Fritzl-Fall Ruinerwold

Horror in Ruinerwold

Sektenhof: Das geheime Doppelleben des Österreichers Josef B. (58)

Er galt unter all seinen Arbeitgebern als fleißiger, hart arbeitender und eher ruhiger Mann: der Österreicher Josef B. führte jedoch ein bizarres Doppelleben.

Ruinerwold. Der Österreicher Josef B. (58) pachtete den rätselhaften Bauernhof in Ruinerwold, auf dem später auch Sektenchef Gerrit-Jan van D. (67) mit seinen sechs Kindern in einem fensterlosen Raum hauste. Der abgeschieden gelegene Hof wird von hohen Büschen und Gemüsegärten umgeben – der Ort schien perfekt für die beiden Männer um ihre bizarren Sekten-Fantasien auszuleben.

Fleißiger Arbeiter

Josef B. wohnte in Meppel, knapp acht Kilometer von dem Sektenhof entfernt. In seiner Mini-Wohnung zimmerte er Möbel aus Holz und half gelegentlich als Freiberufler in verschiedenen Werften aus. Laut Berichten der deutschen "Bild" galt Josef B. als sehr hart arbeitender, präziser Handwerker – er soll alle sieben Wochentage durchgehend gearbeitet haben. Frühere Arbeitgeber bezeichneten B. als eher wortkargen Arbeiter. Falls er doch mal den Mund öffnete, dann bloß um sich über die "Regierung" oder Ärzte aufzuregen. B. soll jedenfalls hin und wieder von seinem Traum komplett recyclebare Häuser aus Strom und Lehm zu errichten erzählt haben. Über Privates redete er kaum.

Verdächtiges Verhalten

Ein Detail fiel jedoch allen Ex-Arbeitgebern auf: Täglich, punkt 15 Uhr, ließ B. die Arbeit ruhen und machte sich zu seinem Bauernhof auf. Vier Stunden später tauchte der Österreicher wieder auf – er hätte "etwas im Garten arbeiten müssen". 

In Zwartsluis, 12 Kilometer von Meppel entfernt, mietete Josef B. zwei kleine Läden, in denen er selbst hergestelltes Holzspielzeug verkaufte. Im Jahr 2010 machte er die Läden jedoch dicht. Ebenfalls 2010 pachtete B. schließlich den Bauernhof in Ruinerwold – es war derselbe Zeitpunkt, als Gerrit-Jan van D. (67) und seine Kinder spurlos verschwanden. 

Freiheitsberaubung, Kindesmisshandlung & Geldwäsche

Josef B. und Gerrit-Jan van D. sitzen nun im Gefängnis. Ihnen wird Freiheitsberaubung, Kindesmisshandlung und Geldwäsche vorgeworfen. Der Österreicher dürfte demnach eine Art Sektenkult gegründet haben: die Kinder wurden einer "Gehirnwäsche" unterzogen, ihre Angst wurde instrumentalisiert. Nachbarn und Ex-Arbeitgeber waren anlässlich der schweren Verbrechen des Österreichers sichtlich schockiert. Ein ehemaliger Arbeitgeber konnte das bizarre Doppelleben des Sektenmitgliedes nicht fassen, als er die holländischen Nachrichten las: "Unser Josef! Wie kann das sein?"



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