Vorfreude

Die „Lugnerisierung“ des 68. Opernballes als Mörtels letztes Erbe

Neben Hollywood-Größen werden in den Logen der Staatsoper heuer vor allem zahlreiche Trash-TV-Stars für Gesprächsthema sorgen. 

Was die Wiener Staatsoper über Jahrzehnte mit dem aristokratischen Gestus der Exzellenz zu verhindern suchte, scheint nun unumkehrbar: Die endgültige „Lugnerisierung“ des Balles der Bälle. Jene Entwicklung, die einst mit den schrillen Stargästen des unvergessenen Richard Lugner (†91) ihren Anfang nahm, hat mittlerweile die Hoheit über das gesellschaftliche Narrativ übernommen. Während die Politik in diesem Jahr durch demonstrative Abwesenheit glänzt, mutiert das Parkett zur Manege für jene, die Aufmerksamkeit nicht durch Leistung, sondern durch bloße Anwesenheit generieren.

Mehr lesen: 

Zwischen Hollywood-Glanz und Trash-TV-Tristesse

Die Gästeliste liest sich wie ein verzweifelter Spagat zwischen dem alten Glamour und der neuen Belanglosigkeit. An der Spitze thronen zwar noch Namen von Format wie Sharon Stone oder Fran Drescher, doch das Fundament des Abends bröckelt in Richtung Reality-TV. Wenn sich Evelyn Burdecki, Harald Glööckler und die Geiss-Schwestern unter die Logenbesucher mischen, ist das Niveau-Limit nach unten offen. Dass auch die künstlerische Eröffnung – wie von wie Christian Mucha süffisant angemerkt – wohl eher das Flair der Volksoper als das der Weltbühne versprüht, komplettiert das Bild einer schleichenden Entweihung.

Adi Weiss, Davina und Shania und Michael Lameraner

Adi Weiss, Davina und Shania und Michael Lameraner

© STYLE UP YOUR LIFE!

Ein Festmahl für die Zyniker

Dieses illustre Personal ist freilich ein gefundenes Fressen für jene, die aus der Demontage von Prominenz ihr Kapital schlagen. Oliver Pocher, der in Begleitung seiner Ex-Frau Sandy Meyer-Wölden erscheint, dürfte bereits die rhetorischen Messer wetzen. In einem Umfeld, das vor latentem Konfliktpotenzial nur so strotzt und in dem auch eine Simone Thomalla für den nötigen Gesprächsstoff sorgen wird, ist das diplomatische Protokoll längst Makulatur.

Man kann es sich lebhaft vorstellen: Richard Lugner, der Architekt dieses bunten Wahnsinns, würde wohl mit einem verschmitzten Lächeln auf seinem letzten Ruheplatz triumphieren, sähe er, wie sein Erbe das ehrwürdige Haus am Ring nun endgültig im Griff hat. Am 12. Februar heißt es wieder "Alles Walzer!".

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten