Frankreich-Wahl

Duell um Europa

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ÖSTERREICH-Reporterin Isabelle Daniel berichtet direkt aus Paris über die Wahl.

"Schnell, schnell, Sie müssen hier weg“, rufen Polizisten den Passanten auf den Champs-Élysées zu. Genau auf der Höhe, wo vor zwei Wochen ein Terrorattentat stattgefunden hatte, wurde am Freitag„ein verdächtiges Auto“ durchsucht. „Nicht schon wieder. Das kann doch nicht sein, dass wir in unserem Frankreich Angst haben müssen, wählen zu gehen“, sagt ein Mann zu ÖSTERREICH. Kurz darauf die Entwarnung. Aber die Anspannung so kurz vor dieser schicksalhaften Präsidentenwahl in Frankreich bleibt omnipräsent.

„Liberté, égalité, fraternité“ – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – prangt auf dem Transparent, das Greenpeace gestern auf dem Eiffelturm montiert hat. Die Menschen in Paris wollen in überwiegender Mehrheit, dass der sozialliberale Kandidat Emmanuel Macron gegen die Frontfrau des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, klar siegt. Es scheint auch eine Frage der Ehre für viele Franzosen zu sein, Marine Le Pen – die Tochter des rechtsextremen Jean-Marie Le Pen – klar unterliegen zu sehen.

Der Widerstand gegen die rechte Kandidatin steigt

Die letzten Umfragen in diesem außerordentlich spaltenden Duell der Antipoden lassen zumindest die französische Hauptstadt aufatmen: Der TV-Sender BFMTV und das Magazin Express haben gestern eine Umfrage veröffentlicht, wonach Macron auf 62 Prozent gegen Le Pen (38 Prozent) käme.

Das TV-Duell, das sie als „klare Verliererin“ verlassen habe – so die bürgerliche Zeitung Le Figaro – dürfte der 48-Jährigen im Finish schwer geschadet haben.

Und seither steigt auch der Widerstand gegen die Tochter von Jean-Marie Le Pen an. In der Bretagne wurde sie am Donnerstag mit Eiern beworfen. Am Freitag, bei einem Besuch in einer Front-National-Hochburg in Reims, begrüßten sie junge Linke mit „Macron Präsident“-Rufen.

Der klare Favorit, Macron, zeigte sich gestern in Paris hingegen betont präsiden­tiell: Er wolle das starke Frankreich wieder nach vorne bringen. Keine „Spaltung“, sondern „Hoffnung für alle“.

»Ich will nie wieder 
Nazis in Paris sehen«

Am Donnerstagabend fand auf der Place de la République in Paris ein großes Konzert für ihn und gegen Marine Le Pen statt. Die 93-jährige Madeleine ist auch dabei, weil „ich diesen schrecklichen Krieg erlebt habe, weil ich nie wieder Nazis in Paris sehen will und das den Jungen mitgeben will“, sagt die ehemalige Lehrerin. Der 24-jährige Luc umarmt sie: „Keine ­Sorge wir passen auf unser Frankreich auf.“

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