Garisenda Bologna

"Hohe Alarmstufe"

Bologna bangt um sein Wahrzeichen

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Wissenschaftlicher Bericht nährt Sorgen um mittelalterlichen Garisenda-Turm

Der berühmte Garisenda-Turm im Zentrum von Bologna ist ein Wahrzeichen der Stadt. Er steht schon seit geraumer Zeit schief, doch nun besteht Gefahr, dass der Straßenverkehr und andere Erschütterungen die bereits vorhandenen Risse im Turm weiter vertiefen. Die Experten, die den Turm und seine Bewegungen beobachten, schreiben jetzt in einem wissenschaftlichen Bericht an den Bürgermeister von "hoher Alarmstufe".

Die Angst vor einem Einsturz des Turms ist zurück. Alle Bürger, die in einem Radius von 100 Metern vom Turm wohnen oder arbeiten, wurden von der lokalen Polizei registriert. Sie sollen im Fall von Schwankungen benachrichtigt und evakuiert werden, berichtete der Bürgermeister von Bologna, Matteo Lepore. Er hatte Ende Oktober beschlossen, die Straßen rund um die "Torre della Garisenda" und dem Zwillingsturm Asinelli zu sperren. Für Bewohner und Touristen ist es ein harter Schlag, denn zwei der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Bolognas bleiben vorerst geschlossen.

Türme im Herzen der Stadt

Die zwei Türme erheben sich im Herzen der Stadt am Ausgangspunkt der alten Via Emilia. Sie wurden im Mittelalter mit einer überwiegend militärischen Funktion errichtet. Der kleinere Turm Garisenda ist auffällig schief. Er hat heute eine Höhe von 48 Metern und eine Neigung von 3,20 Meter. Nach dem Bauende war er ungefähr 60 Meter hoch. Der höhere, ebenfalls geneigte Asinelli-Turm misst 97 Meter.

Die Gemeinde will prüfen, wie man Erschütterungen rund um die beiden mittelalterlichen Türme minimieren kann. Bis dahin bleiben sie für Besucher gesperrt. Eine Eisenstruktur wurde um den Garisenda-Turm aufgestellt. Einen Einsturz befürchten die Experten zwar nicht, jedoch könnten sich Ziegel lösen und herabfallen. Vermutet wird, dass das Gelände rund um die Türme längere Zeit für den Verkehr gesperrt bleibt.

Die Shoppbesitzer im Areal rund um die Türme befürchten Verluste. Denn um sie ist es ungewöhnlich still geworden. Kein Hupen, kein Bremsen, kein Autostau vor den Ampeln: Lediglich einige Touristen schlängeln sich durch die via San Vitale und schauen zum Garisenda-Turm empor. "Für uns ist die Sperre für den Verkehrs ein Problem, die Leute sind verschwunden. Wenn die Gemeinde nicht eingreift, bleiben die Straßen rund um die Türme leer und die Gegend stirbt aus", klagte die Inhaberin eines Lokals unweit des Asinelli-Turms. Ihre Hoffnung ist, dass zu Weihnachten mit Lichtern und Weihnachtsständen wieder mehr Leben in die Gegend kommt. "Wir machen uns zwar über die Stabilität des Turmes Sorgen, aber auch wegen unserer Zukunft, denn die Zahl der Gäste ist gesunken", stellte sie fest.

Wegen einer Bodensenkung, die ihn gefährlich schräg machte, wurde der Garisenda-Turm im 14. Jahrhundert zurückgebaut. Im 15. Jahrhundert erwarb die Weberzunft den Turm und behielt ihn bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Dann ging er in Gemeindebesitz über. Der Garisenda-Turm wurde schon vom italienischen Nationaldichter Dante Alighieri im 13. Jahrhundert in der Göttlichen Komödie erwähnt.

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