Schattenflotte

Franzosen fangen Russen-Tanker im Mittelmeer ab

Justiz leitete Untersuchungen zu den "Aktivitäten der Schattenflotte" ein.

Paris. Die französische Marine hat einen aus Russland kommenden Öltanker angehalten und überprüft. Das Schiff werde verdächtigt, unter falscher Flagge zu fahren, und sei mit internationalen Sanktionen belegt, teilte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf X mit. Die Justiz habe Untersuchungen eingeleitet. Der Tanker sei umgeleitet worden. Der Einsatz erfolgte Macron zufolge im Mittelmeer und in Absprache mit mehreren Verbündeten.  

"Die Aktivitäten der Schattenflotte tragen zur Finanzierung des Angriffskriegs gegen die Ukraine bei." Bereits im Oktober hatte Frankreich ein Schiff aufgebracht, das verdächtigt wurde, zur russischen Schattenflotte zu gehören. 

Einsatz zwischen Spanien und Marokko

Der Einsatz gegen die "GRINCH" fand zwischen der Südküste Spaniens und der Nordküste Marokkos statt, wie die Behörden mitteilten. Der Tanker steht unter dem Verdacht, Teil der sogenannten Schattenflotte zu sein, mit der Russland trotz internationaler Sanktionen Öl exportiert. Laut Präsident Emmanuel Macron wurde die Marine von mehreren Verbündeten unterstützt, darunter Großbritannien.

Die Schattenflotte besteht aus oft älteren Schiffen, die außerhalb der üblichen westlichen Versicherungs- und Registrierungssysteme eingesetzt werden. Damit umgeht Russland die Sanktionen, die die EU wegen seines Angriffskrieges gegen die Ukraine verhängt hat. Die Erlöse aus dem oft zu reduzierten Preisen an Länder wie Indien und China verkauften Erdöl fließen in die russische Kriegskasse. Macron zufolge steht der Tanker unter internationalen Sanktionen und fuhr mutmaßlich unter falscher Flagge. Ein Staatsanwalt in Marseille ordnete an, das Schiff für weitere Untersuchungen umzuleiten.

Selenskyj dankte Macron

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankte seinem französischen Kollegen. "Genau diese Entschlossenheit ist erforderlich, um sicherzustellen, dass russisches Öl nicht länger Russlands Krieg finanziert", schrieb er auf X. Er forderte einen Stopp russischer Tanker nahe der europäischen Küsten und Sanktionen gegen die "Schattenflotte". Die Schiffe müssten aufgebracht und das Öl verkauft werden. Kurz zuvor hatte er diese Thesen auch bei einer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos (Schweiz) vorgetragen. Europa müsse sich das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump bei venezolanischem Öl als Vorbild nehmen.

Die Führung in Moskau erklärte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS zufolge, die Botschaft in Paris sei von den französischen Behörden nicht über den Vorfall informiert worden. Man versuche nun herauszufinden, ob russische Staatsbürger zur Besatzung gehören, um ihnen Hilfe leisten zu können. Im Oktober hatte Frankreich bereits einen anderen sanktionierten Tanker vor seiner Westküste festgesetzt, diesen jedoch nach wenigen Tagen wieder freigegeben.

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