Österreichs landwirtschaftliche Flächen bieten für Bienen, Hummeln und andere Bestäuber über weite Teile des Jahres kaum Nahrung. Zu diesem Ergebnis kommt die BeeWild-Studie „Feeding Biodiversity“, deren erste Zwischenergebnisse jetzt vorgestellt wurden.
Die Analyse zeigt deutlich: In vielen intensiv genutzten Ackerlandschaften fehlen Blüten, Pollen und Nektar – also genau das, was Bestäuber zum Überleben brauchen. Und damit fehlt auch eine wichtige Grundlage für unsere Lebensmittelproduktion.
„Unsere Felder wirken grün und produktiv. Für Insekten sind sie aber oft eine Nahrungswüste“, erklärt Studienleiterin Kathrin Grobbauer. Gerade in Monokulturen entsteht Nahrung oft nur für kurze Zeit. Bestäuber brauchen aber über Monate hinweg ein kontinuierliches Blütenangebot.
Unter der Leitung von Kathrin Grobbauer werden insgesamt zwölf Standorte in der Steiermark und in Niederösterreich untersucht – und das über mehrere Jahre, von 2024 bis 2026. Erfasst werden unter anderem Blütenzahlen, Nektar- und Pollenmengen sowie die Anzahl der Blütenbesucher entlang festgelegter Untersuchungsstrecken. Schon die ersten Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede: Auf sogenannten BeeWild-Bienenweiden wurden im Schnitt rund 37-mal mehr Blüten gezählt als auf vergleichbaren Ackerflächen. In Spitzenzeiten waren es sogar bis zu 2.000-mal mehr Blütenstände. Dieser Unterschied ist entscheidend. Denn rund 75 Prozent der wichtigsten Kulturpflanzen weltweit sind auf Bestäubung angewiesen. Wenn Bestäuber keine Nahrung finden, gerät langfristig auch unsere Lebensmittelversorgung unter Druck.
BeeWild-Initiator Manfred Hohensinner warnt: „Biodiversität ist keine romantische Idee, sondern Teil unserer Ernährungsinfrastruktur. Ohne Bestäuber gefährden wir die heimische Lebensmittelversorgung massiv.“
Gleichzeitig zeigt die Studie aber auch: Die Landwirtschaft ist nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung. Durch gezielt angelegte Biodiversitätsflächen kann dort wieder Nahrung entstehen, wo sie fehlt. Ein Beispiel ist das sogenannte 10-zu-1-Landwirtschaftsmodell von BeeWild. Dabei werden Landwirtinnen und Landwirte unterstützt, mindestens zehn Prozent ihrer Flächen als mehrjährige Bienenweiden anzulegen – mit heimischem Wildpflanzensaatgut.
Diese Flächen folgen klaren Qualitäts- und Pflegerichtlinien und werden über mehrere Jahre gesichert. Saatgut, Beratung und die erbrachten Biodiversitätsleistungen werden entsprechend abgegolten.
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Die Wirkung ist deutlich: Botanische Vielfalt bildet die Grundlage für ganze Ökosysteme – von Insekten über Vögel bis hin zu Bodenorganismen.
Hinter BeeWild steht eine österreichische Artenschutz-Initiative, gegründet von Manfred Hohensinner. Sie setzt sich seit Jahren für Biodiversität, Artenschutz, Katastrophenvorsorge und nachhaltige Lebensmittelproduktion ein.Unterstützt wird die Initiative auch von prominenten Persönlichkeiten wie Elīna Garanča, Dominic Thiem, Andreas Gabalier und Lizz Görgl.