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Polizei bestätigt

Asyl-Drama: 39 Tote in Lkw stammen aus China

31 Männer und acht Frauen sind wohl bei -25 Grad in ihrem Metallsarg erfroren.

London. Bei den 39 am Mittwoch in einem Lkw-Container bei London entdeckten Leichen handelt es sich um acht Frauen und 31 Männer. Das gab die Polizei am Donnerstag bekannt. Offiziell bestätigt wurde von den britischen Behörden und dem chinesischen Außenministerium die Nationalität: Alle Opfer waren chinesische Staatsbürger.

Der festgenommene 25-jährige nordirische Lenker des Lkw bleibt vorerst in U-Haft, teilte die Polizei weiters mit. In Nordirland sind den Angaben zufolge insgesamt drei Immobilien durchsucht worden.
 

Das ist der Fahrer des Todes-Trucks: 

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Asyl-Drama: 39 Tote in Lkw stammen aus China
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Der 25-jährige Nordire Mo R. ist der Lastwagenfahrer, der festgenommen wurde, nachdem 39 Menschen tot im Anhänger eines Lastwagens gefunden wurden, den er fuhr.
 
 
Video zum Thema: Adrowitzer (ORF) zum Fund der 39 Leichen
 

Flüchtlinge sind wohl erfroren 

Unklar ist, ob der unter Mordverdacht festgenommene Lastwagen-Fahrer überhaupt wusste, dass die Menschen in dem Anhänger waren. Britischen Medienberichten zufolge wurden in der Nacht auf Donnerstag zwei Wohnungen in Nordirland durchsucht - dem Herkunftsland des Lastwagenfahrers. Von einem Zusammenhang mit dem Fall sei stark auszugehen, hieß es.
 
 Demnach könnten die Menschen im Laderaum erfroren sein, da es sich bei dem großen Lkw-Sattelauflieger um einen Kühlcontainer handelte. "Die Insassen wären unter schrecklichen Bedingungen erfroren, wenn die Kühlung eingeschaltet war", so Experte Richard Brunett zur "Daily Mail". Er befürchtet, dass die 39 Personen bei -25 Grad im Metallsarg erfroren sind.. Bei den noch nicht identifizierten Toten handelt es sich laut Polizei um 38 Erwachsene und einen Teenager.
 
Nach Polizeiangaben war der Anhänger per Schiff vom belgischen Hafen Zeebrugge ins englische Purfleet transportiert worden und dort am frühen Mittwochmorgen angekommen. Purfleet ist nicht weit entfernt von jenem Ort im Industriegebiet der Stadt Grays, an dem der Container schließlich entdeckt wurde.
 

Video zeigt Todes-Truck

Dieses Video zeigt den Todes-Truck kurz vor dem Fund der Leichen: 

 

 

Das zweite Video zeigt den Lastwagen, kurz bevor er in das Industriegebiet fährt, wo später die Leichen entdeckt wurden:

 

 

 

Lkw seit Samstag in England

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Lastwagen in Bulgarien gestartet ist und am Samstag mit einer Fähre über Holyhead in Großbritannien ankam. In der Hafenstadt im Norden von Wales legen vor allem Fähren aus Irland an. Frachtexperten bezeichneten das als ungewöhnliche Route, falls das Fahrzeug tatsächlich aus Bulgarien stammen sollte. Das bulgarische Außenministerium konnte zunächst nicht bestätigen, dass der Lkw seine Reise tatsächlich dort begonnen habe.

Die Leichen wurden im Industriegebiet Waterglade in der 73.000-Einwohner-Stadt Grays gefunden, das etwa 30 Kilometer vom Zentrum Londons entfernt nahe der Themse liegt. Rettungskräfte hatten die Polizei gegen 2.40 Uhr (MESZ; 1.40 Uhr Ortszeit) informiert. Die Menschen im Container waren da bereits tot.

 

"Es war nur eine Frage der Zeit"

"Ich habe es befürchtet, es war nur eine Frage der Zeit, bis so etwas wieder passiert", reagierte Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität und des Menschenhandels im Bundeskriminalamt (BK), im Gespräch mit der APA auf die Nachricht. Ermittler würden derzeit "relativ viele Behältnisschleppungen" registrieren. "Um 400 bis 1.500 Euro, je nach Route, steigen Flüchtlinge in solche Container ein."
 
© Ben STANSALL / AFP / APA
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Unklar war zunächst, ob der nun aufgeflogene Fall mit aktuellen Ermittlungen zu tun hat, die gemeinsam von österreichischen, britischen und bulgarischen Ermittlern sowie Europol geführt werden. Nach einem Aufgriff von Flüchtlingen, die über die sogenannte Balkanroute gekommen waren und nach Großbritannien wollten, initiierten die britischen Behörden eine Kooperation mit ihren Kollegen in Österreich und Bulgarien. Konkret geht es um eine Schleppergruppe, die über die "Balkanroute" Menschen bis nach Großbritannien schmuggeln soll.
 
© Ben STANSALL / AFP / APA
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Spurensicherer in Schutzanzügen untersuchten am Mittwoch in Grays den großen weißen Auflieger und das rote Fahrerhaus des Lastwagens. "Wir sind dabei, die Opfer zu identifizieren, aber ich gehe davon aus, dass das länger dauern könnte", sagte Andrew Mariner von der Polizei der Grafschaft Essex. Der Chef des britischen Lastwagenfahrer-Verbands Road Haulage Association, Richard Burnett, sagte, der Vorfall zeige die "Gefahr" des Menschenschmuggels in Lastwagen auf.
 
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Boris Johnson zeigt sich entsetzt

Premierminister Boris Johnson zeigte sich auf Twitter entsetzt und berichtet, das Innenministerium arbeite eng mit der Polizei von Essex zusammen. "Meine Gedanken sind bei all denen, die ihr Leben und ihre Lieben verloren haben." Die britische Innenministerin Priti Patel reagierte "schockiert" und "traurig" auf die Nachricht vom Leichenfund. Man müsse der Polizei nun genügend Raum geben, um ihre Ermittlungen durchzuführen, schrieb sie auf Twitter.
 
Video zum Thema: Horror-Fund: 39 Leichen in Container entdeckt
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Die Causa weckt Erinnerungen an den Fall von 71 Flüchtlingen, die im August 2015 an der A4 (Ostautobahn) bei Parndorf im Burgenland erstickt in einem Kühl-Lkw gefunden wurden. Ums Leben gekommen waren die Geschleppten auf ungarischem Staatsgebiet. Beim Prozess gegen insgesamt 14 Angeklagte in der südungarischen Stadt Kecskemet wurden die vier Hauptangeklagten zunächst zu 25 Jahren, im Berufungsverfahren zu lebenslanger Haft verurteilt.
 
Die bisher größte Tragödie mit Immigranten in Großbritannien ereignete sich im Jahr 2000. Damals entdeckten britische Zöllner in der Hafenstadt Dover die Leichen von 58 Chinesen in einem Lastwagen.


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