Kanzler versammelt Getreue im Büro. Die türkise Neuwahlstrategie.
Wien. Die politische Dramatik wurde Sebastian Kurz und den seinen erst gestern klar. Erstmals sollten sie die Getriebenen sein. Dass die Grünen Kurz nach den jüngsten Ermittlungen gegen ihn nicht mehr als Kanzler wollen, hatten die Türkisen nicht vorausgesehen. Innerhalb der ÖVP sitzt der Schock über die neuesten Chats zwar tief, doch die Landeshauptleute stellten sich vordergründig „geschlossen“ hinter Kurz.
Am Abend nach einem Krisen-Meeting mit allen schwarzen Landeshauptleuten stellte Tirols Günther Platter, sekundiert von ÖVP-Klubchef August Wöginger, klar: Man nehme die Verantwortung mit Kurz als Kanzler wahr. Und: „Es liegt an den Grünen, zu entscheiden, wie es weitergeht.“
Taktik. Nachdem gestern alle VP-Minister bei Kurz im Kanzleramt waren, stellten die wiederum fest: Würde Kurz „gestürzt“, würden auch sie gehen. Ähnlich hatte die FPÖ 2019 reagiert, als die ÖVP die Ablöse von Kickl gefordert hatte. Neuwahlen waren die Folge.
Absage. Ihr durch Ermittlungen in schwere Bedrängnis geratener Kanzler – der jetzt sogar einen für nächste Woche geplanten Israel-Besuch abgesagt hat – solle in einen „Märtyrer-Wahlkampf ziehen“ und dann „noch einmal die Nummer 1 für uns behaupten“. Danach solle wieder ÖVP-FPÖ als Regierung angestrebt werden. Was die ÖVP jetzt noch verhindern will, ist eine Mehrparteienregierung gegen sie, die Kurz zum Oppositionschef machen würde.