International

So reagiert die Welt auf den Angriff auf Venezuela

Überwiegend Kritik an den USA - EU wartet ab

Die USA haben Venezuela angegriffen und nach eigenen Angaben Präsident Nicolas Maduro gefangen genommen und außer Landes gebracht. Nachfolgend erste internationale ⁠Reaktionen:

Russland: Angriff zutiefst besorgniserregend und verurteilenswert

"Heute früh haben die Vereinigten Staaten einen bewaffneten Angriff auf Venezuela verübt. Dies ist zutiefst besorgniserregend und verurteilenswert." "Die Vorwände, mit denen solche Handlungen gerechtfertigt werden, sind unbegründet. Ideologische Feindseligkeit hat sich gegenüber wirtschaftlichem Pragmatismus und der Bereitschaft, Beziehungen aufzubauen, die auf Vertrauen und Vorhersehbarkeit beruhen, durchgesetzt."

"In der gegenwärtigen Situation ist es vor allem wichtig, eine weitere Eskalation zu verhindern und sich darauf zu konzentrieren, durch Dialog einen Ausweg aus der Situation zu finden."

Trumps Angriff auf Venezuela

"Lateinamerika muss eine Zone des Friedens bleiben, wie es 2014 selbst erklärt hat. Und Venezuela muss das Recht garantiert werden, über sein eigenes Schicksal zu bestimmen, ohne destruktive, geschweige denn militärische Einmischung von außen."

"Wir unterstützen die Erklärung der venezolanischen Behörden und der Staats- und Regierungschefs der lateinamerikanischen Länder, die eine sofortige Sitzung des UN-Sicherheitsrates fordern."

Iran: "Dem Feind nicht nachgeben"

"Wenn man erkennt, dass der Feind arrogant versucht, dem Land, den Beamten, der Regierung und der Nation etwas aufzuzwingen, muss man dem Feind entschlossen entgegenstehen und sich ihm mit aller Kraft widersetzen. Wir werden dem Feind nicht nachgeben."

"Im Vertrauen auf den allmächtigen Gott, im Vertrauen auf Gott und mit Zuversicht in die Unterstützung des Volkes werden wir, so Gott will und durch göttliche Gnade, den Feind in die Knie zwingen."

EU beobachtet die Lage aufmerksam

"Ich habe mit Außenminister ⁠Marco Rubio und unserem Botschafter in Caracas gesprochen. Die EU beobachtet die Lage in Venezuela aufmerksam. Die EU hat wiederholt erklärt, dass Herrn Maduro die Legitimität fehlt, und sich für einen friedlichen Übergang ausgesprochen. Unter allen Umständen müssen die Grundsätze des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen eingehalten werden. Wir rufen zur Zurückhaltung auf. Die Sicherheit der EU-Bürger in diesem Land hat für uns oberste Priorität."

Spanien ruft zu Deeskalation auf

"Spanien ruft zur Deeskalation und Mäßigung auf und fordert, dass alle Maßnahmen stets im Einklang mit dem Völkerrecht und den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen getroffen werden."

"In diesem Zusammenhang ist Spanien bereit, seine guten Dienste anzubieten, um eine friedliche und verhandelte Lösung für die aktuelle Krise zu erreichen."

Slowakischer Premier Fico verurteilt US-Angriff 

Der als Sympathisant von US-Präsident Donald Trump geltende slowakische Premier Robert Fico hat den US-Angriff auf Venezuela entschieden verurteilt. Die US-Militäraktion zeige, dass "das Völkerrecht nicht gilt, militärische Gewalt ohne UN-Mandat angewendet wird und jeder, der groß und stark ist, macht, was er will", schrieb der Linksnationalist auf Facebook.

Als Regierungschef eines kleinen Landes müsse er "so ein Untergraben des Völkerrechts resolut ablehnen", wie er auch den Irak-Krieg und die russische Invasion in der Ukraine abgelehnt habe. Auch die Europäische Union rief Fico zu einer ebenso "konsequenten" Verurteilung auf, wie beim Angriff auf die Ukraine. Ansonsten wäre die EU "pharisäerhaft", schrieb der Linksnationalist.

Fico wird von Gegnern oft als "prorussisch" kritisiert, weil er solche EU-Sanktionen gegen Russland ablehnt, die der Slowakei mehr als Russland schaden würden, wie er behauptet. 

Trinidad und Tobago beteiligt sich nicht

"Am frühen Morgen des heutigen Samstags, dem 3. Jänner 2026, haben die Vereinigten Staaten militärische Operationen auf dem Territorium Venezuelas begonnen.

Trinidad und Tobago beteiligt sich NICHT an diesen laufenden militärischen Operationen. ⁠Trinidad und Tobago unterhält weiterhin friedliche Beziehungen zum venezolanischen Volk."

Indonesien: Schutz der Zivilbevölkerung

"Indonesien beobachtet die Entwicklungen in Venezuela, um die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten."

"Indonesien fordert außerdem alle beteiligten Parteien auf, einer friedlichen Lösung durch Deeskalation und Dialog Vorrang einzuräumen und dabei den Schutz der Zivilbevölkerung in den Vordergrund zu stellen."

"Indonesien betont, wie ⁠wichtig es ist, das Völkerrecht und die Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen zu achten."

Kolumbien: Militärische Mobilisierung und Sorge um regionale Stabilität

Als direktes Nachbarland reagierte Kolumbien unter Präsident Gustavo Petro als erstes Land in der Region mit äußerster Besorgnis. Petro verurteilte die Aktion Washingtons als "Aggression gegen die Souveränität" Lateinamerikas und warnte vor einer drohenden humanitären Krise. Noch in der Nacht äußerte er sich auf der Plattform X:

"Das Land nimmt eine Position ein, die auf die Wahrung des regionalen Friedens ausgerichtet ist, und macht einen dringenden Aufruf zur Deeskalation, indem es alle beteiligten Parteien auffordert, Handlungen zu unterlassen, die die Konfrontation vertiefen, und den Dialog sowie diplomatische Kanäle zu bevorzugen."

Präventiv ordnete Petro die Verlegung von Militäreinheiten an die 2.219 Kilometer lange Grenze an, um die Stabilität zu wahren und auf mögliche Migrationsbewegungen zu reagieren. Die Lage gilt als hochgradig volatil, da in der Grenzregion die binationale Guerillagruppe ELN operiert, die eng mit dem Drogenhandel verflochten ist. Petro kommunizierte diese Maßnahme wie folgt: "Als vorbeugende Maßnahme hat die nationale Regierung in Abstimmung mit den lokalen Behörden und den zuständigen Stellen Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung, zur Wahrung der Stabilität an der kolumbianisch-venezolanischen Grenze und zur rechtzeitigen Deckung etwaiger humanitärer oder migrationspolitischer Bedürfnisse ergriffen."

Für Petro steht im Wahljahr 2026 politisch viel auf dem Spiel, da er bereits mehrere diplomatische Krisen mit Donald Trump hinter sich hat und nun die Sicherheit Kolumbiens durch das Machtvakuum im Nachbarland gefährdet sieht.

Argentinien: "Viva la libertad carajo"

Im scharfen Kontrast zur kolumbianischen Zurückhaltung feierte der argentinische Präsident Javier Milei die Nachricht über die Festnahme Maduros. Milei, der Maduro wiederholt als "narkoterroristischen Diktator" bezeichnet hatte, setzte auf X ein deutliches Zeichen der Unterstützung für den US-Kurs: "LA LIBERTAD AVANZA. VIVA LA LIBERTAD CARAJO." Auf Deutsch heißt das so viel wie: "Die Freiheit schreitet voran, lang lebe die Freiheit, verdammt."

Damit unterstreicht Argentinien seine Rolle als engster Verbündeter der neuen US-Administration in der Region und bricht offen mit dem Konsens der territorialen Integrität, den andere lateinamerikanische Staaten betonen.

Ecuadors Präsident unterstützt US-Schlag

Ecuadors rechtsliberaler Präsident Daniel Neboa drückte ebenfalls Unterstützung für den US-Schlag aus. "Für alle kriminellen Chavisten, die mit Drogen handeln, wird die Stunde der Wahrheit kommen. Ihre Struktur wird auf dem gesamten Kontinent endgültig zusammenbrechen", ließ er wissen. An die Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin 2025, Maria Macado, und ihren Kollegen Edmundo Gónzalez schickt er folgende Info via X: "An das venezolanische Volk: Es ist an der Zeit, Ihr Land zurückzugewinnen. Sie haben einen Verbündeten in Ecuador."

Venezuela: Caracas ruft zum "Widerstand" auf

In Venezuela selbst herrscht nach den Bombardements auf strategische Ziele wie die Militärbasis Fuerte Tiuna und dem vermeintlichen Ausflug des Präsidenten Maduros der Ausnahmezustand. Verteidigungsminister Vladimir Padrino López wandte sich in einer offiziellen Ansprache an das Volk und die Streitkräfte (FANB), um auf den "Ruf der Ehre, der Pflicht und der Geschichte" zu antworten.

López bezeichnete die Invasion als "weit entfernt von einem Kampf gegen den Narcoterrorismus" und sprach von der rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, den US-Angriff als völkerrechtswidrig zu verurteilen. Die venezolanische Regierung erklärte, sie werde sich "nicht vor dem imperialistischen Druck beugen". Vor der internationalen Gemeinschaft betonte Vladimir Padrino Lopez die Entschlossenheit der Nationalen Streitkräfte, ihre gesamten Kapazitäten im gesamten Staatsgebiet einzusetzen.

Parallel dazu verurteilte die in Caracas ansässige Behörde SUMAR (Superintendencia Municipal de Administración y Recaudación) die Angriffe als "Akt imperialistischer Piraterie". In einem Statement hieß es: "Die Angriffe stellen eine schwerwiegende Verletzung der Charta der Vereinten Nationen dar, eine ungerechtfertigte einseitige Aggression gegen einen Mitgliedstaat der Vereinten Nationen."

Noch keine aktuelle Reaktion aus Brasilien

Auch der zweite große Nachbarstaat, Brasilien, blickt mit extremer Skepsis auf das Vorgehen der USA. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verurteilte den US-Angriff scharf. Die Handlungen seien ⁠ein schwerwiegender Affront gegen die Souveränität Venezuelas und ein extrem gefährlicher Präzedenzfall für die internationale Gemeinschaft, schrieb Lula auf X.

Lula hatte bereits am 20. Dezember in einer vorausschauenden Warnung betont, dass eine Militärintervention eine "humanitäre Katastrophe" wäre. Er zog dabei einen historischen Vergleich: "Vier Jahrzehnte nach dem Falklandkrieg wird der Kontinent erneut durch die militärische Präsenz einer Macht bedroht", erklärte der brasilianische Staatschef mit Blick auf die US-Flottenpräsenz in der Karibik. Lula, der sich zuvor als Vermittler zwischen Trump und Maduro angeboten hatte, sieht in dem Angriff einen gefährlichen Präzedenzfall für ganz Südamerika.

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