Rufen sogar die Feinde der Angreifer zu Hilfe
Bern. Einige Paradeisersorten warnen ihre Nachbarn mit Duftstoffen vor Schädlingen. Die gewarnten Pflanzen werden resistent gegen Viren und rufen sogar die Feinde der Angreifer zu Hilfe, wie eine neue Studie der Universität Neuenburg zeigt.
Wie das Forschungsteam unter der Leitung des Biologen Ted Turlings von der Universität Neuenburg in der am Montag im Fachblatt "Pnas" veröffentlichten Studie zeigt, können sich einige Tomatenpflanzen so gegen sogenannte Begomoviren wehren. Diese Viren werden von Weißen Fliegen übertragen.
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Die Studie zeigt, dass Pflanzen, die von der Weißen Fliege befallen werden, ein spezifisches Duftsignal aussenden. Dieser flüchtige Stoff, das sogenannte Beta-Caryophyllen, dient als Warnung für benachbarte, noch nicht befallene Pflanzen.
Abwehrreaktion ausgelöst
Nehmen die Nachbarpflanzen diesen Duftstoff wahr, lösen sie eine Abwehrreaktion aus. Sie beginnen, Verteidigungsmoleküle zu produzieren, die sie gegen die von den Insekten übertragenen Begomoviren resistent machen. Dadurch wird die für die Tomaten schädliche Beziehung zwischen dem Schädling und dem Virus unterbrochen.
Die Reaktion der gewarnten Pflanzen geht jedoch noch weiter. Durch den Kontakt mit dem Duftstoff stoßen sie ihrerseits andere flüchtige Substanzen aus, darunter Methylsalicylat und Beta-Myrcen. Diese Duftstoffe locken natürliche Feinde der Weißen Fliege an.
Bei diesen Nützlingen handelt es sich um parasitoide Wespen. Diese töten die Jungtiere der Weißen Fliege und bieten den Pflanzen so einen zusätzlichen Schutz.
Die Autoren der Studie betonen allerdings, dass nicht alle Tomatensorten in der Lage seien, dieses Warnsignal auszusenden. Die Forschenden hoffen, durch eine gezielte Auswahl solcher Sorten neue Wege für die Entwicklung virusresistenter Nutzpflanzen zu finden.