Regionale Dienstleister punkten mit Service und Verfügbarkeit. Doch Ausschreibungen bilden diese Qualitäten oft nur unzureichend ab. Nikolaus Brada, Geschäftsführer und Eigentümer der Aufzugsspezialistin Nibra GmbH, über regionale Vergabe und Lebenszykluskosten.
Herr Brada, wie hoch ist der Anteil regionaler Auftraggeber bei NIBRA und hat sich dieser zuletzt verändert?
Nikolaus Brada: Ein großer Teil unserer Projekte kommt aus Wien und dem ostösterreichischen Raum, also aus Regionen, in denen wir mit Teams, Lager und Infrastruktur rasch vor Ort sind. Der regionale Anteil ist in den letzten Jahren eher gestiegen, weil Auftraggeber Verfügbarkeit, Servicequalität und eine planbare Zusammenarbeit stärker gewichten als früher.
Wo merken Sie im Tagesgeschäft den Unterschied zwischen regionalen und internationalen Auftraggebern am deutlichsten?
Regional profitieren wir von kurzen Wegen und direkten Ansprechpartnern. Entscheidungen fallen schneller, Abstimmungen sind klarer und unsere Montage- und Serviceteams sind eingespielt und gut verfügbar. Das reduziert Reibungsverluste – sowohl im Projekt als auch im laufenden Betrieb.
In Ausschreibungen entscheidet oft der Preis. Was wird dabei aus Ihrer Sicht zu wenig berücksichtigt?
Zu selten werden Lebenszykluskosten und messbare Servicequalität bewertet. Bei Aufzügen sind Reaktionszeiten, Anlagenverfügbarkeit, Wartungslogik, Ersatzteilkonzepte und Dokumentation entscheidend. Genau hier entstehen im Betrieb die relevanten Kosten – nicht beim Anschaffungspreis.
Wo geraten regionale Dienstleister wie NIBRA im Wettbewerb besonders unter Druck?
Vor allem dann, wenn Ausschreibungen so groß oder so komplex zugeschnitten sind, dass realistisch nur wenige internationale Konzerne teilnehmen können. Das ist meist keine Qualitätsfrage, sondern eine Systemfrage der Vergabestruktur. Die EU sieht mit der Losbildung ausdrücklich Instrumente vor, um den Zugang für KMU zu erleichtern.
Welche zusätzlichen Kosten oder Risiken entstehen für Auftraggeber, wenn Service oder Ersatzteile nicht regional verfügbar sind?
Längere Stillstände, höhere Folgekosten und mehr Koordinationsaufwand – besonders im Störungsfall. Wenn Ansprechpartner weit entfernt sind, wird der Betrieb teurer, auch wenn der Einstiegspreis günstiger war. Das Risiko trägt am Ende der Auftraggeber.
Gibt es Beispiele aus der Praxis, wo sich regionale Vergabe langfristig als wirtschaftlicher erwiesen hat?
Ja, regelmäßig. Der Unterschied zeigt sich oft erst nach der Übergabe, im laufenden Betrieb. Stabile Wartung, schnelle Entstörung und verlässliche Betreuung senken die Gesamtkosten deutlich. Der günstigste Anbieter ist über den Lebenszyklus betrachtet selten der wirtschaftlichste.
Was bräuchten regionale Dienstleister konkret, um fairer im Wettbewerb bestehen zu können?
Eine konsequente Anwendung des Bestbieterprinzips mit klaren, messbaren Service- und Qualitätskennzahlen sowie einer echten Lebenszyklusbetrachtung. Dazu kommen sinnvolle Losbildung, realistische Eignungsanforderungen und transparente Bewertungssysteme.
Wenn Sie einen Wunsch an Auftraggeber formulieren könnten: Worauf sollten sie bei Vergaben stärker achten?
Auf den gesamten Lebenszyklus eines Projekts. Servicequalität muss verbindlich und messbar sein. Regionale Wertschöpfung lässt sich vergaberechtskonform über Leistungsanforderungen abbilden – etwa über Reaktionszeiten, Verfügbarkeit von Serviceteams und Ersatzteilen sowie eine nachvollziehbare Dokumentation.
NIBRA ist ein österreichisches Familienunternehmen mit Sitz in Wien und auf Aufzugsbau, Modernisierung und Service spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt rund 80 Mitarbeitende und hat seit der Gründung mehr als 2.700 Anlagen errichtet. Geschäftsführer und Eigentümer Nikolaus Brada führt NIBRA in zweiter Generation mit Fokus auf regionale Präsenz, Servicequalität und langfristige Partnerschaften.