Rätsel um Tod von Putin-Gegner

Beresowski

Rätsel um Tod von Putin-Gegner

"Forbes"-Interview vor Tod - Oligarch: "Leben hat keinen Sinn mehr."

Zur Todesursache des am Samstag in Großbritannien tot aufgefundenen russischen Oligarchen Boris Beresowski gibt es weiter widersprüchliche Angaben. Das russische Magazin "Forbes" veröffentlichte im Internet ein am Freitagabend, wenige Stunden vor seinem Tod, mit Beresowski geführtes Interview. Darin sagt der erklärte Kremlkritiker und Intimfeind des russischen Präsidenten Wladimir Putin: "Mein Leben hat keinen Sinn mehr. Ich habe keine Lust Politik zu machen. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich bin 67 Jahre alt. Und ich weiß nicht, was ich in Zukunft machen soll."

Bei dem Interview des "Forbes"Journalisten Ilja Dschegulow handelte es sich eher um ein informelles Gespräch, das nicht aufgenommen wurde und nicht zur Veröffentlichung bestimmt war. Nach Beresowskis Tod entschied sich der Journalist jedoch, es publik zu machen. "Nichts wünsche ich mir mehr als nach Russland zurückzukehren", sagt Beresowski in dem Interview. "Ich hatte unterschätzt, wie sehr ich an Russland hänge und dass ich kein Emigrant sein kann."

Zuvor hatte Beresowskis Anwalt Alexander Dobrowinski dem Nachrichten-Fernsehsender Rossija 24 gesagt: "Ich habe aus London einen Anruf erhalten, in dem mir gesagt wurde, dass Beresowski sich umgebracht hat". Dazu, wer ihn aus London anrief, machte der Anwalt keine Angaben. Er fügte hinzu, Beresowski sei zuletzt in einem "furchtbaren Zustand" und "völlig überschuldet" gewesen. Er habe seine Kunstschätze und andere Dinge verkaufen müssen. Beresowskis Freund Demian Kudriawzew widersprach der Darstellung: "Das weiß keiner, es gibt keine äußeren Zeichen für Selbstmord."

Beresowski war auf seinem Anwesen in Ascot nahe London tot aufgefunden worden. Die britische Polizei erklärte, sie habe eine Untersuchung zu den Todesumständen eingeleitet, die "ungeklärt" seien. Eine umfassende Untersuchung sei angelaufen. Beresowski lebte seit dem Jahr 2000, als Putin zum ersten Mal Präsident wurde, in Großbritannien im Exil und kritisierte von dort aus die Machthaber im Kreml.

Die russischen Behörden warfen Beresowski im vergangenen Jahr Anstiftung zu Unruhen vor, nachdem er dazu aufgerufen habe, die Rückkehr Putins in den Kreml zu verhindern. Beresowski habe die russischen Bürger öffentlich zu "massiven Störungen" aufgefordert, die von Gewalt begleitet gewesen seien. Damit habe er auf "illegale" Weise versucht, die Vereidigung Putins zum Präsidenten zu verhindern.

Gift-Experten finden "nichts Verdächtiges" in Beresowskis Haus
Gift-Experten der britischen Polizei haben im Haus des tot aufgefundenen russischen Oligarchen und Kreml-Kritikers Boris Beresowski nach eigenen Angaben "nichts Beunruhigendes" gefunden. Die auf chemische, biologische und radioaktive Stoffe spezialisierten Kriminaltechniker hätten "nichts Verdächtiges" im Haus entdeckt, daher "führen wir jetzt die üblichen Ermittlungen durch", erklärte die zuständige Thames Valley Police am Sonntag.  "Wir haben nichts, was nach derzeitigem Stand darauf hindeutet, dass Dritte beteiligt waren", sagte Chief Inspector Kevin Brown.

Die Polizei hatte die Todesumstände zuvor als "ungeklärt" bezeichnet. Beresowski war mit dem ebenfalls im britischen Exil lebenden Kremlgegner und ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Alexander Litwinenko befreundet. Litwinenko war 2006 an einer Vergiftung mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 gestorben, nachdem er in einem Londoner Hotel mit einem russischen Agenten und einem Geschäftsmann Tee getrunken hatte. Im Dezember teilte die britische Justiz mit, die Behörden hätten ausreichend Beweise für eine Verwicklung Russlands in den Gifttod des Ex-Agenten.

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