176 Tote: Jet-Drama wird zum Polit-Krimi

Flugzeug-Crash im Iran

176 Tote: Jet-Drama wird zum Polit-Krimi

Die Ukraine spricht nicht mehr länger von einem Triebwerksversagen als Absturzursache – Alle Infos zur Flugzeug-Tragödie und zum Iran-US-Konflikt gibt es HIER im oe24-Live-Ticker.

Teheran/Kiew. Nach dem Flugzeugabsturz einer ukrainischen Passagiermaschine im Iran mit 176 Toten distanziert sich die Ukraine von ihrer anfänglichen Erklärung zur Absturzursache, einem Triebwerksdefekt. Die ukrainische Botschaft im Iran zog am Mittwoch eine erste Stellungnahme dazu zurück und veröffentlichte eine zweite. Darin hieß es, die Ursachen des Absturzes seien nicht ermittelt.
 

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Frühere Einschätzungen dazu seien nicht offiziell gewesen. In der ersten Stellungnahme war noch von Triebwerksversagen die Rede gewesen und "Terrorismus" als Ursache ausgeschlossen worden. Als der ukrainische Ministerpräsident Oleksij Hontscharuk in Kiew von Journalisten gefragt wurde, ob das Flugzeug von einer Rakete abgeschossen worden sein könnte, warnte dieser daraufhin vor Spekulationen, bevor die Ergebnisse einer Untersuchung bekannt seien. Hontscharuk sagte zudem, Flüge ukrainischer Maschinen durch den iranischen Luftraum seien ab Donnerstag verboten.

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Iranischen Medien zufolge stürzte die Maschine des US-Herstellers Boeing kurz nach dem Start am internationalen Flughafen von Teheran auf einem Feld nahe der Stadt Parand ab. Die Maschine sei nach dem Aufprall in Flammen aufgegangen. Vom Staatsfernsehen verbreitete Aufnahmen zeigten allerdings das bereits brennende Flugzeug während des Absturzes.
 

Iran will Blackbox nicht aushändigen

Iranische Experten der Luftfahrtbehörde untersuchen inzwischen die zwei Black Boxes der am Mittwoch bei Teheran abgestürzten ukrainischen Passagiermaschine. Nachdem die beiden Flugschreiber gefunden wurden, könnten die Experten nun die Absturzursache effektiver untersuchen, so die Nachrichtenagentur ISNA. Die Staatsanwaltschaft in Teheran bestätigte, dass sich die Überreste der Opfer mittlerweile in der Gerichtsmedizin befinden. Iranischen Staatsmedien zufolge waren 15 der Passagiere Kinder.
 
Laut "Bild"-Informationen soll sich das Mullah-Regime jedoch weigern  die Blackbox der abgestürzten Maschine an Boeing auszuhändigen. Es soll auch nur ein einziger ukrainischer Experte an den Untersuchungen beteiligt sein.
 
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Die Fluggesellschaft Ukraine International Airlines machte inzwischen erste Angaben zur Maschine. "Es war eines unserer besten Flugzeuge, mit einer ausgezeichneten zuverlässigen Mannschaft", betonte der Präsident des Unternehmens, Jewgeni Dychne, sichtlich bewegt am Mittwoch in Kiew. Spekulationen, wonach ein Zusammenhang zwischen dem Flugzeugabsturz und den iranischen Raketenangriffen auf Militärstützpunkte im Irak wenige Stunden vor dem Vorfall bestehen könnte, wollte Dychne nicht kommentieren. Zu Nachfragen zu Berichten über einen angeblichen Defekt des Motors sagte Dychne, er werde sich nicht an der Diskussion "reiner Hypothesen" beteiligen.
 

Iran spricht von "technischen Schwierigkeiten"

Ein Sprecher des internationalen Flughafens in Teheran hatte kurz nach dem Unglück erklärt, mutmaßlich "technische Schwierigkeiten" hätten zu dem Absturz geführt. Auch die ukrainische Botschaft in Teheran hatte auf ihrer Website zunächst von einem technischen Defekt geschrieben und einen "Terrorakt" nach ersten Erkenntnissen ausgeschlossen. Danach hieß es, alle Informationen würden zu einem späteren Zeitpunkt durch eine offizielle Kommission veröffentlicht.
 
Den Angaben nach hatte die Maschine nach dem Start bereits eine Höhe von 2.400 Metern erreicht. "Die Wahrscheinlichkeit für einen Fehler der Besatzung ist minimal", betonte der Vizepräsident der Fluggesellschaft Igor Sosnowski. "Wir ziehen das schlichtweg nicht in Betracht", sagte er. Die Boeing des Typs 737-800 NG sei 2016 neu an die Ukrainer ausgeliefert worden. Erst am Montag hätte das Flugzeug eine reguläre technische Überprüfung ohne Probleme absolviert.
 
Der Luftverkehrsexperte Stephen Wright von der Universität Tampere in Finnland sagte, er halte einen Abschuss der Boeing-Maschine für unwahrscheinlich. Das Flugzeug sei nach oben und in die richtige Richtung geflogen. Dies bedeute, "dass etwas Katastrophales geschehen sein muss". Wright zufolge könne eine "Bombe" an Bord oder "eine katastrophale Panne im Flugzeug" ursächlich für den Absturz gewesen sein.
 
Der ukrainische Außenminister Vadym Prystaiko berichtete am Mittwoch, er habe mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammed Javad Zarif gesprochen. "Wir haben uns darauf geeinigt, die weiteren Aktionen unserer Ermittlungsgruppen eng zu koordinieren, um die Ursache für den schrecklichen Flugzeugabsturz zu ermitteln", schrieb er auf Twitter.
 
Russlands Präsident Wladimir Putin sprach den Angehörigen sein Beileid aus. In einem Beileidstelegramm an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und seinen iranischen Kollegen Hassan Rouhani habe Putin sein Mitgefühl ausgedrückt, teilte der Kreml am Mittwoch in Moskau mit. "Russland teilt die Trauer", hieß es darin. Auch der Papst kondolierte, in einem Beileidstelegramm schrieb Franziskus, er habe "mit tiefer Trauer" von dem Unglück gehört. Er denke an die Familien und Freunde, hieß es in der Mitteilung des Vatikans am Mittwoch. Der Papst wünschte allen Betroffenen Stärke und den Segen Gottes.
 
In der Ukraine weckte der Absturz Erinnerungen an den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH17 2014 über der Ostukraine. Damals wurden 298 Menschen unter bis heute nicht völlig geklärten Umständen durch eine Luftabwehrrakete plötzlich in den Tod gerissen.
 
 

US-Truppen auch in Syrien in erhöhter Alarmbereitschaft

Die in Syrien stationierten US-Soldaten und ihre kurdischen Verbündeten sind nach dem Raketenangriff im benachbarten Irak nach Angaben von Aktivisten in erhöhter Alarmbereitschaft. US-Soldaten würden verstärkt in der syrischen Provinz Deir ez-Zor im Osten des Landes patrouillieren, die an den Irak grenzt, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch mit.
 
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Auch Kämpfer der von Kurdenmilizen angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) seien dort mit gepanzerten Fahrzeugen unterwegs und mit Raketenwerfern bewaffnet, hieß es. Am Himmel seien in der Gegend zudem durchgehend Drohnen der USA sichtbar.
 
Die USA hatten Anfang Oktober überraschend den Abzug der in Nordsyrien stationierten Truppen angekündigt. Über die genaue Zahl der im Land verbleibenden US-Soldaten macht das Pentagon keine Angaben. Im ganzen Land sind es nach Schätzungen der Beobachtungsstelle für Menschenrechte derzeit "einige Hundert".
 18:09

Spekulationen um Einschusslöcher im Flugzeug-Wrack

Im Netz laufen die Spekultationen zur Absturzursache auf Hochtouren. Einige User wollen auf Fotos der Nachrichtenagentur Reuters Einschusslöcher im Flugzeugwrack entdeckt haben. Zudem sollen Bewohner, die den Absturz beobachtet haben, von heftigen Explosionen berichtet haben, während das Flugzeug noch in der Luft war.

 17:56

Irak bestellt Irans Botschafter ein: "Verstoß gegen Souveränität"

Nach dem iranischen Vergeltungsangriff gegen US-Truppen im Irak bestellt das Außenministerium in Bagdad den Botschafter des Nachbarlandes ein. Der Militärschlag werde als Verstoß gegen die irakische Souveränität angesehen, teilte das Außenministerium am Mittwoch in Mitteilungen über Twitter mit. Es rief alle Seiten auf, sich zurückzuhalten.

Der Irak sei ein unabhängiges Land und werde nicht zulassen, zum Schauplatz für Konflikte zu werden.

Der Irak und sein Nachbar Iran haben enge Kontakte. Teheran sichert sich dort vor allem über verbündete schiitische Milizen Einfluss.

 17:35

US-Präsident Trump kündigt neue Sanktionen an

In einem offiziellen Statement im weißen Haus gab US-Präsident Donald Trump bekannt, dass die USA weitere "wirtschaftliche Sanktionen" gegen den Iran in Kraft setzen werde. Trump betont, dass die Vereinigten Staaten nicht auf die Öl-Produktion aus dem Nahen Osten angewiesen wäre und sämtliche Handelsbeziehungen mit dem Iran auf Eis legen wolle. Des weiteren ruft Trump sämtliche Vertragspartner zum "Rückzug vom Wiener Atomdeal" auf.

 17:09

Drei deutsche Migranten unter den Toten

Laut Berichten des "Focus" sollen sich drei Menschen die in Deutschland als Schutzsuchende registriert waren bei dem Flugzeug-Crash ums Leben gekommen sein. Über die exakte Zahl der Opfer herrscht derzeit noch Uneinigkeit: Der Iran spricht von 179 Toten, die Ukraine von 176.

 16:58

Trump-Statement zur Iran-Krise: Jetzt LIVE auf oe24.TV!

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 16:48

Karte zeigt Flugzeug-Route

 16:42

Putin und Erdogan rufen USA und Iran zur Zurückhaltung auf

Der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan haben angesichts der jüngsten Konfrontation zwischen den USA und dem Iran alle Beteiligten zur Zurückhaltung aufgerufen.

Wechselseitige Angriffe und Gewaltanwendung trügen nicht dazu bei, "Lösungen für die komplexen Probleme im Nahen Osten zu finden", erklärten die Staatschef am Mittwoch in einer gemeinsamen Stellungnahme nach einem Treffen in Istanbul.

Putin © Getty Images

Russland und die Türkei riefen alle Beteiligten auf, "zurückhaltend und vernünftig zu handeln und der Diplomatie Vorrang einzuräumen", hieß es in der Mitteilung weiter.

Der Iran hatte in der Nacht zu Mittwoch zwei US-Militärstützpunkte im Irak angegriffen. Es war die erste militärische Reaktion Teherans auf die gezielte Tötung des einflussreichen iranischen Generals Qassem Soleimani durch einen US-Drohnenangriff am vergangenen Freitag im Irak. Pro-iranische Milizen im Irak kündigten am Mittwoch gleichfalls Vergeltungsangriffe auf US-Truppen an.

Erdogan © Getty Images

 16:39

Irak: Iranische Angriffe sind "Souveränitätsverletzung"

Die Führung in Bagdad hat die iranischen Raketenangriffe auf US-Militärstützpunkte im Irak verurteilt. Dabei setzten Präsident Barham Salih, Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi und Parlamentspräsident Mohammed al-Halbusi am Mittwoch aber unterschiedliche Akzente.

saleh.jpg © getty images

Das Amt des Regierungschefs vermied einen Verweis auf die iranischen Angriffe, als es "jede Verletzung" der irakischen Souveränität ablehnte. Der Parlamentspräsident sprach hingegen ausdrücklich von einer "Verletzung der irakischen Souveränität durch den Iran". Präsident Saleh warnte davor, der Irak könne in ein "Schlachtfeld" verwandelt werden.

 16:38

Außenministerium warnt vor Reisen in den Iran

Angesichts der extrem angespannten Situation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat das Wiener Außenministerium seine Reisehinweise für den Iran verschärft. "Aufgrund der momentanen volatilen Situation in der Region wird von nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Iran abgeraten", hieß es auf der Website des Außenamtes. Es gilt damit für das gesamte Land die Sicherheitsstufe 4.

 16:31

"BILD": Fakten sprechen gegen "normalen" Absturz

Laut Berichten der deutschen "Bild" sprechen die Fakten gegen ein "technisches Gebrechen", wie es zuvor von Seiten Teherans zu hören war. Das erste Indiz, dass sich hinter der Flugzeug-Tragödie mehr verbirgt, als derzeit bekannt gegeben wird, ist, dass das angebliche technische Gebrechen bereits kurze Zeit nach dem Absturz als "Triebwerksversagen" konkretisiert werden konnte. Laut BILD-Experten Röpcke soll die Boeing-Maschine zunächst mit völlig normalem Anstieg und Geschwindigkeit abgehoben sein – Die Transponder-Signale fielen kurz darauf aus, ohne, dass zuvor ein Notruf abgesetzt wurde: "Bei einem Notlandungsversuch hätte das Flugzeug weiter gesendet. Videos des nach unten rasenden Feuerballs sprechen eher für einen Absturz mit funktionierenden Triebwerken", konkretisierte der BILD-Experte die Vorkommnisse.

 16:20

Trump kündigt Statement zur Iran-Krise an

Nach den iranischen Vergeltungsanschlägen auf US-Ziele im Irak will sich US-Präsident Donald Trump am Mittwochnachmittag um 17 Uhr (MEZ) zu der äußerst angespannten Situation äußern. Das kündigte ein Vertreter des Weißen Hauses an. Um 17.00 Uhr können Sie das Statement des US-Präsidenten LIVE auf oe24.TV mitverfolgen.

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Aus Rache für die gezielte Tötung des hochrangigen iranischen General Qassem Soleimani hat der Iran von den USA angeführte internationale Truppen im Irak angegriffen und damit die Furcht vor einem Krieg in Nahost angefacht. Die internationale Gemeinschaft rief zum Dialog und zur Deeskalation auf.