Japanischer TV-Sender erntet Kritik für Trickfilm

Anti-Rassismus

Japanischer TV-Sender erntet Kritik für Trickfilm

Clip über Proteste in den USA als rassistisch gebrandmarkt - Sender entschuldigt sich.

Tokio. Japans öffentlich-rechtlicher TV-Sender NHK hat mit einer Trickfilmsequenz über die Proteste in den USA Empörung ausgelöst. Der Sender bat am Dienstag um Entschuldigung und zog den Clip zurück. NHK erklärte, der von Kritikern als rassistisch gebrandmarkte Film habe dazu dienen sollen, die "harte Wirklichkeit für schwarze Menschen in den USA auf leicht verständliche Weise darzustellen".
 
In dem rund 80-sekündigen Video sind schwarze Zeichentrickfiguren zu sehen, die Geschäfte plündern und mit wutverzerrten Gesichtern eine Straße blockieren. Der Protest richte sich gegen die ungleiche Vermögensverteilung in den USA, hieß es zur Erklärung. Die Afroamerikaner seien besonders betroffen von der Corona-Pandemie, und viele von ihnen hätten ihre Arbeit verloren. Der tödliche Polizeieinsatz gegen den Afroamerikaner George Floyd, der die derzeitigen Proteste in den USA ausgelöst hatte, wird darin aber nicht erwähnt.
 
Nach der Ausstrahlung des kurzen Clips am Sonntag beschwerten sich zahlreiche Nutzer in Online-Netzwerken über die Darstellung der Proteste. "Das Video sieht aus, als ob NHK sich über Schwarze lustig macht, die in den USA für ihre Rechte kämpfen", schrieb ein japanischer Twitter-Nutzer. Auch die US-Botschaft in Tokio äußerte ihr Unverständnis. "Die Karikaturen sind beleidigend und unsensibel", erklärte der Diplomat Joseph M. Young. Die japanische Tennisspielerin Naomi Osaka übte ebenfalls Kritik.
 
Floyds Tod hatte in den USA eine Welle an Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Auch in zahlreichen anderen Ländern fanden Demonstrationen statt. In Tokio und Osaka versammelten sich am Wochenende Hunderte Menschen, um die Protestbewegung zu unterstützen.


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