Internationaler Fahndungserfolg: Ermittler haben ein riesiges Darknet-Netzwerk aufgedeckt, das mit Kindesmissbrauchsdarstellungen Geld machte – hunderte Verdächtige wurden identifiziert.
Ein internationales Betrugsnetzwerk im Darknet ist aufgeflogen. Die Betreiber sollen "in betrügerischer Absicht" Darstellungen von Kindesmissbrauch gegen Bezahlung mit Bitcoins angeboten haben.
Mehr als 373.000 Seiten wurden abgeschaltet, 440 von rund 600 Tatverdächtigen identifiziert. Das teilten das bayerische Landeskriminalamt, die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und das Justizministerium mit.
Auch Österreich im Visier
In Österreich wurden vier Verdächtige ausgeforscht, die solches Material beziehen wollten.
"Insgesamt konnten vier männliche Tatverdächtige im Alter zwischen 21 und 38 Jahren identifiziert werden", hieß es am Freitag auf APA-Anfrage. Es handle sich um zwei österreichische, einen bosnischen sowie einen ungarischen Staatsbürger in Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol und der Steiermark. Der Ungar sei saisonal in einem Tiroler Hotel beschäftigt gewesen. In Zusammenarbeit mit den ungarischen Behörden fanden Hausdurchsuchungen sowohl in Österreich als auch in Ungarn statt.
Mehrere sichergestellte Datenträger werden nun ausgewertet. "Das Bundeskriminalamt geht mit voller Härte gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern vor. Durch die enge internationale Zusammenarbeit ist es jetzt gelungen, kriminelle Netzwerke zu zerschlagen, die im vermeintlichen Schutz der Anonymität agiert haben", sagte BK-Direktor Andreas Holzer.
Drahtzieher weiter auf der Flucht
Nach dem mutmaßlichen Kopf der Plattform wird international gefahndet. Es handelt sich um einen 35-jährigen Chinesen mit Wohnsitz in der Volksrepublik.
Die Plattform stand bereits seit fast fünf Jahren im Fokus der Ermittler. Dort wurden gezielt Bilder schwerer sexualisierter Gewalt gegen Kinder eingesetzt, um Nutzer zum Kauf weiterer Inhalte zu bewegen. Auch wenn diese Inhalte oft gar nicht geliefert wurden, war die Masche perfide: Die Täter nutzten reale Missbrauchsdarstellungen als Lockmittel.
Nachfrage "erschreckend groß"
Die Fake-Shops hatten mit echten Missbrauchsdarstellungen geworben, betonte Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU). "Man darf nicht vergessen: Hinter jedem Bild, hinter jedem Video steht das unfassbare Leid eines Kindes." Das Verfahren zeige auch, wie erschreckend groß die Nachfrage sei.
Ermittlungen weltweit
Im Zuge der sogenannten "Operation Alice" wird derzeit weltweit gegen rund 600 Nutzer ermittelt, die zwischen Februar 2020 und Juli 2025 Zahlungen geleistet haben. Insgesamt waren 23 Staaten beteiligt, koordiniert von Europol.
Auch in Deutschland kam es zu Durchsuchungen bei 14 Verdächtigen in neun Bundesländern. Insgesamt wurden Verfahren gegen 89 Beschuldigte geführt. Die Ermittlungen laufen weiter – und zeigen, wie groß das Ausmaß solcher kriminellen Netzwerke im Darknet ist.