Martin Pucher: Fußball-Boss als Banken-Pleitier

Mattersburg-Skandal

Martin Pucher: Fußball-Boss als Banken-Pleitier

Selfmadebanker und Bezirksgröße. Wer Burgenlands Pleitier Nr. 1 Martin Pucher wirklich ist.

 

Ihn habe, sagt der frühere Landeshauptmann Hans Niessl zu ÖSTERREICH, die Pleite der Commerzialbank Mattersburg (CBM) getroffen „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“. Martin Pucher, der so lange einen Ruf als Ehrenmann hatte, sorgte für die größte Bankenpleite des Jahrzehnts. Mit einer kleinen Provinzbank setzte er 740 Millionen Euro in den Sand – und das bei einer jährlichen Bilanzsumme von 800 Millionen.

Die Ermittler fanden bisher jede Menge gefakter Kredite, rund 500 erfundene Konten – Fazit: Am Ende sollen 688 Millionen Euro Aktiva schlicht erfunden worden sein.

Aufgewachsen hinter dem Mattersburger Fußballplatz

Laufbahn. Beschuldigter in der Causa (es gilt die Unschuldsvermutung) ist der schillerndste Burgenländer, auch wenn der auf den ersten Blick gar nicht so aussieht: Martin Pucher (64), Sohn eines Friseurs, wohnhaft mit Frau (und früher drei Töchtern) in Hirm bei Mattersburg. Aufgewachsen hinter dem Mattersburger Fußballplatz, zunächst Bankangestellter, dann Obmann des Regional­ligavereins SV Mattersburg. 1995 löste Pucher mehrere Regionalbanken aus dem Raiffeisenverbund heraus und machte sein eigenes Ding, die CBM. Satte Sponsorengelder gingen ab sofort zum SV Mattersburg – 2003 kam der in die Bundes­liga und blieb mit Ausnahme von zwei Jahren auch bis zum Schluss erstklassig. Auch die Bank wuchs, zahlte mehr Zinsen als andere und bot auch noch billigere Kredite.

Das konnte nicht gut gehen. Ermittler nehmen an, dass die Bilanzfälschungen schon seit rund zwei Jahrzehnten liefen.

Wohltäter, Bezirkskaiser – mit riesigem Netzwerk

Macher und Moneten. Menschen, die ihn kennen, beschreiben Pucher als bodenständig und hilfsbereit. „Hatte jemand einen Todesfall in der Familie, hat er ihn finanziell nicht hängen lassen“, so Niessl. Pucher und seine Bank wurden so zu einer humanitären Bezirksgröße, förderten Sozialprojekte, aber auch mal ein verfallenes Architekturjuwel.

In Sachen Fußball war es der Patriarch Pucher, der nicht nur seinen Verein mit eiserner Hand führte, sondern vier ­Jahre auch die Bundesliga. Pucher habe es verstanden, so ein Weggefährte, ein riesiges Netzwerk zu knüpfen – was die ­Malversationen wohl stark erleichterte.

Pucher soll die Bilanzfälschungen auf dem Papier durchgeführt haben, an einem Computer sei er noch nie gesessen, sagen Insider. Der Druck auf ihn: enorm. 2015 erlitt Pucher nach einem Oberschenkelhalsbruch zwei Schlaganfälle. Er kämpfte sich zurück, übernahm wieder das Zepter in seinem Verein.

Keine Frage, Pucher war ein gefeierter Mann. Als Förderer einer professionellen Fußballakademie erhielt er das Goldene Ehrenzeichen des Landes, mit den Politgrößen war er auf Du und Du, besonders eng mit SPÖ-Landesrat Christian Illedits, der zahlreiche Sportverbindungen hatte und jetzt wegen eines 5.300-Euro-Goldbarrens zurücktreten musste. Auch zu Ingrid Salamon, SPÖ-Bürgermeisterin von Mattersburg, hatte Pucher beste Beziehungen.

Pucher am Boden: Er weint täglich um sein Lebenswerk

Zu Landeschef Hans Peter Doskozil soll der Kontakt eher distanziert gewesen sein. Pucher soll dem Rapid-Fan Doskozil nicht verziehen haben, dass der bei einem Mattersburg-Spiel mit Rapid-Schal auftauchte.

Und jetzt ist das Lebenswerk dahin, sein Mandant breche regelmäßig in Tränen aus, wenn es um den angerichteten Schaden gehe, sagt Pucher-Anwalt Norbert Wess. Es tue ihm alles sehr leid.

Da geht es vielen Mattersburgern ähnlich: Betroffen von der Pleite sind 10.400 Kunden. Bis 100.000 Euro zahlt zwar die Einlagensicherung, viele Firmen oder Private schauen aber durch die Finger. Und um die Folgen ist ein Politstreit sondergleichen entbrannt.(gü)

© APA/ROLAND SCHLAGER

Doskozil: "Ein Kriminalfall gepaart mit Kontrollversagen"

ÖSTERREICH: Sie werden wegen der Bankenpleite von der ÖVP angegriffen – wie sehen Sie die Causa?

Hans Peter Doskozil: Das ist ein Kriminalfall sondergleichen. Gepaart mit einem anscheinenden Kontrollversagen auf vielen Ebenen. Daher bereiten wir vonseiten des Landes auch eine Amtshaftungsklage vor.

ÖSTERREICH: Versäumnisse bei der Kontrolle wirft die ÖVP wiederum dem Land Burgenland vor. Lief da etwas schief?

Doskozil: Das Land hatte hierfür keine Kontrollmöglichkeit. In der Genossenschaft sind keine operativen Bankgeschäfte getätigt worden. Das war in der Bank AG.

ÖSTERREICH: Sie behaupten, es gibt keine Nähe der Commerzialbank Mattersburg zur SPÖ?

Doskozil: Der Aufsichtsrat besteht aus ÖVP-Funktionären! Aber dieses parteipolitische Hickhack hilft niemandem. Es geht um Aufklärung.

ÖSTERREICH: Hatten Sie oft mit Martin Pucher Kontakt?

Doskozil: Nein, keine drei Mal in meinem Leben.

ÖSTERREICH: Werden Sie einem U-Ausschuss zustimmen?

Doskozil: Das kündigte die Opposition oft an. Ich sage: U-Ausschuss, herzlich willkommen!

ÖSTERREICH: Rendi-Wagner hat Ihr Krisenmanagement gelobt. Sind Sie wieder versöhnt?

Doskozil: Wir hatten nie ein Problem.

ÖSTERREICH: Na ja, Sie haben Rendi oft sehr scharf kritisiert.

Doskozil: Wenn man inhaltlich nix mehr diskutieren darf, dann kann man gleich zur Kurz-ÖVP wechseln.

© GEPA

Niessl: "War für mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel"

ÖSTERREICH: Herr Altlandeshauptmann, wie eng war Ihre Beziehung zu Martin Pucher?

Hans Niessl: Nicht sehr eng. Er hat mit dem Aufbau der Fußballakademie viel geleistet für das Burgenland. Seit er aber 2015 schwer erkrankt ist, gab es kaum noch Kontakt. Was man sicher nicht sagen kann, ist, dass er ein SPÖ-Mann war. Pucher war definitiv bei keiner einzigen SPÖ-Veranstaltung. Er kommt ja auch ursprünglich aus dem Raiffeisen-Sektor.

ÖSTERREICH: Was haben Sie sich gedacht, als Sie von der Bankenpleite erfuhren?

Niessl: Das war für mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Pucher galt in seinem Bezirk schon als Ehrenmann.

ÖSTERREICH: Wie hat Pucher das gemacht, so einen Einfluss zu bekommen?

Niessl: Na ja, er ist teilweise als eine Art Wohltäter aufgetreten. Hatte jemand einen Todesfall in der Familie, hat Pucher ihn finanziell nicht hängen lassen. So hat er sich Vertrauen erarbeitet.

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