Linksradikale Kräfte rufen zum Protest gegen die KZ-Gedenkstätte Buchenwald auf. Ausgerechnet am Wochenende des Befreiungstages werfen Aktivisten der Leitung vor, "israelische Propaganda" zu verbreiten.
Am Wochenende rund um den 11. April, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers, droht in Buchenwald ein politischer Eklat.
Wie die „Neue Zürcher Zeitung“ und die deutsche "Bild" berichten, werfen linksradikale Gruppen der Gedenkstätte vor, nicht ausreichend israelfeindlich zu sein. Hintergrund ist ein Vorfall aus dem vergangenen Jahr, bei dem einer Frau mit Palästinensertuch (Kufiya) der Zutritt verweigert wurde. Ein Gericht gab der Gedenkstätte in dieser Sache bereits recht.
Vorwurf des Geschichtsrevisionismus
Unter dem Slogan „Kufiyas in Buchenwald“ planen nun Organisationen wie die Studentenorganisation der Linkspartei, die „Jüdische Stimme“ und die DKP öffentliche Proteste. In einer Stellungnahme der Gruppen heißt es, die Gedenkstätte Buchenwald sei zu einem Ort des „Geschichtsrevisionismus und der Genozid-Leugnung“ geworden. Die Leitung des Zentrums, das an die Ermordung von mehr als 56.000 Menschen erinnert, wird beschuldigt, propalästinensische Stimmen zu kriminalisieren.
Kritik vom Antisemitismusbeauftragten
Die Reaktionen auf die geplanten Aktionen sind deutlich. Der Antisemitismusbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Felix Klein, sprach von einem „neuen Tiefpunkt der leider so geläufigen Täter-Opfer-Umkehr“. Er verurteilte „diesen frontalen Angriff auf die Würde des Erinnerns an die Opfer der Shoah auf das Schärfste“. Ein Sprecher der Gedenkstätten-Stiftung zeigte sich gegenüber der „NZZ“ ebenfalls besorgt: „Wir sind besorgt, dass versucht wird, das Gedenken unangemessen zu instrumentalisieren.“ In Buchenwald wurden zwischen 1937 und 1945 zehntausende Juden, Homosexuelle und andere Gruppen von den Nationalsozialisten ermordet.