Geheimdienstminister Esmail Chatib wurde getötet
Der iranische Geheimdienstminister ist nach israelischen Angaben bei einem Luftangriff getötet worden. Ismail Khatib sei in der Nacht bei einem gezielten Angriff ums Leben gekommen, teilte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz am Mittwoch mit. Aus dem Iran gab es dazu zunächst keine Bestätigung. Katz sagte nach Angaben seines Büros, Khatib sei für Unterdrückung im eigenen Land sowie "Bedrohungen nach außen" verantwortlich gewesen.
Israel hat im Iran-Krieg bereits Dutzende führende Persönlichkeiten des iranischen Machtapparats getötet, darunter Irans obersten Führer Ali Khamenei. Am Montag wurde zudem der einflussreiche Generalsekretär des Sicherheitsrats, Ali Larijani, gezielt getötet. Auch Larijanis Sohn wurde bei dem Angriff in Teheran tödlich verletzt.
Israels Führung hat die Tötung jedes ranghohen iranischen Vertreter genehmigt, der von der Armee ins Visier genommen wurde. Dafür sei keine weitere Genehmigung erforderlich, sagte Katz nach Angaben seines Büros. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und er hätten das Militär entsprechend autorisiert.
Bei einer Beratung habe Katz zudem angekündigt, im Laufe des Tages seien "bedeutende Überraschungen in allen Einsatzgebieten zu erwarten". Diese würden den Krieg gegen den Iran und die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz "auf eine neue Stufe heben". Die Intensität der Angriffe im Iran nehme noch zu, sagte er demnach.
Khatib wegen Cyberangriffen mit US-Sanktionen belegt
Khatib ist Anfang der Sechzigerjahre in der südwestlichen Provinz Khuzestan geboren worden. Seit fünf Jahren war der schiitische Geistliche Minister für die Nachrichtendienste der Islamischen Republik. Zuvor ist er in verschiedenen Funktionen im iranischen Sicherheitsapparat tätig gewesen.
Khatib galt als hervorragend vernetzt und behielt seinen Ministerposten auch nach dem Regierungswechsel 2024, als die ultrakonservative Regierung nach dem Tod von Präsident Ebrahim Raisi vom Reformisten Masoud Pezeshkian abgelöst wurde. Im Herbst 2022 belegten die USA Khatib mit Sanktionen. Hintergrund waren Cyberangriffe, die das iranische Geheimdienstministerium in Auftrag gegeben haben soll.
Mehrere Tote und Dutzende Verletzte bei Angriff im Iran
Die USA und Israel griffen am Mittwoch laut iranischen Medienberichten erneut verschiedene Regionen im Iran an, darunter die Hauptstadt Teheran. Des weiteren wurden demnach Ziele in der Provinz Lorestan und die Stadt Hamedan im Westen des Landes sowie Ziele in der Provinz Fars im Süden angegriffen.
Die Nachrichtenagentur Tasnim meldete, bei einem Angriff auf Wohngebiete in der Stadt Dorud in Lorestan seien sieben Menschen getötet und 56 weitere verletzt worden. Die Angaben konnten vorerst nicht unabhängig überprüft werden. Nach Angaben der Justiz-Website Misan wurde in der Provinz Fars ein Justizgebäude getroffen.
Nach Angaben der Rothalbmond-Gesellschaft wurde auch ein Rettungswagen gezielt angegriffen. Der Vorfall ereignete sich in der südlichen Stadt Lar in der Provinz Fars, wie die humanitäre Organisation auf Telegram mitteilte. Ein Bild zeigte ein fast vollständig zerstörtes Fahrzeug. Der Leiter des iranischen Roten Halbmonds, Pirhussein Koliwand, verurteilte den Luftangriff scharf. Er sprach von einem Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht. Die Einsatzkräfte seien ausschließlich mit der Hilfe für Verletzte beschäftigt gewesen. Zunächst war unklar, wessen Luftwaffe für den Angriff verantwortlich war.
Iran rächt Larijani: Zwei Tote bei Raketenangriff nahe Tel Aviv
Bei einem iranischen Raketenangriff aus Rache für den Tod von Sicherheitsratschef Ali Larijani starben zwei Menschen in Israel. Die iranischen Streitkräfte setzten Medienberichten zufolge mit Streumunition versehene Gefechtsköpfe ein. Mit der Attacke sei die Tötung Larijanis vergolten worden, berichtete die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim. Larijani soll am Mittwoch um 11.30 Uhr MEZ in der Hauptstadt Teheran beigesetzt werden. Auch der getötete Anführer der für die innere Sicherheit im Iran zuständigen Basij-Miliz, Gholamreza Soleimani, soll dann den Nachrichtenagenturen Fars und Tasnim zufolge beigesetzt werden.
Die iranischen Revolutionsgarden warnten unterdessen, Larijanis Tod werde weitere Angriffe nach sich ziehen. Armeechef Amir Hatami drohte, die iranische Antwort "auf die Ermordung des Vorsitzenden des Obersten Nationalen Sicherheitsrats wird entschlossen und bedauerlich sein". Der iranische Außenminister Abbas Aragchi erklärte, die Folgen des Iran-Krieges würden weltweit zu spüren sein. "Die Welle globaler Auswirkungen hat gerade erst begonnen und wird alle treffen, unabhängig von Wohlstand, Glauben oder Herkunft", schrieb er im Onlinedienst X.
In Bnei Berak östlich von Tel Aviv wurde dem Rettungsdienst zufolge ein Mann mit leichten Splitterverletzungen an der Hand ins Krankenhaus gebracht. Schäden aufgrund des Raketenangriffs wurden zudem am Bahnhof Savidor in Tel Aviv gemeldet. Der Zugverkehr an dem Bahnhof wurde vorübergehend eingestellt. Medienberichten zufolge musste die Feuerwehr wegen mehrerer Brände im Zentrum Israels ausrücken, nachdem dort Raketen eingeschlagen waren. Die meisten Geschoße konnte die Luftabwehr nach Militärangaben abfangen.