Praljak im Krankenhaus gestorben

UNO-Tribunal bestätigt

Praljak im Krankenhaus gestorben

Kriegsverbrecher stirbt nach Gift-Trunk beim UN-Tribunal im Krankenhaus.

Slobodan Praljak, der frühere Befehlshaber des Kroatischen Verteidigungsrates (HVO) in Herceg Bosna, der am Mittwoch vor dem Haager UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien rechtskräftig verurteilt worden ist, ist gestorben. Das UNO-Kriegsverbrechertribunal hat den Tod des zu 20 Jahren Haft verurteilten bosnisch-kroatischen Ex-Militärchefs Slobodan Praljak bestätigt. Er starb in einem Krankenhaus in Den Haag, sagte Nead Golcevski, Sprecher des Tribunals, am Mittwoch. Praljak hatte direkt nach seiner Verurteilung offenbar Gift getrunken
 



Praljak war während des Bosnien-Krieges (1992 bis 1995) Militärchef der bosnischen Kroaten. Nachdem das Kriegsverbrechertribunal am Mittwoch sein Urteil (25 Jahre) aus erster Instanz bestätigte, nahm der 72-Jährige nach eigenen Angaben Gift ein. Gleichzeitig beteuerte er, unschuldig zu sein. Die Urteilsverkündung wurde daraufhin unterbrochen, Praljak wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Das Tribunal in Den Haag bestätigte den Tod vorerst nicht.

Slobodan Praljak: Militärchef der bosnischen Kroaten

Slobodan Praljak saß seit 2004 in den Zellen des UNO-Kriegsverbrechertribunals im Nordseebad Scheveningen in Den Haag. Der 72-Jährige hatte sich dem UN-Gericht selbst gestellt.

Der bosnische Kroate hatte nach Angaben des UNO-Gerichts zunächst ein hohes Amt im kroatischen Verteidigungsministerium und wurde im Krieg dann Kommandant bei den Streitkräften des selbst proklamierten Ministaates Herzeg-Bosna. In dieser Funktion war er über systematische Kriegsverbrechen gegen die muslimische Bevölkerung informiert, urteilte das Gericht. Dazu gehörten Morde und Vertreibungen.

Praljak gehörte dem Gericht zufolge mit den übrigen fünf Angeklagten einer "kriminellen Vereinigung" an. Sie habe das Ziel gehabt, durch "ethnische Säuberung" einen rein kroatischen Staat zu errichten. Dieses Ziel sollte dem Gericht zufolge mit einer gezielten Terrorkampagne erreicht werden.

Haftstrafen für drei weitere Angeklagte verkündet

Für die drei verbliebenen Angeklagten wurden die Urteile aus der ersten Instanz, mit Haftstrafen zwischen zehn und 20 Jahren, bestätigt.

Milivoje Petkovic, der einstige Chef eines Zentrums der kroatischen Streitkräfte in Bosnien-Herzegowina, erhielt eine 20-jährige Haftstrafe, der Kommandant der kroatischen Militärpolizei Valentin Coric wurde zu 16 und der Chef des Büros des Kroatischen Verteidigungsrates (HVO) für Gefangenenaustausch, Berislav Pusic, zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Bosnisches Präsidiumsmitglied kritisiert Urteile

Dragan Covic, kroatisches Mitglied der dreiköpfigen bosnischen Staatsführung, hat die rechtskräftige Verurteilung von sechs bosnischen Kroaten zu insgesamt 111 Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen heftig kritisiert. Das Urteil sei ein Verbrechen an allen ehrlichen Angehörigen des Kroatischen Verteidigungsrates (HVO - Streitkräfte), meinte Covic bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Sarajevo.

Der ehemalige HVO-Befehlshaber Slobodan Praljak habe sich aufgeopfert, um seine Unschuld zu beweisen, so Covic.



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