Wadbrände: Die Hölle auf Erden

Colorado

Wadbrände: Die Hölle auf Erden

Flammenmeer zerstört hunderte Häuser - Tausende Menschen auf der Flucht.

Der Wald brennt lichterloh, Häuser gehen in Flammen auf wie Zündholzschachteln, von vielen Autos bleibt nicht mehr als ein qualmender Schrotthaufen übrig: Die Feuerwalze, die durch den US-Bundesstaat Colorado rollt, hinterlässt eine Schneise der Verwüstung. "Es ist die Hölle auf Erden", twitterte einer der Zehntausenden Bewohner, die ihre Häuser bei Colorado Springs auf der Flucht vor den Flammen verlassen mussten.

Diashow: Waldbrände wüten in Colorado

Waldbrände wüten in Colorado

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    Vor den Toren der zweitgrößten Stadt des Bundesstaates haben Sturmböen mit Spitzenwerten von 145 km/h den Waldbrand im Waldo Canyon explosionsartig anwachsen lassen. Über Nacht verdoppelten sich seine Ausmaße auf 63 Quadratkilometer. Plötzlich drehender Wind hatte Feuerwehrleute sowie Anrainer gleichermaßen überrascht. Die Ursache des Brandes steht noch nicht fest, die Bundespolizei FBI hat sich in die Ermittlungen eingeschaltet.

    Offizielle Zahlen der Behörden gibt es zwar noch nicht. Aber die "Denver Post" (Donnerstagausgabe) errechnete auf der Grundlage von Luftbildern, dass etwa 300 Häuser ein Raub der Flammen geworden sind. Eines davon war das von Ted Stefani und seiner Frau Kate. "Es hat etwas Gutes und etwas Schlechtes", sagte er der Zeitung. "Schlecht ist, dass unser Haus weg ist. Aber gut ist, dass wir es zumindest wissen." Viele Einwohner aus Evakuierungsgebieten plagt dagegen die Ungewissheit, was aus ihrem Hab und Gut geworden ist.

    So auch Chris Hoyte. Er hat ein Video ins Internet gestellt: Von einem Hügel aus ist sein brennendes Wohnviertel zu sehen. "Ich kann es nicht glauben, aber ich meine, auch mein Haus steht in Flammen", sagt er. "Das Feuer kam den Hügel herunter", berichtete ein anderer. "Wir holten einige Sachen aus dem Haus und rannten davon." Viele andere Bewohner steckten bei 38 Grad Hitze verängstigt auf der Autobahn im Stau fest, während eine große Rauchwolke den Himmel verdunkelte.

    Den ganzen Tag über heulten in der 420.000 Einwohner zählenden Stadt an den Ausläufern der Rock Mountains die Sirenen. Übertönt wurden sie nur von den Flugzeugen, die Löschmittel über der kilometerlangen Feuerfront abließen - ein verzweifelter Versuch, die Flammen von den Wohnvierteln fernzuhalten.

    Präsident Barack Obama will an diesem Freitag die Region besuchen und mit Feuerwehrleuten sowie mit Gouverneur John Hickenlooper sprechen. Dieser überflog die Gegend im Hubschrauber und stellte danach schockiert fest: "Es ist wie der schlimmste Film, den man sich vorstellen kann." Dass der Nationalfeiertag am 4. Juli wie sonst mit einem großen Feuerwerk gefeiert wird, können sich viele in Colorado angesichts des Flammeninfernos kaum vorstellen - mehr als 30 Gemeinden sagten die Lichtspektakel inzwischen ab.