Macron nennt Bosnien

IS-Rückkehrer

Macron nennt Bosnien "tickende Zeitbombe"

Bosnien-Herzegowina hat einen Tag nachdem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron das Land als "Zeitbombe" bezeichnet hat, den französischen Botschafter vorgeladen. Das französische Außenministerium bestätigte, dass der Botschafter am Freitag ins Staatspräsidium "eingeladen" worden sei, nannte allerdings den Grund dafür nicht.

Das bosnische Regionalfernsehen N1 berichtete, dass Botschafter Guillaume Rousson mit dem Leiter der dreigliedrigen bosnischen Präsidentschaft, Zeljko Komsic, zusammentraf.

In einem Interview mit dem britischen Nachrichtenmagazin "The Economist" hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Bosnien-Herzegowina als "die erste Frage" in der Balkanregion bezeichnet. "Die Zeitbombe, die direkt neben Kroatien tickt und vor dem Problem der Rückkehr von Jihadisten steht, ist Bosnien-Herzegowina", sagte er in dem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch mit Blick auf Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die nach Europa zurückkehren könnten.

50 Prozent der Bevölkerung Bosniens sind bosnische Muslime. Sie leben ihren Glauben zum überwiegenden Teil auf moderate Weise. Nach dem verheerenden Krieg zwischen Muslimen, Serben und Kroaten (1992-1995) verstärkte sich der Einfluss fundamentalistischer Kräfte aus der arabischen Golfregion. Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Mazedonien und Kosovo führten ab 2015 relativ strenge Gesetze gegen Menschen ein, die sich Terrororganisationen wie dem IS angeschlossen haben. Rückkehrer werden seitdem meist zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Macron hatte mit dem Interview für viel Wirbel gesorgt und darin etwa die NATO als "hirntot" bezeichnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte das mit deutlichen Worten zurückgewiesen. "Ein solcher Rundumschlag ist nicht nötig", auch wenn sich die NATO-Partner zusammenraufen müssten, verteidigte Merkel das Bündnis.
 

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