Kroatische Polizei schießt auf Flüchtlinge - Kinder getroffen

Balkan-Fluchtroute

Kroatische Polizei schießt auf Flüchtlinge - Kinder getroffen

Zwölfjähriges Mädchen und Bub schwer verletzt, aber nicht in Lebensgefahr - Ministerpräsident Plenkovic: Schusswaffengebrauch vermutlich unangemessen.

Auf der immer häufiger genutzten Balkan-Fluchtroute durch Bosnien-Herzegowina und Kroatien haben kroatische Polizisten das Feuer auf einen Kleinbus mit Flüchtlingen eröffnet und dabei zwei Kinder schwer verletzt. Der Bus war in der Nacht auf Donnerstag illegal über die Grenze gekommen, wie das Nachrichtenportal "index.hr" berichtet.

Die Polizei habe mehrfach vergeblich versucht, das Fahrzeug anzuhalten. Als der Fahrer eine Straßensperre durchbrach, eröffneten die Polizisten in der Ortschaft Srb nahe der Grenze zu Bosnien-Herzegowina das Feuer. Der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenkovic kritisierte den Schusswaffengebrauch der Beamten als vermutlich unangemessen.

Immer mehr Flüchtlinge versuchen, auf andere Strecken auszuweichen

Nach der weitgehenden Schließung der klassischen Balkanroute über Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn versuchen immer mehr Flüchtlinge, auf andere Strecken auszuweichen, darunter solche, die durch Bosnien und Kroatien führen. In Bosnien sind seit Jahresbeginn 3.500 Menschen angekommen, von denen der Großteil in Richtung Mitteleuropa weiterzog.
 
Wie es in dem Bericht von "index.hr" weiter hieß, stoppte der Fahrer wenig später den Wagen und lief in einen Wald. Nach dem Bosnier wird noch gefahndet. Die Polizei fand in dem Kleinbus 29 Flüchtlinge aus dem Irak und aus Afghanistan, unter ihnen 15 Kinder. Zwei von ihnen hatten durch die Schüsse schwere Verletzungen am Kopf erlitten. Das zwölfjährige Mädchen und der Bub würden im Krankenhaus der Adriastadt Zadar behandelt. Sie sind nach Angaben von Ärzten außer Lebensgefahr. Weitere Passagiere benötigten angesichts der Umstände während der Fahrt in dem überfüllten Wagen ebenfalls ärztliche Hilfe.

Österreich kündigt an, Migrantenströme über die Balkanroute zu verhindern

Österreich hatte am Mittwoch angekündigt, mit seinen östlichen Nachbarstaaten Albanien, Bosnien und Herzegowina, Griechenland, dem Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Serbien und Slowenien neue Migrantenströme über die Balkanroute verhindern. Über konkrete Maßnahmen soll am 6. Juni bei einem Treffen in Slowenien beraten werden. Nach Angaben von Innenminister Herber Kickl (FPÖ) werde Österreich die Grenzen schließen, "damit sich nicht eine Krise wie 2015/2016 wiederhole". Die Bekämpfung illegaler Migration werde eine Priorität Österreichs nach Übernahme des EU-Vorsitzes am 1. Juli.
 
Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Genf sind die Zahlen ankommender Flüchtlinge in der Region teils deutlich gestiegen. In Albanien und Montenegro seien bis Ende Mai schon so viele Menschen angekommen wie im gesamten vergangenen Jahr, sagte UNHCR-Sprecher Charlie Yaxley.
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