Am Wendepunkt?

4 Jahre Ukraine-Krieg: Experte schockt mit Prognose

Wie wahrscheinlich ist ein baldiges Kriegsende in der Ukraine? 

Auch 2026 ist im Krieg zwischen Russland und Ukraine keine schnelle Entscheidung in Sicht. Der Militäranalyst Gustav Gressel zeichnet ein düsteres Bild. Eine militärische Wende sei nicht erkennbar, ein Frieden ebenfalls nicht.

„Ein Frieden ist unwahrscheinlich“, sagt der österreichische Experte im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Selbst ein Waffenstillstand wäre aus seiner Sicht kein echter Durchbruch, sondern lediglich eine operative Pause: „Ein Waffenstillstand würde den Krieg nicht beenden, sondern nur einfrieren.“ Russland würde eine solche Phase nutzen, um sich neu aufzustellen.

4 Jahre Ukraine-Krieg: Experte schockt mit Prognose
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Personalnot als strategisches Problem

Besonders kritisch sieht Gressel die Lage der ukrainischen Streitkräfte. Das Kernproblem sei nicht allein die Waffenfrage, sondern der Personalmangel. „Viele Brigaden stehen seit Jahren ohne Ablösung im Einsatz“, so der Experte. Die Armee sei strukturell überlastet.
Zudem gebe es weiterhin zu wenige mobilisierte Soldaten. „Die Ukraine hat ein massives Rekrutierungsproblem“, sagt Gressel. Das schwäche nicht nur die Front, sondern auch die Fähigkeit, größere Gegenoffensiven zu planen.

Die Infografik zeigt den Verlauf des russischen Angriffskriegs in der Ukraine von 2022 bis 2026. Drei Karten stellen die von Russland kontrollierten und umkämpften Gebiete im Februar 2022, November 2022 und Februar 2026 dar. Ein Balkendiagramm zeigt, dass die Zahl der russischen Angriffe pro Monat ab 2022 stark ansteigt und bis 2026 auf hohem Niveau bleibt. Eine Übersicht schätzt die militärischen Verluste auf russischer Seite auf 1,2 Millionen, davon 325.000 getötet, und auf ukrainischer Seite auf 500.000 bis 600.000, davon 100.000 bis 140.000 getötet. Zivile Opfer in der Ukraine werden mit 56.000, davon 15.000 getötet, angegeben. Quelle: APA, ISW, ACLED, CSIS/OHCHR.

Besondere Sorge bereitet Gressel die Lage im Osten. Russland versuche, den ukrainischen „Festungsgürtel“ im Donbass unter Druck zu setzen. „Es droht eine operative Einkesselung“, warnt er. Sollten russische Truppen Durchbrüche erzielen, könnte das die Front erheblich destabilisieren.

Putin Selenskyj
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Die russische Armee setze dabei weiterhin auf Abnutzung. Hohe Verluste würden offenbar in Kauf genommen. „Russland kann seine Verluste derzeit noch kompensieren“, sagt Gressel. Das liege an einer Mischung aus Rekrutierung, finanziellen Anreizen und repressiver Innenpolitik.

Keine Anzeichen für ein baldiges Ende

Auf einen politischen Umbruch in Moskau setzt der Experte nicht. „Es gibt keine realistischen Hinweise, dass Russland den Krieg von sich aus beendet“, so seine Einschätzung. Die Hoffnung, wirtschaftlicher Druck oder innenpolitische Spannungen könnten rasch zu einem Kurswechsel führen, hält er für überzogen.

Sein Gesamtfazit ist entsprechend ernüchternd: 2026 werde kein Jahr der Entscheidung, sondern eines der fortgesetzten Zermürbung. „Der Krieg geht weiter – und beide Seiten bereiten sich auf einen langen Konflikt vor.“

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