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Frankreich

Anspannung zum Jahrestag der französischen Unruhen

Innenminister Nicolas Sarkozy, der 2005 die Stimmung noch aufgeheizt hatte, mahnt zur Zurückhaltung.

Wenn die Nacht anbricht, gehen wieder Dutzende Autos in Flammen auf. Auf die Straße wagen sich dann nur noch Halbstarke oder Männer aus der Nachbarschaft. Streifenwagen, die sich in die Problemviertel verirren, werden mit Steinen attackiert. Was wie ein Bericht über die Unruhen in französischen Einwanderervierteln vor einem Jahr klingt, ist französischer Alltag.

Mit dem Nahen des 27. Oktober macht diese sonst ignorierte Realität wieder Schlagzeilen. Dann jährt sich der Beginn der wochenlangen Krawalle, bei denen in 300 Städten 10.300 Fahrzeuge sowie 300 Gebäude in Flammen aufgegangen waren.

Sarkozy mahnt zur Zurückhaltung
Innenminister Nicolas Sarkozy, der 2005 die Stimmung noch mit der forschen Parole aufgeheizt hatte, er werde die Vorstädte mit dem Hochdruckreiniger von dem Gesindel säubern, mahnt am Mittwoch zur Zurückhaltung. Die Medien sollten " keine künstlichen Probleme schaffen", indem sie den Jugendlichen eine Bühne gäben, sagt Sarkozy. "Diese ganze Aufregung um einen Pseudo-Jahrestag hat keinen Sinn." Einen erneuten " Krawallwettbewerb" rivalisierender Banden vor laufender Kamera will er möglichst vermeiden.

Doch ein halbes Jahr vor der Präsidentenwahl verhallen Sarkozys Worte folgenlos. Linke Medien wie die "Libération" wetteifern um den Nachweis, dass der Präsidentschaftsbewerber mit seiner " Law-and-Order"-Politik gescheitert sei und die Lage der Jugendlichen in den Vorstädten sich nicht verbessert habe.

Dass die Einwandererviertel jederzeit wieder entflammen können, ist allseits unbestritten. Denn eigentlich sind die Feuer nie erloschen. Seit Jahresbeginn werden im Schnitt täglich 15 Attacken auf Polizisten und 115 angezündete Autos gezählt. Normalerweise findet das keinen Widerhall in den Medien. Doch vor dem Jahrestag machen plötzlich Warnungen der Geheimdienste vor einer Zuspitzung der Lage die Runde. "Die Spannung steigt unaufhörlich", erklärt die Polizeigewerkschaft UNSA.

Eine Hinwendung zu radikalen Muslimgruppen lässt sich - anders als 2005 befürchtet - bei den Randalierern nicht feststellen. Im Gegenteil: Die Muslimgruppen wirken eher mäßigend auf die Halbstarken ein. Allerdings ist unbestreitbar, dass die allermeisten Randalierer aus Einwandererfamilien aus Afrika entstammen, vor allem aus Algerien.

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