Wie Gemeinden, Bauwirtschaft und Vergaberecht regionale Wertschöpfung stärken wollen – ohne Protektionismus.
Österreich steht wirtschaftlich unter Druck – und gleichzeitig vor großen Aufgaben: Sanierungen, Infrastruktur, Pflege, Wohnbau. Brisant wird damit die Frage: Wo bleibt das Geld, das die öffentliche Hand ausgibt? Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten rückt damit die Vergabe öffentlicher Aufträge ins Zentrum der Standortdebatte – zwischen Preis, Qualität und regionaler Wertschöpfung.
Steuergeld im Land halten
Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz und Abgeordneter zum Nationalrat (SPÖ), formuliert es so: „In der Praxis werden Aufträge oft so vergeben, dass das Geld nicht in Österreich bleibt.“ Gerade in Zeiten knapper Budgets müsse das vorhandene Investitionsvolumen gezielt eingesetzt werden: „Das Geld, das noch in Österreich zur Verfügung ist, soll für Investitionen, Sanierung, Infrastruktur und Wohnbau so eingesetzt, ausgeschrieben und vergeben werden, dass österreichische Betriebe mit ihren Beschäftigten bevorzugt werden und so das Geld im Land bleibt.“
Kriterien vor dem Preiswettbewerb
Rechtsanwalt Martin Schiefer, Partner bei Schiefer Rechtsanwälte und Experte für Vergaberecht, sieht mit der BVergG-Novelle 2026 ein Werkzeug, um Auswahlkriterien „schon im Vorhinein“ festzulegen, bevor es in den Preiswettbewerb geht. Schiefer betont dabei ausdrücklich: „Das ist nichts Protektionistisches und es ist auch nichts Populistisches.“ Entscheidend seien Kriterien, die Unternehmen begünstigen, „die sich ökologisch engagieren und sozial gerecht agieren“ und fest in der Gemeinde verankert sind. Voraussetzung bleibe dabei stets die Qualität der Leistung.
Gemeinden als Auftraggeber
Johannes Pressl, Präsident des Österreichischen Gemeindebundes, betont die Verantwortung der Gemeinden als öffentliche Auftraggeber. „Wir sind ja letztlich auch dem Steuergeld verantwortlich. Und deswegen gibt es ja auch diese klaren Regeln“, sagt er. Genau darin sieht Pressl den Kern der Debatte: Gemeinden müssen wirtschaftlich vergeben, gleichzeitig aber handlungsfähig bleiben. Steigende Ausgaben – etwa für Pflege oder Kinderbetreuung – schränken den Investitionsspielraum ein. Regionale Vergaben können hier einen Kreislauf in Gang setzen, indem Aufträge bei lokalen Betrieben bleiben und über Steuern und Wertschöpfung wieder in die Gemeinden zurückfließen.
Praxis: Wenn Wertschöpfung hörbar wird
Anton Bondi de Antoni, geschäftsführender Gesellschafter der Bondi Consult GmbH und Entwickler des Quartiers TwentyOne, bringt die Entwicklerperspektive ein. Beim Projekt TwentyOne sei der RotWeissRot-Anteil „wirklich sehr hoch“, weil man bei der Vergabe auf österreichische Teil-Generalunternehmer gesetzt und Subvergaben „so weit es möglich ist“ mitgesteuert habe. Sein Indikator: „Wenn man wahrnimmt, dass Führungspersonal, Poliere und Beschäftigte Deutsch sprechen, kann man davon ausgehen, dass ein hoher Teil der Wertschöpfung im Land bleibt.“
Am 10. Februar 2026 um 15:30 Uhr diskutiert Business LIVE auf oe24.tv, wie öffentliche Aufträge Qualität, Regionalität und faire Kriterien verbinden können. Zu Wort kommen Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau Holz und Abgeordneter zum Nationalrat, Rechtsanwalt Martin Schiefer, Partner bei Schiefer Rechtsanwälte und Experte für Vergaberecht, Johannes Pressl, Präsident des Österreichischen Gemeindebundes, sowie Anton Bondi de Antoni, geschäftsführender Gesellschafter der Bondi Consult GmbH. Im Fokus stehen das Bestbieterprinzip, ESG Kriterien, Lebenszyklus Denken, Transparenz sowie die Frage, wie Gemeinden trotz steigenden Kostendrucks investitions und handlungsfähig bleiben können.
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