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Ab September

Jugendcollege in Wien soll 5.000 junge Flüchtlinge ausbilden

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In Wien wird es ab September ein schulähnliches Bildungsangebot für 18- bis 25-jährige Asylberechtigte geben. Ziel ist die rasche Integration in Arbeitsmarkt und ein selbstfinanziertes Leben.  

Für junge Asylberechtigte und Subsidiär Schutzberechtigte kommt ein neues Bildungsangebot in Wien. Das Jugendcollege Wien von Stadt Wien und AMS Wien umfasst 5.000 Plätze pro Jahr und ist Teil eines von der Bundesregierung mit 75 Millionen Euro unterstützten Intensivprogramms. Das Angebot ermöglicht die Qualifizierung junger Menschen über Sprach- und Basisbildung. Ziele sind die Integration in den Arbeitsmarkt und ein rasches selbstfinanziertes und selbstbestimmtes Leben.

Stundenplan, Basisbildung, Bewerbungstipps, Praxis-Übungen

Das Jugendcollege Wien ist ein schulähnliches Bildungsangebot – mit einem Stundenplan und mehreren Einheiten pro Tag. Die TeilnehmerInnen werden rund ein Dreivierteljahr lang in verschiedenen Bereichen wie Alphabetisierung, Basisbildung und der deutschen Sprache sowie digitaler Kompetenz unterrichtet. Workshops, Kompetenzchecks, Bewerbungstrainings sowie Praktika bereiten sie auf das Arbeitsleben und den österreichischen Arbeitsmarkt vor. Dazu zählen auch Schulungen im Umgang mit Geld (Finanzbildung), die in Zusammenarbeit mit der Schuldenberatung Wien angeboten werden, sowie Wertekurse des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF).

Ergänzend steht in den Modulen auch sozialpädagogische Betreuung zur Verfügung. Bei dieser Zielgruppe mit zum Teil traumatischen Fluchterfahrungen können vermehrt Krisen auftreten. Sozialpädagogen sollen in solchen Situationen rasch eingreifen, Hilfsangebote vermitteln und dadurch Abbrüche verhindern.

32 Wochenstunden, zwei Kursmodule

Das wöchentliche Stundenausmaß der Schulungsmaßnahmen beträgt 32 Stunden und bietet nach Abschluss die Basis für die ersten Schritte auf dem Arbeitsmarkt oder den Abschluss einer Schulausbildung. Abhängig von den vorhandenen Deutschkenntnissen werden zwei Module (Basic und Advanced) angeboten, die einen raschen Übergang in das Regelausbildungssystem bzw. den Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglichen. Der kontinuierliche Betreuungsverlauf und zahlreiche Zusatzangebote sollen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen motivieren und den Erfolg der Maßnahme fördern. Potenzial für die Absolvent*innen sieht das AMS aufgrund der hohen Nachfrage an Arbeitskräften insbesondere im Gesundheits- und Pflegebereich sowie in der Green Economy (Energie, Mobilität,…).

Perspektiven für 18- bis 25-Jährige

Das Jugendcollege Wien kann von Asylberechtigten und Subsidiär Schutzberechtigten zwischen 18 und 25 Jahren absolviert werden, die überwiegend Wiener Mindestsicherung beziehen. Dafür stehen rund 4.000 Plätze zur Verfügung. Rund 1.000 zusätzliche Plätze im „College 25+“ richten sich an eine weiter gefasste Zielgruppe. Diese stehen neben Asyl- und Subsidiär Schutzberechtigten auch Asylwerber*innen mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit – etwa geflüchteten Personen aus Syrien – offen, die das 25. Lebensjahr bereits vollendet haben. Die Angebote im durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten „College 25+“ sind stärker auf die Integration in den ersten Arbeitsmarkt ausgerichtet. Zudem soll auch Kinderbetreuung angeboten werden.

Zugang durch AMS und Fonds Soziales Wien

Die Zubuchung zum Jugendcollege Wien wird durch das AMS Wien und bei Asylberechtigten mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit durch den Fonds Soziales Wien durchgeführt. Die Ausschreibungen für das Programm laufen seit Jänner. Der Kurse und Schulungen starten im September 2024. Alle TeilnehmerInnen erhalten eine Beihilfe zur Deckung des Lebensunterhalts durch das AMS und gegebenenfalls subsidiär Leistungen aus der Wiener Mindestsicherung. Die Teilnahme am Jugendcollege ist verpflichtend, unentschuldigtes Fernbleiben wird sanktioniert.

Zahlen & Fakten:

 

  • Im Dezember befanden sich 7.400 Asylberechtigte und Subsidiär Schutzberechtigte unter 25 Jahren in Wiener Mindestsicherung.
  • 6.500 davon waren volljährig und 900 minderjährig.
  • Beim AMS waren 2023 österreichweit durchschnittlich 39.137 Asylberechtigte und Subsidiär Schutzberechtigte vorgemerkt – drei Viertel dieser Gruppe leben in Wien.
  • Die beim AMS vorgemerkten Asylberechtigten und Subsidiär Schutzberechtigten sind zu 68% Männer und zu 32% Frauen – 26% sind jünger als 25 Jahre.
  • Die höchste Arbeitslosenquote verzeichnen Frauen
    aus Syrien und Afghanistan. 

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher: "So schaffen wir die Grundlage, um die Arbeitslosigkeit in der Zielgruppe zu reduzieren und geflüchtete Personen, die eine Bleibeberechtigung in Österreich haben, nachhaltig in das Erwerbsleben zu integrieren.“ 

Sozialstadtrat Peter Hacker: "Eine gute Ausbildung und Deutschkenntnisse sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt. Das Jugendcollege soll ein Kickstart für die jungen Menschen sein und ihnen ermöglichen, schnellstmöglich auf eigenen Beinen zu stehen. Jeder investierte Euro spart Kosten für die Allgemeinheit und lukriert Arbeitskräfte für die Wiener Wirtschaft."  

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