US-Präsident Donald Trump und NATO-Generalsekretär Mark Rutte haben sich offenbar auf eine Neuverhandlung des Grönland-Vertrags von 1951 verständigt.
Das 75 Jahre alte Abkommen über die US-Militärpräsenz auf der zu Dänemark gehörenden Insel solle neu ausgehandelt werden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus mit den Vorgängen vertrauten Kreisen. Europäische Staaten sollen demnach eine größere sicherheitspolitische Rolle in der Arktis einnehmen.
Trump hatte nach einem Gespräch mit Rutte am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum in der Schweiz eine Kehrtwende im Grönland-Streit vollzogen. Der US-Präsident erklärte, er werde auf die für den 1. Februar angekündigten Strafzölle verzichten und Grönland nicht mit Gewalt einnehmen. Rutte und er hätten Wege besprochen, wie die NATO die gesamte Arktis absichern könne und dafür einen "Rahmen für ein zukünftiges Abkommen" vereinbart.
Rutte: Gespräche sollen "Zugriff" Russlands und China auf Grönland verhindern
Der NATO-Generalsekretär sagte beim Weltwirtschaftsforum, geplante Gespräche zwischen der NATO und den USA über Grönland zielten darauf ab, einen wirtschaftlichen und militärischen "Zugriff" Russlands und Chinas auf die Arktis-Insel zu verhindern. Es werde auch darum gehen, "gemeinsam" die Sicherheit der Anrainerstaaten der Arktis zu schützen, fügte Rutte hinzu. Konkret nannte er die USA, Kanada, Dänemark, Island, Schweden, Finnland und Norwegen.
Die Frage der Souveränität Grönlands kam Rutte zufolge "nicht mehr auf". Stattdessen könnte sich Trump nun mit einer Neuverhandlung des Vertrags von 1951 zufrieden geben. Weitere Einzelheiten der Vereinbarung vom Mittwoch blieben zunächst unklar.
Das Abkommen von 1951 gibt den USA bereits weitgehende Möglichkeiten, ihre Militärpräsenz auf der Arktis-Insel auszubauen - im Rahmen der NATO und in Absprache mit Grönland und Dänemark. Die USA unterhalten den Militärstützpunkt Pituffik im Nordwesten der Insel mit derzeit rund 200 Soldatinnen und Soldaten. Dieser ist wichtig für die US-Raketenabwehr, er liegt auf der kürzesten Flugbahn nach Russland.