Ein weit verbreitetes Vorurteil hält sich hartnäckig: Wer Muskeln aufbaut, verliert an Beweglichkeit – doch das Gegenteil ist wahr. Richtig ausgeführt, steigert es Beweglichkeit, stabilisiert Knochen und Gelenke und stärkt die Haltung.
Die Wissenschaft sagt klar: Krafttraining ist eine hervorragende Möglichkeit, die Beweglichkeit zu verbessern. Solange Übungen ausgewählt werden, die die Gelenke in vollem Umfang bewegen, ist Krafttraining im Grunde „belastendes Dehnen“. Damit wird sowohl die Flexibilität als auch die Kraft (und damit die Mobilität) verbessert.
Beim Krafttraining wird der Muskel während der Übung aktiv gedehnt und wieder verkürzt – das nennt man aktive Dehnung. Wenn man beispielsweise bei einer Kniebeuge tief hinuntergeht, werden die Gesäß- und Oberschenkelmuskeln in der unteren Position stark gedehnt, während sie gleichzeitig unter Spannung stehen. Diese Kombination aus Spannung und Dehnung ist besonders effektiv, um die Dehnfähigkeit des Muskels dauerhaft zu verbessern.
Im Gegensatz dazu wirkt klassisches statisches Dehnen eher passiv: Man hält eine Position, ohne dass der Muskel arbeitet. Das kann kurzfristig die Beweglichkeit erhöhen, aber die Effekte sind meist weniger stabil als beim „belastenden Dehnen“ im Krafttraining.
Mehr als Muskeln: Krafttraining stärkt den gesamten Körper
Neben der verbesserten Beweglichkeit hat Muskeltraining viele weitere Vorteile für den gesamten Körper. Durch die Zunahme an Muskelmasse steigt der Grundumsatz, sodass der Körper selbst in Ruhe mehr Energie verbrennt. Der aktivere Stoffwechsel hilft, das Gewicht zu halten und wirkt sich positiv auf den Blutzuckerspiegel, die Reaktion des Körpers auf Insulin und das Herz-Kreislauf-System aus. Zudem fördert regelmäßiges Muskeltraining die Körperhaltung: Die Knochen werden dichter und widerstandsfähiger, die Gelenke stabilisiert und dadurch die aufrechte Haltung verbessert.
Damit leistet Krafttraining einen entscheidenden Beitrag zur Vorbeugung von Verletzungen, Osteoporose und chronischen Beschwerden und fördert langfristig Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität.
Besonders wichtig für Frauen über 40
Mit zunehmendem Alter sinkt der Östrogenspiegel, wodurch das Risiko für Osteoporose steigt. Regelmäßiges Krafttraining wirkt hier wie ein natürlicher Schutzschild. Es kräftigt nicht nur die großen Muskelgruppen, sondern auch die Tiefenmuskulatur, die für eine aufrechte Haltung und einen gesunden Rücken entscheidend ist.
Wissenschaftlich bestätigt: Krafttraining hat einen positiven Einfluss auf die Beweglichkeit
Laut dem American College of Sports Medicine (2021) sorgt gezieltes Krafttraining sogar für geschmeidigere Bewegungen. Durch regelmäßige Belastung werden Muskeln, Sehnen und Faszien stärker, elastischer und widerstandsfähiger. Nur einseitiges Training ohne ergänzende Dehnung kann zu Verspannungen führen.
Studien zeigen, dass bei regelmäßigem Krafttraining die Knochendichte um bis zu 3 % pro Jahr zunehmen kann. Quelle: Journal of Bone & Mineral Research, 2020; DGE, 2023
Krafttraining stärkt auch die Tiefenmuskulatur, die für eine aufrechte Haltung entscheidend ist. Quelle: Journal of Bone & Mineral Research 2020; DGE 2023