Geheime Briefe von Prinz Charles veröffentlicht

Aufregung in London

Geheime Briefe von Prinz Charles veröffentlicht

Brisanter Schriftverkehr mit Tony Blair kommt nach 10 Jahren ans Licht.

Ausrüstung der Armee, Jagd auf Dachse oder Schutz von Albatrossen: Briefe von Prinz Charles (66) an die britische Regierung zeigen, dass der Thronfolger sich in politische Fragen einmischt. Seine Mitteilungen an Minister und den früheren Premierminister Tony Blair wurden am Mittwoch nach zehn Jahre langem Rechtsstreit veröffentlicht.

"Es tut mir leid, dass ich so ausführlich schreibe", heißt es da am 8. September 2004, nachdem der heute 66-Jährige sich drei Seiten lang über die Sorgen von Schafzüchtern, die Förderung lokaler Produkte und die Ausrüstung der britischen Luftwaffe ausgelassen hat. Ist das private Korrespondenz, die keinen etwas angeht? Oder soll ein Thronfolger und künftiger König zu solchen Themen schweigen?

"Wenn diese Briefe in Ordnung sind, warum hat die Regierung dann Hunderttausende Pfund über zehn Jahre ausgegeben, um sie geheim zu halten?", fragt dagegen Monarchiegegner Graham Smith von der Organisation "Republic".



Soll Charles neutral sein?
Charles' Kritiker bemängeln, dass er damit seine Position als künftiger König ausnutze und das Neutralitätsgebot eines künftigen Monarchen verletze. Ein Statement seines Büros widersprach dieser Darstellung: Der Prinz spreche stets Themen von öffentlichem Interesse an. Er versuche lediglich, Dinge, die an ihn herangetragen wurden, weiterzuleiten. Für die Herausgabe der Briefe hatte der "Guardian" gegen den erbitterten Widerstand vor allem der Regierung gekämpft.

Forderung nach Kampfhubschraubern

In einem Brief an Blair fasste Charles ein zuvor geführtes mündliches Gespräch mit dem Regierungschef zusammen. In dem Schreiben forderte er die Regierung auf, die Streitkräfte mit funktionierenden Kampfhubschraubern auszurüsten. "Ich fürchte, dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass unsere Soldaten um einen extrem herausfordernden Job gebeten werden, ohne die nötige Ausrüstung dafür zu haben", heißt es in dem Brief, der 2004 verfasst wurde. Blair hatte zuvor britische Soldaten in den Irak geschickt.

In anderen Passagen macht sich Charles, der selbst eine große Biofarm betreibt, Gedanken über die Zukunft der Landwirtschaft. Bergbauern müssten subventioniert werden, fordert er etwa. Rinderzüchter müssten Zugang zu den entsprechenden Rassen bekommen. Außerdem müssten Bauern im Marketing ausgebildet werden, wenn sie überleben wollten.

Insgesamt wurden zehn Briefe veröffentlicht, die Charles an Mitglieder der Regierung geschrieben hatte. 14 weitere sind Antworten der Regierung. Bei Dreien handelt es sich um Briefwechsel zwischen Privatsekretären.

Sie waren aber nicht - wie zuvor häufig berichtet - handschriftlich verfasst worden. Lediglich Anrede und Unterschrift sind mit schwarzer Tinte und in der für Charles typischen Handschrift verfasst, der seine Briefe den Beinamen "Black Spider Memos" zu verdanken haben. Die Briefe wurden vor der Veröffentlichung zum Teil redigiert.
 



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