Das Protokoll des Skandal-Wahlkampfs

So lief Kern in Silberstein-Falle

Das Protokoll des Skandal-Wahlkampfs

Die Zusammenarbeit von SPÖ und Berater Silberstein war viel intensiver als behauptet.

Es ist der übelste Wahlkampf, den dieses Land je zu ertragen hatte. Am Anfang des Desasters steht ein ehemaliger unglücklicher Bundeskanzler.

  • Im Juni 2016 redet Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer dem frischgebackenen Regierungschef Christian Kern ein, sich den Israeli Tal Silberstein zu holen. Der Profi-Berater hatte ihm 2006 zum Wahlsieg verholfen.

  • Ab Oktober 2016 läuft der Vertrag der SPÖ mit Silberstein, der dem Israeli insgesamt 536.000 bringt. Es werden darin nicht nur Meinungsumfragen vereinbart, wie Kanzler Kern später behaupten sollte, sondern auch die „Errichtung von War Rooms“ oder die „Beobachtung“ des Gegners. Silberstein macht sich gleich an die Arbeit und „übernimmt“ die Kampagne, lange bevor von Wahlkampf offiziell die Rede ist. Er ist anfangs nur zwei Tage im Monat in Österreich, arbeitet viel im Büro seiner Firma CGS in Tel Aviv. Silberstein, der auch schon bei den Neos in Wien engagiert war, hievt auch eine seiner Vertrauten, Victoria Sölle, ins Kanzleramt (siehe Wahl-Extra).

  • Am 25. Jänner hat Silberstein die erste Kampagne fix und fertig. Am selben Tag droht Kanzler Kern der ÖVP offen mit dem Bruch der Koalition. Obwohl ein ausgefeilter Wahlkampf fertig gewesen wäre, zieht Kern zurück, wagt den Absprung aus der Koalition nicht.

  • Anfang Februar lässt sich Silberstein von einem Ex-Mitarbeiter von Gusenbauer, Robert L., einen Zustandsbericht der SPÖ und des Kanzlerbüros ausarbeiten, inklusive eines für Kern wenig schmeichelhaften Psychogramms (Kern als „eitle Prinzessin“ mit „Glaskinn“).

  • Ab März wird in der Piaristengasse in Wien Josefstadt ein „War Room“ eingerichtet, in dem sechs Leute, darunter drei Israeli, arbeiten.

  • Mitte April, noch immer ist nicht Wahlkampf, wird das berühmte Pizza-Video mit Kanzler Kern veröffentlicht – eine Idee, auf die Silberstein besonders stolz ist

  •  Mitte Mai ist ÖVP-Chef Mitterlehner Geschichte, Kurz übernimmt und ruft Neuwahlen aus. Die Kooperation SPÖ-Silberstein wird intensiver. Der Israeli kommt öfter nach Wien, hält täglichen Kontakt mit dem Kanzlerbüro, trifft auch Kern – in dessen Büro, aber auch in dessen Privatwohnung.

  • Im War Room im 8. Wiener Bezirk wird eine giftige Mischung gebraut. Zwei Anti-Kurz-Seiten (Die Wahrheit über Kurz, Wir für Kurz) gehen online, auf denen der neue ÖVP-Chef verleumdet und angepatzt wird. Der Organisator: Peter Puller – auch er hat mit Silberstein für die Neos zusammengearbeitet.

  • Mitte August wird Tal Silberstein in Israel verhaftet. Die SPÖ trennt sich von ihrem Berater – doch das Sudel-Büro arbeitet weiter. Aber es ist jetzt leck. Unterlagen gelangen an die Öffentlichkeit, der größte Wahlkampfskandal der Zweiten Republik ist perfekt. Jetzt beschuldigt die SPÖ die ÖVP, Informanten aus dem Silberstein-Büro um 100.000 € gekauft zu haben.

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