Hier hat die AfD die Wahl sogar gewonnen

Wahl-Beben

Hier hat die AfD die Wahl sogar gewonnen

Am drohenden politischen Donner gab es vor der Bundestagswahl kaum noch Zweifel. Doch dass er im Osten Deutschlands derart laut ausfallen würde, ist eine Sensation: Gut ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall gerät in den neuen Ländern das politische Gefüge aus der Zeit der Wiedervereinigung ins Wanken.
 
Nicht nur, dass zwischen Ostsee und Erzgebirge laut Hochrechnung von Infratest dimap 21,6 Prozent für die Alternative für Deutschland gestimmt haben und die rechtspopulistische Partei damit zweitstärkste Kraft wurde. Die Linke, die sich lange als Volkspartei des Ostens präsentierte, hat deutlich verloren und ist mit 16,2 Prozent auf Platz drei gerutscht. Noch vor vier Jahren hatte die AfD im Osten 5,9, die Linke lag bei 22,7 Prozent.
 
Drei Wahlkreise hat die AfD sogar gewonnen:
  • Görlitz
  • Bautzen
  • Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
 
 
In Ost-Deutschland wählten sogar 27% der Männer die rechte AfD. Damit liegt die Alternative für Deutschland in diesem Teilbereich sogar vor der CDU (24%).

Hier gehts zu den Ergebnissen im Detail

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Zwar hat sich die CDU mit der aus Mecklenburg-Vorpommern stammenden Kanzlerin Angela Merkel auch im Osten als erste Kraft behaupten können. Doch mit noch 27,1 Prozent ist die Union weit von Ergebnissen früherer Wahlen entfernt. Und auch im Osten bestätigte sich der Abwärtstrend der SPD. Mit dem Europa-Politiker Martin Schulz als Spitzenkandidaten kommen die Sozialdemokraten nicht über 15 Prozent, bei der letzten Bundestagswahl waren es noch 18 Prozent. Die FDP erreicht jetzt knapp 8 Prozent der Stimmen, die Grünen 6,1 Prozent.
 
Noch dramatischer stellt sich die Lage in der MDR-Hochrechnung für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt dar. In den drei Ländern kommt die CDU auf 27,7 Prozent, die SPD auf 12,6 Prozent, die Linke auf knapp 16 und die Grünen auf knapp vier Prozent. Und dann die AfD: Sie liegt in dieser Region mit knapp 25 Prozent rund zehn Prozentpunkte über ihrem bundesweiten Ergebnis.

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Jetzt liegt Schwarz auf Weiß vor, was vor der Wahl immer wieder vermutet wurde: Die AfD ist ein Sammelbecken der Unzufriedenen, die es "denen da oben - also den Politikern in Berlin - einmal zeigen wollen", wie der Leipziger Politikwissenschaftler Hendrik Träger nach der Wahl am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur sagte.
 

"Blaue Karte für Regierende"

Hinter den Stimmen stehe weniger eine ideologische Überzeugung, als der Wunsch, den Regierenden "die blaue Karte" vor die Nase zu setzen, sagte er mit Blick auf die Farbgebung der AfD. Wut, Unmut, Hass - an Unkenrufen zur Stimmungslage im Osten hat es nicht gefehlt. Es habe sich dort etwas zusammengestaut, sagte noch vor wenigen Tagen Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung in einem Interview.
 
Viele Menschen aus der DDR hätten den tiefen Bruch 1989/90 und in den Folgejahren bis heute nicht verkraftet. Und neue Risse seien entstanden, die Erfahrung von Gemeinschaft gehe verloren. Diese Gefühle würde dann auf die Schwächeren abgewälzt, sagte Krüger der "Berliner Zeitung." Zu dem Zeitpunkt hatte Krüger noch gehofft, dass Deutschland doch noch das "blaue Wunder" mit der AfD erspart bleibt.
 
Offenbar fühlten sich die ostdeutschen Männern besonders von der AfD angesprochen. Laut Infratest dimap machten insgesamt 26 Prozent ihr Kreuzchen bei der AfD, bei den Frauen waren es 17 Prozent. Zum Vergleich: Im Westen votierten 13 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen für die AfD.
 

Flüchtlingsdebatte

Für den Politologen Träger hat die Flüchtlingsdebatte der AfD den entscheidenden Auftrieb gegeben. Im Osten herrsche die Wahrnehmung, dass die Flüchtlinge gepäppelt, die Einheimischen aber vernachlässigt würden. "Warum die und nicht wir", fasst Träger ein verbreitetes Empfinden zusammen, dem aber die reale Grundlage fehle. Aber Politik habe eben viel mit der subjektiven Wahrnehmung zu tun.
 
Träger geht allerdings nicht davon aus, dass der AfD-Erfolg eine neue Debatte über den Zustand der Einheit anstoßen wird. Ein Trend habe sich auch am Sonntag bestätigt: "Wahlentscheidungen fallen im Osten extremer aus", sagt Träger. "Die Wähler sind hier eher zum Wechsel bereit, Parteiloyalitäten wie lange im Westen hat es hier nach dem Mauerfall nie gegeben."
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