Riesen-Wirbel um Sager

Nach Eklat bei TV-Duell: Rendi schießt nach

Die Stimmung beim TV-Duell war von vorneherein vergiftet: Rendi matchte sich mit Kurz in aller Härte.

Wien. Es war das letzte der fünf ORF-Duelle dieses Mittwochs: Erstmals trafen SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und Sebastian Kurz (ÖVP) in einem direkten TV-Duell aufeinander. Es sollte ein Kanzlerduell sein – doch dafür liegt die SPÖ zu weit hinten.

Rendi greift gleich einmal an: „Nach dem größten Skandal der 2. Republik galt es, Verantwortung zu übernehmen – deswegen war ich für eine Expertenregierung. Aber ja: Wir haben eine persönliche Beziehung. Sie haben aber zwei Gesichter: Hier das freundliche im TV, aber wenn es ein persönliches Gespräch gibt, dann lese ich das gleich in den Zeitungen. Ich war auch entsetzt, als ich mitgekriegt hatte, dass Sie Ihrem Pressesprecher gesagt haben, er solle die Medien informieren, Norbert Hofer habe 39,4 Grad Fieber.“

Kurz schlägt zurück: Das sei absurd. „Das hat jetzt alles an Verschwörungstheorien der FPÖ getoppt – Sie waren offenbar bei einer anderen Veranstaltung. Diese Einleitung war das Skurrilste, was ich in diesem Wahlkampf erlebt habe“, so der ÖVP-Chef.

 

Video zum Thema: Pamela Rendi-Wagner - Sebastian Kurz: Nach dem Misstrauensvotum

 

"Er ist ja jung, vielleicht kann er noch etwas lernen"

Rendi gibt die Hoffnung nicht auf: „Sie haben offenbar nichts gelernt von Rattengedicht und Einzelfällen, wenn Sie wieder eine Mitte-rechts-Regierung wollen. Wollen Sie das wirklich? Er ist ja jung, vielleicht kann er noch etwas lernen.“

Kurz ärgert Rendi jetzt erneut: „Auch wir hatten zwei, drei Gespräche, ich habe auch gute Kontakte zu Hans Peter Doskozil. Die SPÖ will aber alles zurücknehmen, was wir gemacht haben, etwa bei den Sozialversicherungen. Wir wollen unseren Weg fortsetzen.“

 

Video zum Thema: Pamela Rendi-Wagner - Sebastian Kurz: Reform der Sozialversicherungen

 

Rendi greift wieder an: „Bei der Sozialversicherung hat sich Ihr Umgang mit der Wahrheit gezeigt. Zusammenlegung kostet viel Geld. Eine Milliarde wurde aus dem Gesundheitssystem rausgenommen. Da wurde viel zerschlagen.“

Kurz schüttelt den Kopf: „Ich kenne kein System der Welt, wo viele Strukturen, viele Direktoren günstiger sind.“

 

Giftiges Duell 

Martin Thür fragt schließlich, ob eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen SPÖ und ÖVP möglich sei. "Es gibt schon sehr große inhaltliche Differenzen", sagt Kurz verhalten. Bei der SPÖ gebe es eher Ideen für neue Steuern, sagt er weiter. "Und vor allem gibt es einen unterschiedlichen Zugang zum politischen Islam und zur Migrationsfrage", so der ÖVP-Chef. Das seien schon "sehr unterschiedliche Konzepte".
 

Rendi schießt nach

 
Zum gestrigen ORF-Wahlduell sagt SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner: „Wer unehrlich und unaufrichtig ist, muss damit rechnen, dass auch einmal jemand den Mut hat, das auszusprechen. Ich war entsetzt, wie Sebastian Kurz vergangene Woche auf die Nachricht, dass Norbert Hofer mit 39 Grad Fieber im ORF-Studio medizinisch versorgt werden musste, reagiert hat. Statt an Hilfe und Unterstützung zu denken, hat Kurz um ca. 20 Uhr – vor dem gemeinsamen Gruppenfoto im ORF-Studio – seinen Pressesprecher damit beauftragt, eine Zeitung darüber zu informieren. Ich war in unmittelbarer Nähe und habe es selbst gehört. Meine Überzeugung ist: Jemandem, der Unterstützung braucht, ist rasch zu helfen. Kritische Situationen anderer Menschen für den eigenen Vorteil zu nützen, ist unanständig und unmenschlich. Dieses Vorgehen zeigt die zwei Gesichter des Sebastian Kurz, über die jeder im Buch ‚Haltung‘ von Ex-Vizekanzler und Ex-ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner nachlesen kann.“ 
 

Meinl-Reisinger – Hofer

Neos-Chefin: "Ein Hydrant hätte dieses Budget zusammengebracht"

Auch im ersten Wahl-Duell des Abends, zwischen Meinl-Reisinger und Norbert Hofer, wurde es durchaus auch hitzig. Gleich zu Beginn der Debatte ging es um Wahl-Zuckerl und Steuergeld. Die Diskussion war sehr sachlich, bis Hofer sagte, die FPÖ-ÖVP-Regierung habe keine Schulden gemacht – das sei noch keiner Regierung gelungen. 
 
Meinl-Reisinger reagierte mit einer Kritik zum türkis-blauen Budget. Sie sagte angriffig: "Ein Hydrant hätte dieses Budget zusammengebracht." Hofer kontert scharf darauf: "Also erstens ist der Finanzminister sicher kein Hydrant", beginnt er. Dann erwähnt Hofer die angeblichen Parteischulden der "kleinen Partei Neos". Sie will das nach Hofers Wortmeldung berichtigen, wirft Meinl-Reisinger ein und sagt, dass die Neos einen 400.000-Euro-Kredit hätten, "und 550.000 Euro können wir noch abrufen". 
 
Als Meinl-Reisinger das Ibiza-Video anspricht, rollt Hofer mit den Augen und sagt entnervt: "Boah, jetzt kommt wieder das Ibiza-Video. Sagen Sie 5 Mal Ibiza." Dann reden sie allerdings wieder über die Parteifinanzen weiter. 
 

Video zum Thema: Duell 1: Beate Meinl-Reisinger (NEOS) - Norbert Hofer (FPÖ)

 

Pilz – Leichtfried: Schlaftablette

Peter Pilz: „Geld für alte Panzer ist da, für arme Kinder nicht.“ Pilz setzt anfangs auf soziale Themen und verteidigt dann die Forderung nach einer Fleischsteuer. Pilz sträubt sich gegen die rote Kuschelei: „Immer, wenn die SPÖ konkret werden soll, kneift sie.“
 
Jörg Leichtfried: „Wir sind ja gar nicht so weit auseinander“, stellt der SPÖler fest, als Pilz Maßnahmen gegen die Armut fordert. Es plätschert dahin. Leichtfried lobt „den Peter“ auch für die gemeinsame Initiative gegen Mercosur.
 

Video zum Thema: Duell 2: Peter Pilz (Jetzt) - Jörg Leichtfried (SPÖ)

 

Kurz – Meinl: Asyl und Ausschuss

Sebastian Kurz ist es egal, ob der BVT-Ausschuss weitergeht. „Wir sind da emotionslos.“ Der VP-Chef bestreitet einen Schwenk bei der Abschiebung von Lehrlingen. Emotional wird Kurz in der Bildungsfrage: „Die Deutschklassen funktionieren.“
 
Beate Meinl-Reisinger: „Sie sind Kanzler und haben zugeschaut, wie der Kickl hereinmarschiert ist.“ Die Neos-Chefin will, dass der BVT-Ausschuss weitergeführt wird. Und fordert, dass Asylwerber auch nach der Lehre noch ein, zwei Jahre bleiben dürfen.
 

Video zum Thema: Duell 3: Beate Meinl-Reisinger (NEOS) - Sebastian Kurz (ÖVP)

 

Hofer – Kogler: Streit um das Heer

Norbert Hofer: Der FPÖ-Chef ist dagegen, Klimaschutz und Bundesheer gegeneinander auszuspielen: „Wir werden nicht mehr für Kindergärten oder Klimaschutz ausgeben können, wenn uns das Bundesheer nicht mehr schützen kann.“
 
Werner Kogler: Start mit dem "ungrünen" Thema Bundesheer. Der Grüne will Geld für Katastrophenschutz („Brauchen wir wegen Klimawandel!“) und nicht für „Luft-Ferraris“. Hofer bringt er kurz aus der Fassung: „Schaun S' mi ned so traurig an.“
 
Video zum Thema: Duell 4: Werner Kogler (Grüne) - Norbert Hofer (FPÖ)


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