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EU-Drogenstudie

Suchtgift wird immer billiger

Drogen werden immer billiger. Immer mehr haben Erfahrung mit Suchtgiften. Das enthüllt der neue EU-Drogenbericht.

Suchtgifte werden ein Europa immer billiger. Jugendliche kommen mit Drogen oft erstmals bei Tanzveranstaltungen und im Urlaub in Kontakt. Abhängige Frauen haben im Vergleich zu männlichen Süchtigen weniger Chancen auf eine Therapie. Das sind Hauptpunkte des Jahresberichts 2006 über den Stand der Drogenproblematik in Europa, der am Donnerstag von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) in Brüssel veröffentlicht wurde.

22,5 Millionen nutzten Cannabis
Die spektakulärste Zahl aber findet sich im Kleingedruckten: 20 Prozent aller Erwachsenen in Europa haben zumindest einmal im Leben zu Cannabis gegriffen, 65 Millionen Menschen also haben eine Rauschgift-Vergangenheit.
Bei 22,5 Millionen Menschen ist es mehr als das: Sie haben eine Drogen-Gegenwart. Denn sieben Prozent aller erwachsenen Europäer haben im letzten Jahr zu Haschisch gegriffen.
12 Millionen (vier Prozent) probierten Cannabis im letzten Monat, drei Millionen (ein Prozent), langt täglich zu.

Die weiteren Kennziffern des Drogenberichts:

  • Drogen werden immer billiger. Der Straßenpreis für illegale Suchtgifte ist so niedrig wie noch nie. So sackte der Preis für Cannabis-Harz um 19 Prozent ab, jener für Kokain um 22 Prozent und für braunes Heroin sogar um 45 Prozent. Bei Amphetamin gab sank der Preis um 20 Prozent und für Ecstasy um 47 Prozent. Gründe: Überproduktionen in Afghanistan. Und: Internationale Drogen-Kartelle haben Europa als Zukunftsmarkt entdeckt.
  • Kokain ist nach Cannabis die meistgehandelte Droge weltweit. Bei 10 Millionen Europäern hat es schon mindestens einmal geschneit. 80 Prozent des Konsums entfallen auf Pulver, 20 Prozent auf Crack.
  • Nummer 3 unter den Rauschmitteln: Amphetamine. 10 Millionen Europäer haben Erfahrung damit. In Europa werden Amphetamine vor allem in der Tschechischen Republik (unter dem Markennamen "Pervitin") produziert.
  • Europa ist das weltweite Hauptzentrum für die Herstellung von Ecstasy. 8,5 Prozent aller Erwachsenen haben die Disko-Drogen schon mindestens benutzt.
  • Die Zahl der Drogentoten in Europa steigt wieder (nachdem sie die Jahre zuvor kontinuierlich gesunken war), aktuell um drei Prozent. Im Durchschnitt werden in Europa jährlich zwischen 7.000 und 8.000 Drogentote registriert. Das sind drei Prozent aller Todesfälle bei Erwachsenen unter 40.
  • Wenig überraschend: Für Jugendliche sind die größten Gefährdungszonen für den Kontakt mit illegalen Suchtgiften Tanzveranstaltungen wie Clubbings etc. Über 60 Prozent der Clubbesucher, die in einigen Milieus in Frankreich, Italien und dem Vereinigten Königreich befragt wurden, gaben an, sie hätten mindestens einmal in ihrem Leben Kokain ausprobiert.
  • Zweite Falle: Urlaub. In Spanien ist der Freizeitdrogenkonsum rund um die Touristenorte am Mittelmeer am höchsten und in Schweden, wo der Drogenkonsum im europäischen Vergleich relativ niedrig ist, haben laut einer Studie 23 Prozent der Jugendlichen, die illegale Drogen ausprobiert haben, dies zum ersten Mal im Ausland getan. Über ein Drittel der Ecstasy-Konsumenten (37 Prozent) konsumiert Ecstacy im Urlaub an fünf oder mehr Tagen pro Woche und damit mindestens fünf Mal öfter als zu Hause.

Positiv hervorgehoben wird in dem Bericht übrigens Österreich, wo Patientinnen für die Zeit einer Drogen-Therapie Hilfe bei der Betreuung ihrer Kinder bekämen.

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