Kein Strom, keine Heizung, kein Internet, kein Mobilfunk - und dann zu allem Übel auch nichts zu essen zu Hause.
Eine Passantin steht am Samstag ratlos vor einem geschlossenen Supermarkt in Berlin-Lichterfelde. Seit der Früh ist für gut 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe im Südwesten der Hauptstadt wegen des Brands an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal der Strom ausgefallen. Die Polizei ermittelt wegen Verdachts der Brandstiftung.
- So reagiert die Welt auf den Angriff auf Venezuela
- Wiener Kult-Lokal beschließt nach Feuer-Drama von Crans Montana Änderung
- Nach 30-Millionen-Coup: Polizei fahndet mit Handschuh-Fotos nach Tätern
Und wieder zeigt sich: Ohne Elektrizität läuft im Alltag wenig. Die Ampeln sind ausgefallen, die Supermärkte geschlossen. Die Polizei ist mit Lautsprecherwagen unterwegs und informiert die Anrainer mit Ansagen. Ausgerechnet an diesem Morgen fällt Schnee in Berlin.
"Aufgrund der entstandenen erheblichen Schäden wird die Reparatur der Kabel sehr lange dauern", teilte Stromnetz Berlin mit. "Wir rechnen mit einer vollständigen Wiederversorgung aller Kundinnen und Kunden bis kommenden Donnerstagnachmittag (8.1.2026)." Nötig sei umfangreicher Tiefbau und Kabelzug. Dies werde durch das Winterwetter erschwert. Außerdem laufe noch die Spurensicherung am Brandort.
Auch Heizungen funktionieren nicht
Wegen des Stromausfalls funktionieren viele Heizungen nicht. Auch der Mobilfunk ist gestört. Im betroffenen Gebiet haben Geschäfte geschlossen, Ampeln sind ausgefallen. Wenn die Lage über Tage andauert, müssen viele Menschen überlegen, ob sie woanders Unterschlupf finden. Feuerwehrsprecher Adrian Wentzel sagte: "Es ist ein deutlicher Unterschied zum Sommer: Es wird um 16.00 Uhr dunkel, es wird kalt." Die Feuerwehr richte sich auf einen mehrstündigen Einsatz ein.
Von der Dimension ist der Stromausfall nach Angaben von Stromnetz Berlin vergleichbar mit einem ähnlichen Fall im September im Südosten Berlins, als anfangs 50.000 Kunden betroffen waren. Auch damals zog sich der Stromausfall über Tage hin. Ursache damals war ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten. Die Frage, ob auch diesmal eine politisch motivierte Brandstiftung dahinter stecken könnte, blieb zunächst offen. Die Polizei verwies auf laufende Ermittlungen.
Bewohner von Pflegeheimen ziehen um
Feuerwehrsprecher Vinzenz Kasch sagte, die Lage sei auch deswegen herausfordernd, weil mehrere Pflegeheime und Krankenhäuser in dem Gebiet mit dem Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf lägen. Die Feuerwehr habe bereits Bewohner und Patienten von zwei Heimen in andere Heime verlegt.
Die Feuerwehr warnte davor, gasbetriebene Heizgeräte in Innenräumen zu benutzen. Sollte das Telefonnetz gestört sein, könne man sich in einem Notfall um Hilfe an die nächste Feuerwache oder Polizeiwache wenden. Auch bei Busfahrern könne ein Notruf abgesetzt werden. Berliner in anderen Stadtteilen sollten überlegen, ob Verwandte in den betroffenen Gegenden leben und möglicherweise Hilfe bräuchten.
Wann genau der Strom in den betroffenen Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde wieder fließt, konnte auch der Betreiber Stromnetz Berlin zunächst nicht sagen. Teams seien dabei, die Versorgung so schnell wie möglich schrittweise herzustellen, sagte Sprecher Henrik Beuster. Was den Schaden angerichtet hat, war schnell klar: der Brand der Kabelbrücke über den Kanal hin zum Kraftwerk Lichterfelde am Stadtrand. Nach Angaben der Feuerwehr brannte zunächst ein Baucontainer unter der Kabeltrasse, die über den Teltowkanal zum Kraftwerk Lichterfelde führt.