Nazi-Raubkunst

Geldmangel erschwert Herkunftsforschung

Schnelle Aufarbeitung und Erforschung verdächtiger Stücke scheitert an zu wenig Personal für Provenienzforschung - In München lagern Görings Juwelen und Hitlers silbernes Essbesteck.

Die Pinakothek der Moderne in München verwahrt zahlreiche wertvolle Nazi-Erbstücke. Im Depot des berühmten Museums findet sich eine Brillantuhr, die Adolf Hitler seiner Geliebten Eva Braun 1939 zum 27. Geburtstag schenkte - versehen mit einer persönlichen Widmung. Außerdem gibt es dort Krawattenringe aus Platin, Manschettenknöpfe aus Gold, einen Ring mit Brillanten sowie einen goldenen Champagnerbecher von Hermann Göring. Bundesweit müssten derartige Stücke auf ihre Herkunft hin untersucht werden - doch das scheitere an Geld- und Personalmangel, wie der "Spiegel" berichtet. Das Nachrichtenmagazin hat einige wertvolle Erbstücke nun nach umfangreicher Recherche aufgelistet.

Bei den Nachforschungen stieß der "Spiegel" auch auf eine goldene, brillantverzierte Zigarettendose von 1940 mit der Widmung: "Voller Glück und Stolz gratulieren zum "Reichsmarschall" in inniger Liebe Emmy und Edda" - Görings Ehefrau und seine Tochter. In München soll auch ein silbernes Essbesteck Adolf Hitlers liegen. "Wir lagern diese Stücke schon seit geraumer Zeit", sagte Museumssprecherin Tine Nehler am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.

Allein in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen müssen nach Museumsangaben 4400 Gemälde und 770 Skulpturen, die nach dem Machtantritt der Nazis 1933 in die Bestände aufgenommen wurden, auf ihre Herkunft untersucht werden. Eine Provenienzforscherin soll klären, bei welchen Werken es sich möglicherweise um Nazi-Raubkunst handelt.

"Es ist natürlich so, dass es von einer Person allein nicht aufgearbeitet werden kann", sagte Nehler. Die Kunsthistorikerin Andrea Bambi ist seit 2008 Oberkonservatorin und im seither eingerichteten Referat der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen für Provenienzforschung zuständig. Zeitweise und für bestimmte Projekte bekommt sie freie Mitarbeiter zur Seite gestellt. "Aber wir können uns glücklich schätzen, dass wir überhaupt eine fest angestellte Mitarbeiterin haben", betonte Nehler. "Die meisten Museen haben das nicht."

Nach "Spiegel"-Angaben lagern in deutschen Museen noch immer tausende Kunstwerke, die einst von den Nationalsozialisten aus ganz Europa nach Deutschland gebracht wurden und deren Herkunft nicht geklärt ist. Der Bund habe bislang 84 Projekte zur Provenienzforschung angeschoben - bei insgesamt 6300 Museen in Deutschland.

Der Personalmangel sei dramatisch, schreibt der "Spiegel" und zitiert den ehemaligen Kulturstaatsminister Michael Naumann, der die Bundesregierung auffordert, die Rückgabe der von den Nazis geraubten Kunstgüter zu forcieren. "Der Gesetzgeber muss die Rückgabeansprüche konkretisieren", sagte Naumann und forderte mehr Geld für die Provenienzforschung. Seiner Ansicht nach könnten zehn Millionen Euro aus dem Etat für das geplante Sudetendeutsche Museum für diesen Zweck verwendet werden.

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