Geburtshelfer in Frankreich wegen Vergewaltigung verurteilt

12 Jahre Haft

Geburtshelfer in Frankreich wegen Vergewaltigung verurteilt

Der 49-Jährige muss zwölf Jahre in Haft. Ihm werden Übergriffe auf zwölf Patientinnen vorgeworfen.

Wegen insgesamt elf Vergewaltigungen sowie einem sexuellen Überfall auf Patientinnen ist ein Geburtshelfer in Frankreich zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Gericht im südfranzösischen Département Herault setzte die Strafe für den 49-Jährigen am Freitagabend fest. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor die Höchststrafe von 20 Jahren Haft für den Mann gefordert.
 

Medizinische Eingriffe vorgegaukelt

 
Unter dem "Deckmantel der Vertrautheit" habe der Mann sich an seinen Patientinnen vergriffen, sagte Staatsanwalt Albert Cantinol. "Er machte sie zu Opfern, die in ihren Schuldgefühlen gefangen waren." Der Geburtshelfer sei nicht davor zurückgeschreckt, "verletzliche Frauen auszunutzen", die sich während ihrer Schwangerschaft oder nach der Geburt an ihn gewandt hätten.
 
Aus Sicht des Gerichts beging der 49-Jährige seine Taten zwischen 2013 und 2016. Während der Geburtsvorbereitung und nach der Geburt soll er seinen Patientinnen medizinische Eingriffe vorgegaukelt haben, um sie sexuell zu missbrauchen.
 
Der Angeklagte zeigte sich "sprachlos" und entschuldigte sich vor der Urteilsverkündung bei den Opfern. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters und der Anwälte antwortete er zweideutig: "Natürlich habe ich das Leiden der Patientinnen wahrgenommen, und es tut mir leid. Ich trage einen Teil der Verantwortung an diesem Leiden, aber ich habe dies zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt. Ich habe diese Patientinnen verehrt."
 

Das spricht die Verteidigung

 
Seine Rechtsvertreterin Maryse Pechevis brachte in ihrer Verteidigungsrede eine mögliche geschlechtsspezifische Diskriminierung ihres Mandanten ins Spiel. "Wäre er auch beschuldigt worden, wenn er eine Frau wäre?", fragte sie. Einziges Ziel ihres Mandanten sei es gewesen, die körperliche Funktionstüchtigkeit seiner Patientinnen und ihr Wohlergehen wiederherzustellen.
 
Viele seiner Opfern hatten angegeben, sich während der Missbräuche wie "gelähmt" gefühlt und sich zunächst nicht getraut zu haben, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Alle sprachen von einem massiven Vertrauensbruch, der sich in einer Zeit ereignet habe, in der sie besonders verwundbar gewesen seien.
 
Ein psychiatrischer Gutachter kam zu dem Schluss, dass der 49-Jährige ein "Gelegenheitstäter" sei, der über eine "perverse" Persönlichkeit verfüge. Die Kindheit des Beschuldigten sei von familiärer Gewalt, Alkoholismus und mehrfachem Inzest geprägt gewesen.
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