Treffen in Tripolis

Strache: So lief Libyen-Mission

FP-Lasar: Geheim-Treffen in Saif al-Islam Gaddafis Libyen-Versteck.

"Er war freundlich zu mir, wirkte aber sehr nervös und kurz angebunden", sagt der Wiener FPÖ-Stadtrat David Lasar über sein Treffen mit dem libyschen Diktatorsohn Saif Gaddafi. Am vergangenen Freitag besuchte der blaue Stadtpolitiker im Rahmen der "FPÖ-Friedensmission im Nahen Osten" Saif in einem Wohnhaus in Tripolis – als erster europäischer Politiker seit Ausbruch des Bürgerkrieges im März. "Gaddafi bedankte sich bei mir, dass ich die Strapazen auf mich nahm, und ich habe unsere Position erklärt", sagt Lasar zu ÖSTERREICH. 15 Sicherheitsleute hätten den Gaddafi-Sohn beschützt, fünf Minuten später sei Saif im Limousinen-Konvoi wieder davongehetzt.

Das Treffen war der vermeintliche Höhepunkt der 3-Tages-Reise der FPÖ nach Libyen. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sei am 19. Juni persönlich von der libyschen Regierung nach Tripolis eingeladen worden: "Wir sehen uns als Vermittler, fordern, dass die Bombardements einige Tage eingestellt werden, damit sich die Parteien an einen Tisch setzen", argumentiert Strache. Die FPÖ fühle sich der Neutralität verpflichtet und wolle in guter "Bruno-Kreisky-Tradition" in Libyen vermitteln.

Lasar: "Zerstörung durch NATO ist unfassbar"
Der FPÖ-Chef habe Lasar eine Vollmacht erteilt. Als sein Sonderemissär reiste Lasar via Paris und Djerba (Tunesien) nach Tripolis. "Die Reise war international mit den USA abgeklärt, die Bombardements sind teilweise reduziert worden", behauptet Strache.

Lasar traf neben dem Gaddafi-Sohn auch vier Vertreter der libyschen Regierung, darunter Vizeaußenminister Khaled Kaim. Bei Fahrten durch Tripolis konnte er sich ein Bild vom Bürgerkrieg machen: "Es ist unfassbar, welche Zerstörung die NATO angerichtet hat." Mit der Opposition habe er telefonisch kommuniziert. Ein Chauffeur, ein Security und ein Übersetzer seien ständig an seiner Seite gewesen.

Strache: "Keine Spenden für FPÖ aus Libyen"
"Die FPÖ hat die Reise selbst bezahlt, für die Sicherheit war Libyen zuständig", so Strache. Der FPÖ-Chef betonte erneut, dass die FPÖ keine Spenden aus Libyen kassiere. "Das ist Unsinn, wir legen unsere Parteigelder offen." Ob Strache selbst nach Libyen fährt? "Im Moment gibt es keine Anfrage an mich."

Das Außenamt war über den blauen Alleingang nicht informiert. "Die Reise von Lasar ist ein außenpolitisch irrelevanter Aktionismus, der nicht abgesprochen war", so die Reaktion des Ministeriums.



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