Roland Weißmann

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ORF-Chef Weißmann: »ORF wird sicher nicht Netflix«

ORF-General Weißmann plant nicht mehr Geld ein, obwohl bald alle ORF-Gebühr zahlen. "Eine Haushaltsabgabe ist sicher eine Variante, mit der man rechnen kann", sagt er.  

ÖSTERREICH: Sie haben vom VfGH recht bekommen – wer ORF streamt, muss ab 2023 Gebühr zahlen. Was bedeutet das Urteil für Sie?

Roland Weißmann: Es ist jetzt klar, wie die weitere Roadmap ist – und es ist festgehalten, dass Streaming grundsätzlich kostenpflichtig ist. Wie das konkret aussieht, ist Sache des Gesetzgebers. Wir werden da nur beratend zur Seite stehen.

ÖSTERREICH: Man könnte Netflix-Lösungen einführen: Wer ORF streamen will, soll Gebühr zahlen und sich einloggen müssen. Das wäre ­Ihnen nicht so sympathisch?

Weißmann: Wir halten uns mit Ratschlägen zurück. Was aber die Analyse des Urteils ergeben hat, ist, dass ein Abo-Modell nicht im Sinn des Verfassungsgerichts­hofes ist. Und das schließen wir für uns also eher aus.

ÖSTERREICH: Der ORF wird also nicht Netflix.

Weißmann: Ja, der ORF ist nicht Netflix. Da gibt es zwar gutes Programm, aber auch ein sehr enges Spektrum. Bei uns gibt es Information, Kultur, Sport, Unterhaltung und vieles mehr.

ÖSTERREICH: Jetzt gibt es ja zwei andere Möglichkeiten: Der Gesetzgeber erklärt Streaming für gebührenpflichtig – und die GIS kontrolliert. Oder es kommt eine Haushaltsabgabe. Da dann alle zahlen müssten, könnte man das Programmentgelt absenken. Wäre das nicht gerechter?

Weißmann: Wir rechnen alle Varianten durch und stellen unsere Berechnungen zur Verfügung. Ich halte mich daran, was ich gesagt habe: Denkbar ist vieles und das ist sicher eine Variante, mit der man rechnen kann.

ÖSTERREICH: Was droht ­Ihnen denn, wenn diese Streaming-Lücke nicht geschlossen wird? Im Ihrer Argumentation beim ORF ist ja Stand 2021 von einem Gebühren-Entgang von mehr als 50 Millionen ­Euro die Rede.

Weißmann: Natürlich streamen immer mehr Menschen ORF-Inhalte. Jetzt bauen wir unsere Angebote immer mehr auch Richtung Streaming au. Gleichzeitig war dieses Streaming eben nicht kostenpflichtig. Das heißt, wir haben das ausgebaut, obwohl wir zukünftig dort immer weniger Einnahmen gehabt hätten. Allein für 2022 haben wir deshalb einen Verlust von rund 5 bis 6 Millionen – und das wäre natürlich auch in den kommenden Jahren noch stärker gestiegen. Mit dem Urteil können wir das abfedern. Es geht also überhaupt nicht darum, dass wir mehr Geld bekommen. Wir rechnen aber damit, dass das ­Minus, das wir gehabt hätten, aufgefangen wird.

ÖSTERREICH: Die Seherinnen und Seher interessiert aber nur das Programm – wird das besser? Was planen Sie denn da für den Herbst?

Weißmann: Nur einige Punkte: Wir starten mit Schulbeginn im September mit einem Schwerpunkt zum Thema „Teuerung, Inflation und Energieversorgung“. Das ist ein Thema, das allen Österreicherinnen und Österreichern unter den Nägeln brennt. Wir präsentieren eine große neue fiktionale Krimi-Serie – „Tage, die es nicht gab“ mit Franziska Weiss, sowie Landkrimis und viele weitere Film- und Doku-Premieren. Last, but not least: Wir holen Weber und Breitfuss mit der Kultserie MA2412 zurück auf den TV-Schirm.