Lügen über Flüchtlinge – und wie man sie widerlegt

"Flüchtlinge sind kriminell"

Lügen über Flüchtlinge – und wie man sie widerlegt

Vieles was im Internet über Flüchtlinge behauptet wird, wandelt irgendwo zwischen Fakten und Unwahrheiten. Hier der Faktencheck.

Flüchtlinge sind kriminell, lügen, sind undankbar, wollen nicht arbeiten und sind potenzielle Triebtäter, das sind nur einige der Vorurteile, die vor allem in den sozialen Netzwerken die Runde machen. Das sich dahinter dabei oft schlichtweg Unwissen und Rassismus verstecken, wollen sich viele nicht eingestehen. Natürlich sind Übergriffe wie sie in Köln und Slazburg passiert sind, schockierend und zu verurteilen. Bei mancher Kritik vermischen sich jedoch Lügen mit Gerüchten und werden in manchen Netzwerken plötzlich zu Wahrheiten.

Oe24.at hat jene „Argumente“ zusammengefasst, die in der Flüchtlingsdebatte am häufigsten für Diskussionsstoff sorgen, und sie einem Faktencheck unterzogen:

1. Flüchtlinge sind kriminelle Sextäter
Fakt ist, dass die Angst innerhalb der Bevölkerung zunimmt. Fast 60 Prozent der Deutschen etwa befürchten wegen des großen Flüchtlingsandrangs einen Anstieg der Kriminalität.

Nachlesen: Diese Flüchtlinge begehen die meisten Straftaten

Deshalb beschert die Flüchtlingswelle den Waffenhändlern momentan Rekordumsätze. Die Österreicher waren immer eine der am stärksten bewaffneten Nationen in Europa, doch jetzt sind alle Dämme gebrochen. Mehr als 70.000 Waffen mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres wurden verkauft.

Nachlesen: Österreicher decken sich mit Waffen ein

Häufigster Grund für die Aufrüstung: Angst vor Flüchtlingen und vor Dämmerungseinbrechern. Die Statistiken weisen aus, dass vor allem Zugewanderte aus Nordafrika straffällig werden, Syrer, Iraker und Afghanen eher selten. Eine erhöhte Kriminalität aufgrund der Flüchtlingsströme weisen die Statistiken des Innenministeriums jedoch nicht auf. Laut "Bild"-Zeitung sind weniger als 1 Prozent der Straftaten, die Flüchtlinge begehen, Sexualdelikte.

2. Flüchtlinge wollen nicht arbeiten
"Noch sind die Flüchtlinge nicht am Arbeitsmarkt angekommen", erinnerte der Vorstand des Arbeitsmarktservice neulich. Bei vielen Flüchtlingen läuft derzeit noch das Asylverfahren in Österreich und sie dürfen nur in Ausnahmefällen arbeiten. Für Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) ist es "eine große Herausforderung", die Asylberechtigten am angespannten Arbeitsmarkt unterzubringen. Arbeit sei der "beste Schlüssel für eine gelungene Integration" und wichtig, um "Sozialkosten zu minimieren", betonte Hundstorfer. Beim generellen Zugang von Asylwerbern auf den Arbeitsmarkt sei er "weiterhin auf der Bremse". Viele Asylwerber würden gerne arbeiten, dürfen aber nicht.

3. Flüchtlinge sind ungebildet
61 Prozent der anerkannten Flüchtlinge, die am Kompetenzcheck des AMS teilgenommen haben, verfügen über eine Berufsausbildung, Matura oder Studium. Vor allem Menschen aus dem Iran und Syrien verfügen über hohe Bildung. Unter den Syrern ist der Anteil der Akademiker und Maturanten sogar höher als bei Österreichern, berichtet der "Standard". Die 447 Frauen waren deutlich besser qualifiziert als die 451 Männer. 21 Prozent der Teilnehmer stammten aus Syrien, 11 Prozent aus dem Iran, 4 Prozent aus dem Irak, 26 Prozent aus Afghanistan und 38 Prozent waren sonstige Nationalitäten. Der Kompetenzcheck soll nun auf andere Bundesländer ausgeweitet werden.

4. Männer flüchten und lassen Frauen und Kinder allein zurück
Immer wieder wird behauptet, dass 90% der Flüchtlinge Männer wären und dazu feig, weil sie ihre Kinder und Frauen in der Heimat im Stich gelassen hätten. Vor allem auf Facebook tritt man diesen Argumenten immer wieder entgegen. Laut orf.at (Zahlen des Innenministeriums) sind es  rund 76 % Männer, die nach Österreich kommen (Stand Juni).

Der Grund für die überwiegend männliche Mehrheit: Die Flucht ist für Frauen und Kinder oft einfach zu gefährlich. Ohne Essen, Trinken und Schlaf würden viele Frauen und Kinder bei der Flucht zurückbleiben und im schlimmsten Fall sterben, deshalb werden meistens Männer vorgeschickt. Auch sexuelle Gewalt spielt dabei eine Rolle. Kinder und Ehepartner sollen bei positivem Asylbescheid nachgeholt werden. Wohlgemerkt: Die Flüchtlinge müssen selbst für den Familiennachzug nach Österreich aufkommen. Auf zwei positive Entscheidungen zieht eine Person nach.

5. Flüchtlinge sind undankbar und verprassen Geld für IPhones
Ein oft strapaziertes Beispiel für die Undankbarkeit unter Flüchtlingen ist dabei das Smartphone. Auf Facebook ist dabei immer wieder  zu lesen: „Ich kann mir so ein Smartphone nicht leisten, warum können es diese Flüchtlinge“.  Der Grund: Die Mär, dass Flüchtlinge mittellos nach Österreich kommen, ist falsch. Viele gingen Berufen in Syrien und Afghanistan nach und verdienten dadurch ehrliches Geld, daher auch die Handys. Vor allem geht es den Flüchtlingen darum, Kontakt mit der Heimat zu halten, deshalb ist das Smartphone ein wichtiger Bestandteil ihrer Flucht.

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