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Das sagt ÖSTERREICH

SPÖ im Intrigen-Chaos: Wer folgt Rendi-Wagner? Alle tippen auf Ludwig

Ein Kommentar von ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner.

Was ist nur aus der SPÖ geworden? Die einst so stolze Kanzlerpartei hat sich zu einem fast tragikomischen Intrigantenstadl entwickelt.

Pamela Rendi-Wagner, der Partei-Vorsitzenden, ist ihr Saftladen komplett entglitten. Die am Parteitag schon von den eigenen Genossen k.o. geschossene SPÖ-Chefin stürzt sich mit jedem Medien-Auftritt noch tiefer ins Unglück. Die Tatsache, dass sie als Vorsitzende den offenen Medien-Krieg mit ihrem Widersacher Hans Peter Doskozil sucht und sogar befeuert, macht fast alle verbliebenen SPÖ-Granden fassungslos.

Die menschlich so sympathische Pamela ist als Politikerin eine Katastrophe. Jeder kleine Parteisekretär weiß, dass man in der Politik eines nie darf: Seine Verwundungen zeigen, seine „Parteifeinde“ beschimpfen, die Nerven verlieren. Pamela tut all das. Die SPÖ wird in den nächsten Wochen in den Umfragen unter 20 % fallen, sie wird bei der nächsten Landtagswahl in Oberösterreich zur 15-%-Kleinpartei werden – und sie würde bei einer Neuwahl im Herbst ein Debakel erleiden.

In Wahrheit ist Rendi-Wagner seit ihren letzten Interview-Pleiten erstmals selbst dem Rücktritt nahe. Enge Berater von ihr sagen: Sie würde am liebsten hinschmeißen. Aber sie kämpft weiter. Aus einem einzigen Grund: Es gibt weit und breit keinen Nachfolger.

Hans Peter Doskozil hat sich selbst in die Luft gesprengt. Der Burgenländer agiert seit Monaten als politischer Selbstmord-Attentäter. Er hat nur mehr ein Ziel: Rendi-Wagner zu zerstören – auch wenn er damit die Partei ruiniert.

Alle SPÖ-Präsidiumsmitglieder waren gestern fassungslos über die Zerstörungswut ihres einst geschätzten „Dosko“. Die einen führen das auf seine Erkrankung zurück, die anderen auf das politische Duell um die Richtung der SPÖ.

So oder so: In einer Partei wie der SPÖ ist das, was Doskozil getan hat, ein No -Go. Diese Partei grüßt mit „Freundschaft“, nicht mit „Feindschaft“. Hier ist – zumindest an der Basis – „Solidarität“ die oberste Maxime. Doskozil kommt als Rendi-Nachfolger nicht mehr in Frage. Auch wenn er bei FPÖ- und ÖVP-Wählern vielleicht sogar die Mehrheit für einen Kanzler bekäme – die linke Fraktion in der eigenen Partei hasst ihn so sehr, dass ein „Dosko“ als Parteichef oder Spitzenkandidat die sofortige Parteispaltung zur Folge hätte.

Also sucht die SPÖ spätestens seit gestern verzweifelt einen Nachfolger für Pamela, wenn die – mit den Nerven am Ende – ihren Job hinschmeißt und der SPÖ-Spitze Adieu sagt. Wer könnte ihr folgen:

  • Jan Krainer, der zuletzt so eloquente U-Ausschuss-Star und Budgetsprecher der Partei, wäre der wahrscheinlich der beste Nachfolger aus dem Nationalrat, wenn die SPÖ einen attraktiven Oppositions-Chef sucht. Krainer ist mit 53 erfahrener, als viele glauben, seit 19 Jahren im Parlament. Sein Nachteil: Er hat keine Basis – ist ein Einzelkämpfer.
  • „Beppo“ Muchitsch, der Sozialsprecher der SPÖ, wäre die Alternative aus dem Parlamentsklub. Er hat das, was Krainer nicht hat: Breite Basis, breites Netzwerk – nämlich die gesamte Gewerkschaft hinter sich. In Wahrheit sind Muchitsch und Krainer aber zu wenig populär für einen Parteichef.
  • Heißester Tipp für die Rendi-Nachfolge ist deshalb Wiens Wirtschafts-Stadtrat Peter Hanke. Hanke, der hier schon vor einem Jahr als Rendi-Nachfolger genannt wurde, gilt in der SPÖ als „neuer Vranitzky“. Sehr wirtschaftskompetent, trotzdem engagiert links, mit der Unterstützung der mächtigen Wiener Landes-Partei. Sein größtes Problem: Er hat kein Nationalrats-Mandat, scheidet deshalb als Oppositions-Chef aus. Ein Insider: „Hanke wäre der ideale Rendi-Nachfolger, wenn Kurz im Herbst Neuwahlen macht!“ Hanke selbst würde nie als Oppositions-Chef ohne Mandat in die Löwelstraße wechseln – er kann und will das nicht, er sieht sich als Macher, zumindest als Finanzminister.
  • Somit bleiben in der SPÖ nur noch zwei übrig, die den Parteichef übernehmen können, wenn Rendi in den nächsten Tagen hinschmeißen sollte – und nicht die Zähne zusammenbeißt und weiterkämpft:
  • Peter Kaiser, der Kärntner Landeshauptmann, wäre der Wunsch-Kandidat von allen eher linken SPÖ-Mitgliedern. Doch Kaiser müsste den SPÖ-Chef parallel zum Kärntner Landeshauptmann machen. Und er sagt klar: Aus Kärnten geht das nicht und jeden zweiten Tag nach Wien pendeln will er nicht.
  • Somit bleibt nur noch einer, der die Nachfolge sofort übernehmen kann. Michael Ludwig, Wiens Bürgermeister.

Ludwig hat seinen Bürgermeister-Job so gut im Griff, dass er den Partei-Chef durchaus nebenher „stemmen“ könnte. Er agiert von Wien aus, er positioniert sich immer öfter und lieber als Gegenspieler von Kanzler Kurz. Er beherrscht die Medien-Bühne.

Und: Ludwig ist der einzige SPÖ-Politiker, der es in seinen Beliebtheitswerten mit Sebastian Kurz aufnehmen kann – das wäre ein offenes Rennen um den Kanzler.

Jedenfalls waren gestern in der SPÖ fast alle einer Meinung: Wenn Pamela hinschmeißt, dann soll Michael Ludwig übernehmen. Ein Präsidiums-Mitglied klar: „Wir brauchen jetzt jemand an der Spitze, der die Partei einigt, den alle respektieren und der die SPÖ wieder auf Inhalte statt auf Streit fokussiert – und das kann derzeit ohne Frage der Michael Ludwig am besten!“  



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