Silvio Berlusconi

Zeugenstand

Berlusconi in der Lady-Falle

Er muss vor Gericht seinen Mann stehen. Drei Frauen richten über ihn.

Es geht um Machtmissbrauch und Sex. Im Mittelpunkt: Opernball-Luder Ruby. Aber: Zum Prozessstart heute kommen weder sie noch Italiens Premier.

110 angemeldete Journalisten, tonnenschwere Akten, Tausende Telefonprotokolle und insgesamt 214 Zeugen: Der Prozess gegen Italiens Staatschef Silvio Berlusconi wird zum Monsterverfahren.

Schwer wiegen auch die Vorwürfe: 33 Frauen soll Berlusconi für ausschweifende Partys in seiner Luxusresidenz in Arcore bei Mailand zwischen September 2008 und Jänner 2009 bezahlt haben. Manche von ihnen erhielten 1.000 Euro pro Nacht für sexuelle Dienste, manche bekamen nur Geld für Ausgaben.

Über zwei Delikte könnte Berlusconi jetzt stolpern. Beide stehen in Zusammenhang mit dem marokkanischen Callgirl Karima el-Mahroug alias „Ruby“:

Sex mit Minderjähriger
„Don Silvio“ soll die damals Minderjährige – sie war erst 17 – für Sex bezahlt haben. Dafür drohen ihm bis zu drei Jahre Haft. Laut ­Telefonprotokollen wusste Berlusconi über Rubys Alter Bescheid. Insgesamt 13-mal soll er sie für nächtliche Besuche zwischen Februar und Mai 2010 mit Geld und Geschenken um 1,5 Millionen Euro überhäuft haben. Sowohl Berlusconi als auch die inzwischen volljährige Ruby bestreiten, jemals Sex gehabt zu haben: „Ich war nicht Berlusconis Geliebte“, beteuerte Ruby gegenüber ÖSTERREICH.

13 Mädchen, die bei den nächtlichen Partys dabei waren, sollen das Gegenteil aussagen. Darunter TV-Stars, Models und Showgirls.

Amtsmissbrauch
Berlusconi hat Ruby zudem unter Ausnützung seines Amtes im Mai 2010 aus einem Mailänder Polizeigewahrsam geholt (er rief einfach dort an). Das gilt als „er­presserischer Amtsmissbrauch“. Darauf stehen bis zu zwölf Jahre Haft.

Ruby wird zum Prozessbeginn nicht erscheinen. Sie will jetzt als Nebenklägerin gegen Berlusconi auftreten – um so Schadenersatz zu kassieren.

Auch Berlusconi wird heute nicht erscheinen – wegen Regierungsgeschäften verhindert. Dafür werden Stars, wie Schauspieler George Clooney und Fußballer Cristiano Ronaldo, als Zeugen erwartet.



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