Maulwurf in Caracas

Neue Details: So lief der US-Einsatz in Venezuela ab

Immer mehr Details zur US-Operation in Venezuela kommen ans Tageslicht.

Es ist einer der außergewöhnlichsten Einsätze in der US-Geschichte: In der Nacht zum Samstag greifen die USA Venezuela an und nehmen Staatspräsident Maduro und seine Frau gefangen. US-Präsident Donald Trump ist von seinem Anwesen Mar-a-Lago aus live dabei: Wie eine Fernsehsendung zu verfolgen sei es gewesen, sagt er später dem US-Sender Fox News.

Die Maduros werden laut Trump mit einem US-Kriegsschiff nach New York gebracht, wo sie vor Gericht gestellt werden sollen. Wie ist es der US-Regierung gelungen, das venezolanische Staatsoberhaupt zu fassen und außer Landes zu bringen?

Maduro
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Ein Maulwurf in Caracas

Eine Spezialeinheit des US-Geheimdiensts CIA soll den Einsatz seit Monaten vorbereitet und in der Nacht zum Samstag begleitet haben, während die Eliteeinheit Delta Force die Maduros gefangen genommen haben soll.

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In den Tagen und unmittelbar vor seiner Gefangennahme habe ein Zuträger in der venezolanischen Regierung die CIA über den Standort von Maduro auf dem Laufenden gehalten, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen. Das zuletzt von der US-Regierung auf 50 Millionen Dollar erhöhte Kopfgeld auf Maduro soll bei der Rekrutierung des Maulwurfs geholfen haben, berichtet die Zeitung weiter.

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Maduros Position und Bewegungen seien zudem von einer Flotte von Tarnkappendrohnen überwacht worden, die neben den Hinweisen des CIA-Informanten eine nahezu lückenlose Überwachung ermöglicht haben sollen, so die "New York Times". Bereits im Dezember habe er den Angriff und die Festnahme der Maduros genehmigt, sagt Trump.

Maduro in einer Festung

Der Einsatz selbst soll von der US-Spezialeinheit Delta Force durchgeführt worden sein, berichten mehrere US-Medien übereinstimmend. Die Truppe sorgte bereits wiederholt für Schlagzeilen - etwa 2019, als der damalige Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, in Syrien getötet wurde. Auch dort sollen Spezialkräfte der Delta Force im Einsatz gewesen sein.

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Vor ihrem Einsatz sollen die Einsatzkräfte das Gebäude, in dem sie Maduro vorfanden, nachgebaut und sich darin vorbereitet haben, so Trump. Den US-Einsatzkräften sei es laut Trump gelungen, binnen "Sekunden" speziell gesicherte Stahltüren zu durchbrechen. "So etwas habe ich tatsächlich noch nie gesehen," so Trump, der den kompletten Einsatz gemeinsam mit seinen Mitarbeitern und Generälen live verfolgt haben soll. Zudem habe eine große Zahl von Flugzeugen, Hubschraubern und Kampfjets bereitgestanden. Maduro und seine Frau Cilia Flores seien aus ihrem Schlafzimmer gezerrt worden, berichtet der US-Sender CNN. Die Maduros seien sehr gut bewacht gewesen so Trump: "Eigentlich war er in einer Festung."

Die US-Militärpublikation military.com beschreibt die Delta Force als eine "hochselektive, streng geheime Einheit" des US-Militärs. Zusammen mit den Navy Seals zähle die Delta Force zu den am besten ausgebildeten Spezialeinsatzkräften des US-Militärs und der Welt, so die Militärzeitschrift.

Laut military.com wurde die Einheit 1977 gegründet. Den Informationen zufolge war sie an einer ganzen Reihe riskanter Einsätze wie beispielsweise der Militäroperation 1993 in Somalia beteiligt, die später durch den Hollywood-Film "Black Hawk Down" bekannt wurde. 1980 sollen Delta-Force-Einheiten auch an dem gescheiterten Versuch mitgewirkt haben, Geiseln aus der US-Botschaft im Iran zu befreien.

In Kolumbien hätten Einsatzkräfte der Delta Force die Suche nach dem Drogenboss Pablo Escobar unterstützt, berichtete die "Washington Post". Auch am Krieg in Afghanistan und an den beiden Irakkriegen soll die Einheit beteiligt gewesen sein und eine entscheidende Rolle bei der Gefangennahme des früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein gespielt haben, so military.com.

Auf dem Weg nach New York

Die Maduros sollen sich laut Trump auf dem Kriegsschiff Iwo Jima befinden. Ein Hubschrauber habe sie außer Landes und auf das Schiff geflogen, so Trump. Nach Angaben von US-Justizministerin Pam Bondi sind beide in New York angeklagt.

Bisher ist unklar, wo die Maduros in New York festgehalten werden sollen. CNN mutmaßt, dass das Hochsicherheitsgefängnis Metropolitan Detention Center in Brooklyn dafür ausgestattet sein könnte. Hier wurden auch der Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán, aber auch die Musiker Sean "Diddy" Combs und R.Kelly und die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell inhaftiert. Laut US-Medien könnten die Maduros bereits am Montag einem Richter vorgeführt werden.

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