große Runde. Gäste eines Wiener Lokals staunten nicht schlecht, als sie kürzlich in Wien Ex-SPÖ-Kanzler Christian Kern, Ex-ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, EU-VP-Mandatar Othmar Karas, Ex-VP-Mandatar Michael Ikrath und mehrere Bank- und Ver­sicherungsmanager beim Essen beobachteten. Die Runde schien mit sehr baldigen Neuwahlen im Bund zu rechnen und auch über neue politische „Bewegungen“ zu reden.

Offiziell dementiert der einstige SPÖ-Chef immer Interesse an einem Polit-Comeback. Mehrere Politiker, Politikberater, aber auch Manager und Unternehmer berichten ÖSTERREICH aber, dass „Kern seit Wochen die Möglichkeit einer neuen Liste Kern und deren Finanzierung auslotet“. Dabei habe er aber keine „linke Liste“ im Auge, sondern eine Plattform der „besten Köpfe“. Mitterlehner soll kein Interesse an einem Polit-Comeback haben. Karas sei angeblich gesprächsbereit.

Rasche Neuwahl. Derzeit würde die Chance einer solchen Liste auch via Umfrage abgetestet. Eine solche Liste Kern hätte angeblich die Chance, zweistellig zu werden. Und könnte die SPÖ, der eigentlichen politischen Heimat Kerns, Platz eins kosten und die ÖVP hinter die Blauen rutschen lassen. Sollte es zu sehr raschen vorgezogenen Neuwahlen kommen – damit rechnen seit einigen Tagen mehrere Politstrategen –, würde es aber für solch eine neue Bewegung „eher schwer werden, sich wirklich zu gründen“. Oder das Projekt „Liste Kern“ wäre bereits viel weiter gediehen als bekannt.
Der Ex-Kanzler bestreitet das. Ob seine Gesprächspartner ihn wohl alle falsch verstanden haben?